Liebling, Schwächling
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Lieblinge und Schwächlinge des Jahres 2016

Nachdem ich am Mittwoch schon einmal Bilanz über mein Lesejahr 2016 gezogen habe, ist es nun höchste Zeit, sich meine Lieblinge und Schwächlinge des vergangenen Jahres anzuschauen. Im Gegensatz zur Lesebilanz wird es dabei diesmal nur um die Bücher gehen, die ich in 2016 auch rezensiert habe. Das waren immerhin 31 Stück.

Dabei habe folgende Bewertungen vergeben:

  • 3 Mal ♥♥♥♥♥ Lieblingsbuch
  • 15 Mal ♥♥♥♥ Buchtipp
  • 9 Mal ♥♥♥ lesenswert
  • 3 Mal ♥♥ lesbar
  • 0 Mal ♥ Finger weg
  • 1 Mal abgebrochen

Schwächlinge

Eigentlich habe ich in 2016 3 Bücher abgebrochen, aber nur über eines habe ich auch geschrieben. Die Welt im Rücken von Thomas Melle möchte zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Chance geben. Als ich es in Angriff genommen habe, war ich einfach nicht in der richtigen Stimmung dafür. Über Christmasland von Joe Hill wollte ich von Anfang nicht schreiben.

Tagebuch der Apokalypse

von J.L. Bourne jedoch hat es auf den Blog geschafft.

Aus meiner Rezension:

[…] dem Hörbuch fehlt es jedoch ein jeder Originalität. […] Auch die Charaktere sind sehr stereotypisch gehalten: kernige, harte Männer mit jeder Menge Kampferfahrung, Waffenkenntnissen, technischem Verständnis und –  oh, Wunder- sogar einer Flugausbildung. Schwächen, Selbstzweifel und innere Konflikte und Krisen sind genauso wenig zu finden wie Frauen.

Zu meiner Rezension

AußerOrdentliche Frauen

Mein (neuer) Blogschwerpunkt hat mich gleich Anfang des Jahres zu den Büchern von Dieter Wunderlich geführt, der die Lebensläufe aufregender, außergewöhnlicher und interessanter Frauen sammelt. Leider konnte mich die Umsetzung dann aber doch nicht überzeugen.

Aus meiner Rezension:

Nicht nur wirken die kleine Schrift und der enge Druck optisch wenig ansprechend; auch die stark komprimierte Form, bei der man das Gefühl hat, von Jahreszahlen und Daten regelrecht erschlagen zu werden, sowie der ewig gleiche Satzbau wirken schnell ermüdend auf den Leser. Zudem ärgerte ich mich des Öfteren darüber, dass vor allem die wechselnden Liebschaften der Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Zu meiner Rezension

Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau

Danach hatte ich lange Zeit Glück mit den Bücher, die ich für den Blog ausgesucht habe. Erst im September wurde ich wieder so richtig enttäuscht. Dabei las sich die Ankündigung von Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau so gut, dass ich es sogar vorbestellt hatte.

Aus meiner Rezension:

Durch das hohe erzählerische Tempo bleiben die einzelnen Frauen sowie die von ihnen verkörperten Rollenbilder und Ideen insgesamt recht blass und nur wenig eindrucksvoll. Auch blieb unklar, was das Buch nun eigentlich darstellen soll: Satire, Gesellschaftskritik oder Liebesroman? […] So werden zwar alle drei Ebenen angerissen, bleiben aber genau wie die vielschichtigen weiblichen Vorbilder, die der Roman präsentiert, irgendwo nur knapp unter der Oberfläche stecken.

Zu meiner Rezension

Das Paket

Auch von Das Paket von Sebastian Fitzek, der dafür mit zahlreichen Leserpreisen ausgezeichnet wurden, hatte ich mir viel versprochen und wurde dann herbe enttäuscht. Die Story hatte einige inhaltliche und logische Fehler, die mich gerade bei einem Bestsellerautor sehr störten.

Aus meiner Rezension:
Zudem schießt Fitzek mehr als einmal deutlich über das Ziel hinaus und mutet seinen Lesern teilweise recht haarsträubende Auflösungen zu. Von einem Bestsellerautor hätte ich mir doch ein bisschen mehr Recherchearbeit gewünscht. […] An anderen Stellen wiederum blieben bei mir auch nach der Auflösung noch Fragen offen. […] Diese Löcher in der Handlung empfand ich als sehr unbefriedigend.

Zu meiner Rezension

Lieblinge

Aber das Jahr hatte natürlich auch seine guten Seiten. gleich drei Mal konnte ich neue Lieblingsbücher entdecken, für die es dann auch meine Bestnote gab.

Die Gestirne

von Eleanor Catton war mit seinen über 1.000 Seiten und einem sehr dichten Beziehungsgeflecht gleich zu Beginn des Jahres eine echte Herausforderung. Trotzdem habe ich das Buch so sehr genossen, dass ich bereits einen Re-Read plane.

Aus meiner Rezension:

Die Art, wie der Leser hier häppchenweise einzelne Lösungsbausteine serviert bekommt, die ihrerseits wieder neue Fragen aufwerfen, gefiel mir gut. Auch mit den ausführlich dargestellten, komplexen Charakteren beweist Eleanor Catton ihrer erzählerisches Können, in dem sie diese immer wieder andere Wege gehen und neue Seiten zeigen lässt, als ich als Leserin erwartet hatte. So entstehen verblüffende Wendungen, die es schwer machten, das Buch aus der Hand zulegen.

Zu meiner Rezension

I am China

Eine Reise nach Singapur bescherte mir ein weiteres Lieblingsbuch von der chinesischen Autorin Xiaolu Guo, das einige politische Sprengkraft besitzt. Es beschäftigt sich mit der Zensur der chinesischen Diktatur. Und zwar sehr poetische und berührende Weise.

Aus meiner Rezension:

Mit „I am China“ legt Xiaolu Guo ein ebenso vielschichtiges wie mutiges Buch über die Situation chinesischer Künstler unter der von der Regierung auferlegten Zensur vor. Geschickt wird in dem Buch eine Brücke zur westlichen Welt geschlagen, so dass sich der Roman auch ohne besondere Vorkenntnisse erstaunlich leicht und einprägsam lesen lässt. Xiaolu Guo legt sehr viel ihrer eigenen bewegten Biografie in die Figuren ihres Roman, der dadurch besonders dicht und authentisch wird. Das zeigt spannende Einblicke in ein so widersprüchliches und uns so fremdes Land und enthüllt die Schattenseiten der kommunistischen Herrschaft.

Zu meiner Rezension

Aya

Dass es einmal eine Graphic Novel schaffen würde, ein Lieblingsbuch zu werden, hätte ich noch vor Kurzem selbst nicht gedacht. In 2016 aber habe ich dieses Genre für mich entdeckt, das wirklich einige Perlen enthält. Aya von Marguerite Abouet beispielsweise, das so herrlich lebendig, bunt und klischeefrei das Leben an der Elfenbeinküste beschreibt. Und zwar aus den Augen einer jungen, selbstbewussten Frau.

Aus meiner Rezension:

Probleme wie beispielsweise die große Armut der ländlichen Bevölkerung werden dabei jedoch nicht vollkommen außer Acht gelassen. So lernt der Leser bzw. die Leserin etwa auch Felicite, das Hausmädchen von Ayas Familie kennen, dass ihr Vater schon als kleines Mädchen verkaufte, weil er es nicht selbst ernähren konnte, oder auch Herve, den Cousin von Bintou, der in die Stadt geschickt wurde, um Geld für seine Familie zu verdienen, seitdem aber reichlich ziel- und perspektivlos ohne Schulabschluss oder Ausbildung in den Tag lebt. Diese bleiben jedoch reine Nebenschauplätze, die nicht den Kern der Geschichte ausmachen. Es ist, als wollte Marguerite Abouet damit sagen „Ja, es gibt all die Probleme, die der Westen mit Afrika verbindet, aber schaut doch mal, wie viel mehr es hier noch zu entdecken gibt.“

Zu meiner Rezension


Was waren im letzten Jahr eure Lieblinge und Schwächlinge?

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