5 Herzchen, Rezension, Roman
Schreibe einen Kommentar

Rezension #27: „Hideous Creatures“ von S.E. Lister

Daten:

Verlag: Old Street Publishing (13. Mai 2014)
erschienen als: Taschenbuch, E-Book
gelesen als: E-Book (Kindle)
ISBN-10: 1908699566
ISBN-13: 978-1908699565
ASIN: B00JTJEUAE
Sprache: Englisch
Größe: 512 KB bzw. 214 Seiten

Worum geht es?

(Kurzbeschreibung von Amazon)

Arthur Hallingham is the youngest son of an English earl. He’s on the run from his former life – from a family where painful, half-understood secrets lurk. Arthur travels on a slave ship to America, hoping to lose himself amidst the teeming squalor and vaulting ambitions of the New World. Before long he meets Flora, the tough daughter of an outlaw, and Shelo, a native medicine man with mysterious powers who seems to have a plan for him.

The three set off on a journey through the thick forests and along the wide rivers of the lush southern wilderness. As they near their destination, Shelo’s terrible and destructive purpose is gradually revealed. Hideous Creatures is a rich, beautiful and compelling novel that will appeal to readers of Audrey Niffenegger and Neil Gaiman, by a young debut author destined for literary stardom.


Warum habe ich es gelesen und was ich erwartete?

Ich habe das Buch bei Amazon als „Kindle Deal des Monats“ zu einem reduzierten Preis gekauft.

Angesprochen hat mich zum einen das zweifarbig gehaltene Cover mit der gezeichneten Motte und zum anderen der Titel. Als sich dann auch noch die Kurzbeschreibung vielversprechend las, habe ich zugeschlagen.

Vor allem dass in diesem Buch ein Medizinmann eine Hauptrolle spielt, fand ich interessant. Es versprach ein Buch mit einem Einschlag ins Mystisch-Übernatürliche oder die Welt der Geister und Dämonen zu werden.


Wie war mein erster Eindruck?

Das Buch verbreitet von der ersten Seite an eine bedrückende, unheilvolle Atmosphäre. Das Leben wird als Last und die Welt als unglücklicher, unvollkommener Ort voller Leiden    und (dunkler) Magie dargestellt. Den Protagonisten Arthur plagt ein Weltschmerz und eine grundsätzliche Enttäuschung vom Leben.

Diese Gefühlswelt des Protagonisten spiegelt sich auch in den Orten wider, an denen sich Arthur aufhält. Arthur flieht auf einem Sklavenschiff, auf dem auf hoher See eine schwere Seuche auftritt. Endlich in der „Neuen Welt“ angekommen, landet Arthur in einer illegalen Abtreibungsklinik, deren „Arzt“ die ungeboren Föten in Einmachgläser konserviert.

Das Buch ist zwar in der dritten Person erzählt; der Autor ist jedoch nur auf den ersten Blick um Neutralität bemüht.
Der Leser erfährt nur das, was Arthur sieht, hört, riecht und denkt. So staunt man dem Protagonisten einerseits über all die Wunder, die ihm auf dieser Reise begegnen; schaudert aber auch andererseits mit ihm all die seltsamen, beängstigenden Dinge, die ihm widerfahren. Auch Orte und Personen nimmt der Leser nur durch seine depressiv-melancholische Brille wahr. Dies „verzaubert“ die Welt einerseits etwas; zwingt den Leser andererseits aber auch zu eigenen Schlussfolgerungen.
Mich hat es anfangs etwas irritiert, da ich eine Weile brauchte, um zu realisieren, dass der Erzähler trotz dritter Person Arthurs Perspektive angenommen hat.


Wie fand ich …

… den Anfang?

Den Anfang fand ich nicht nur auf Grund der Erzählperspektive etwas irritierend.

Nach dem ersten Kapitel gibt es auch einen ziemlichen Sprung zurück in der Zeit. Hinzu kommt, dass es ein sehr abrupter Beginn ist, bei dem man sofort mit sehr dramatischen Ereignissen konfrontiert wird, ohne die Hintergründe und Zusammenhänge zu kennen.
Zunächst war ich daher etwas orientierungslos, weil ich nicht wusste, wie ich das erste Kapitel einordnen soll.

Gleichzeitig machte mich dieser Anfang jedoch auch neugierig, weil ich wissen wollte, was genau passierte und wie es zu den Ereignissen in Kapitel 1 und der Reise in die „Neue Welt“ kam.

Bewertung: ♥♥♥♥ – ♥♥♥♥♥ /6

… den Handlungsverlauf?

Die Geschichte wird nicht durch einen „geraden“ Handlungsverlauf erzählt. Der Autor beginnt nicht an einem bestimmten Punkt zu erzählen und entwickelt die Handlung von hieraus chronologisch weiter. Vielmehr springt er immer wieder zwischen verschiedenen Handlungsteilen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten spielen, hin und her. Kapitel 1 schildert z.B. das „große Finale“ des Buchs. Anschließend macht Lister einen Sprung in der Vergangenheit, um im 5. Kapitel wieder unmittelbar an das erste anzuschließen. Der eigentliche „Beginn“ der Geschichte (aus chronologischer Sicht) wird erst im 3. und letzten Teil des Buchs erzählt.

Hierbei gelingt es Lister, dass der Leser nie den überblick verliert und immer bereits auf der ersten Seite eines Kapitels merkt, welcher Handlungsstrang weitererzählt wird.

Der ungewöhnliche Aufbau des Buchs trägt zum Spannungsaufbau bei. Der Leser muss sich die Zusammenhänge selbst erschließen. Das Timing von Lister ist dabei perfekt. In chronologisch korrekter Reihenfolge wiedergegeben, wäre die Handlung sicherlich weniger reizvoll, wenn auch nicht langweilig.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ /6

… die Charaktere?

Neben Arthur, den ich leider nicht immer verstanden habe, gibt es zwei weitere Hauptcharaktere:

  • Flora ist die Tochter eines Gesetzlosen. Mit gerade einmal 17 Jahren steckt sie in ihrer Entwicklung irgendwo zwischen kindlichem-naivem Verhalten und starker, mutiger Frau. Von den drei Hauptcharakteren war sie für mich wenigstens „greifbar“.
  • Shelo, der Medizinmann, ist eine wirklich unheimliche, dunkle Gestalt, die nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint. Er hält sich für eine Art Gott und meint, Gutes zu tun. Tatsächlich ist er jedoch skrupellos, brutal, egoistisch und grausam. Für mich war er die eigentliche Hauptfigur, an deren Skurilität ich sehr viel Freude hatte; vor dem mich aber auch gruselte.

Obwohl ich mich mit keinem so richtig identifizieren konnte, fand ich die Konstellation sehr unterhaltsam.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ / 6

… das Ende?

Insgesamt ist der 3. Teil wirklich gut gemacht. Er ist sehr anrührend und hat eine unerwartete Wendung.  Leider gefiel mir das letzte Kapitel nicht besonders. Dieses war mir nach der doch recht düster-melancholischen Geschichte zu positiv.

Bewertung: ♥♥♥♥ / 6

… den Buchsatz?

Der E-Book-Satz ist übersichtlich und ohne größere Fehler. Er lässt sich gut und flüssig lesen. An einigen Stellen, an denen kleiner Zeitsprünge bzw. Ortswechsel in der Handlung waren, hätte ich mir eine Leerzeile gewünscht.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ – ♥♥♥♥♥♥ / 6

… die Verständlichkeit der Sprache?

Für mich (mittlere Sprachniveau) war die Sprache etwas anspruchsvoller. Vor allem zu Beginn musste ich einige Seemannsbegriffe nachschlagen. Später wurde es leichter dem Buch zu folgen. Lange Sätze musste ich aber teilweise 2, 3 Mal lesen. Der Lesefluss wurde jedoch nicht über Gebühr gestört.

Bewertung: ♥♥♥♥ – ♥♥♥♥♥ / 6

… das Buch insgesamt?

Mir hat die Mischung aus düster-melancholischer Stimmung und skurrilen Orten und Charakteren sehr gut gefallen. Auch das mystisch-dämonische Element in der Geschichte konnte mich begeistern. Das Buch handelt von den finstern Dingen, die hinter der Fassade der Menschen lauern.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ / 6


Was ich besonders gut fand:

Das Buch überzeugt vor allem durch die außergewöhnliche Stimmung und Atmosphäre, die darin kreiert wird. Hierzu gehören nicht nur nicht ausgefallenen Hauptcharaktere sondern auch die skurrilen Orte, an denen die Geschichte spielt.


Was ich besonders schlecht fand:

Schade fand ich es, dass in der Mitte des Buches aufgeklärt wird, ob Shelo nun tatsächlich besondere Fähigkeiten besitzt oder nur „irre“ ist. Ich hätte es schön gefunden, wenn der Autor dies der Fantasie des Lesers überlassen hätte.


Was ich sonst noch dazu zu sagen habe:

„Hideous Creatures“ ist ein Debütroman, der erst im Mai erschienen ist. Eine deutsche Übersetzung gibt es derzeit (noch) nicht.


Erinnerte mich beim Lesen an:

  • Filme von Tim Burton, z.B. Sweeney Todd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.