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#Selbstliebe – oder: drei Dinge, die ich an mir mag

Eigentlich sollte dies ein Beitrag darüber werden, wie ich es geschafft habe, in einem Dreivierteljahr fast 20 kg abzunehmen und was sich seitdem für mich persönlich verändert hat. Dann aber habe ich auf STERN TV einen Beitrag über den Film „Embrace“ gesehen, der mich zum Nachdenken brachte. Gerade jetzt im Frühjahr gibt es sowieso viel zu viele Beiträge à la „in 4 Wochen zum perfekten Bikini-Body“, die suggerieren, wir müssten nun alle dem selben Körperideal nacheifern. Der wunderbare, mutige und ehrliche Beitrag „Die Sache mit der Selbstliebe“, den Charlousie vor 3 Tagen auf „LeseLust & LeseLiebe“ veröffentlichte, inspirierte mich schließlich zu diesem Text.

In den letzten Wochen wurde ich verstärkt auf meine Abnahme angesprochen. Die Frauen wollen vor allem wissen, wie ich das geschafft habe; während die Männer eher nette Komplimente machten. Natürlich freut mich das sehr. (Wer bekommt nicht gerne Komplimente?!) Aber irgendwie ist es auch ein bisschen seltsam, denn ich selbst stelle an mir gar keine so große Unterschiede fest. Und das obwohl ich meine körperliche Veränderung an lockerer sitzenden Jeans und weiter fallenden T-Shirts natürlich bereits viel früher bemerkte, als sie für andere sichtbar wurde. Auch die Waage, auf die ich mich nach wie vor mindestens einmal pro Woche stelle, zeigt in unverrückbaren Zahlen, meinen Abnahmeerfolg.

Trotzdem fühle ich mich nicht sehr verändert. Zwar bin ich körperlich fitter, aber eine neue Kleidergröße macht aus mir ja noch keinen neuen Menschen. Und so sehe ich auch heute, wenn ich mich in meinem Sommerkleid in Größe 36 vor den Spiegel stelle, all die kleineren und größeren Unzulänglichkeiten: der Bauch ist noch immer nicht richtig straff und die Oberschenkel nicht schmal genug. Dafür könnte der Busen etwas größer sein. Auch die Winkearme sind leider noch immer nicht ganz verschwunden. Und das ausgerechnet auf meiner Nase, die ich noch nie richtig leiden konnte, auch noch ein Leberfleck sein muss, nervt mich tierisch. Überhaupt bin ich zu blass und meine Haare haben die Farbe eines schmutzigen Straßenköters.

Vergangene Woche war ich in einer 7/8-Skinnyjeans mit Minikleid im Büro; ein Outfit über das ich im Vorfeld lange Zeit nachgedacht habe, ob ich es überhaupt und dann auch noch im Büro tragen kann. Ich bekam an dem Tag gleich von zwei Kolleginnen vollkommen unabhängig von einander Komplimente, wie toll mir dieses Outfit doch stehen würde und wie gut es meine Figur betone. Und was habe ich gesehen, als ich mich an diesem Abend noch einmal im Spiegel betrachtete? – Dass meine Knie viel zu knubbelig, meine Waden zu dick und meine Beine zu kurz sind, um Skinnyjeans wirklich tragen zu können.

Ich könnte diese Liste noch eine ganze Weile fortsetzen, aber ich denke, der springende Punkt ist längst klar.

 Aber woher kommt es, dass gerade wir Frauen, aber auch zunehmend junge Männer, so überkritisch mit dem eigenen Körper sind? Wieso sind viele – bei STERN TV fiel die erschreckende Zahl von 91% aller Frauen – so furchtbar brutal mit sich selbst? Wieso fällt es uns so schrecklich schwer uns selbst mit ein bisschen mehr Liebe zu betrachten?

Bei anderen gelingt uns das doch auch! Ich werde einen 120kg-Mann heiraten, bei dem das Thema Gewicht – weder seines noch meines – in mittlerweile schon über 7 Jahre Beziehung kein einziges Mal zur Sprache kam. Und eine gute Freundin und ehemalige Arbeitskollegin hat krankheitsbedingt ebenfalls starkes Übergewicht, ohne dass ich deswegen jemals schlechter von ihr gedacht hätte. Es ist ganz im Gegenteil schon des Öfteren vorgekommen, dass ich Personen, die sich in meiner Gegenwart abwertend zu dem Körpergewicht von einem der beiden geäußert haben, in aller Deutlichkeit zurechtgewiesen habe. Auch als mir meine Mutter gestern erklären wollte, sie können nicht im Sommerkleid zum Shoppen fahren, weil sie so hässliche Beine habe, war mein Rat „Wen es stört, soll halt weggucken.“.

Vielleicht sollte ich selbst mal auf meine eigenen Ratschläge hören, wenn ich schon nicht anderen Menschen glauben kann.

Im letzten Jahr war ich auf einem Kommunikationsseminar. Die Trainerin gab mir dort das sehr berechtigte Feedback, ich würde meistens viel zu ernst schauen, und den guten Rat, einfach bewusst bis über beide Ohren zu strahlen. Sie erklärte, man könne sein Gehirn dadurch „umprogrammieren“. Wenn man sich täglich nur ein paar Minuten wie ein Honigkuchenpferd freute – und sei der Anlass auch noch so nichtig und albern -, bekäme man tatsächlich eine positivere Grundeinstellung, die dann auch auf die eigene Ausstrahlung wirke. Das müsste doch eigentlich auch mit dem eigenen Körperbild funktionieren. Wenn wir also das nächste Mal wieder mit einem vernichtenden Blick vor dem Spiegel stehen, sollten wir dem inneren Kritiker vielleicht einmal mit etwas Selbstliebe entgegentreten und uns bewusst die Dinge vor Augen führen, die uns an uns gefallen.

Weil ich gerne gut vorbereitet bin, habe ich mir schon ein wenig zu Recht gelegt:

    • Ich mag einen ebenmäßigen Teint.
    • Ich mag meine Füße – trotz Zwillingszehen.
    • Ich mag meine Handgelenke.

Übrigens war es für mich sehr viel schwerer als gedacht, auch nur diese drei positiven Dinge an meinem Körper zu benennen. Probiert es doch selbst einmal aus! Welche drei fallen euch ein? Und wie lange musstet ihr dafür überlegen?

1 Kommentare

  1. Liebe Kerstin,

    vielen Dank, dass du diesen Beitrag geschrieben hast und dich dem #Selbstliebe-Hashtag von CharLousie angeschlossen hast! Durch dich bin ich gestern auf ihren Beitrag aufmerksam geworden.
    Wir brauchen mehr solcher positiver Gedanken in Blogbeiträgen.

    Liebe Grüße,
    Lauretta

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