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Lieblingsschreibplatz #10: Manuel Wagner

Nach einem ungeplanten Weihnachtsurlaub melde ich mich nun hier auf meiner vituellen Tee- und Leselounge zurück. Ich hoffe, ihr hattet angenehme Feiertage und seid buchig beschenkt worden. Ich habe heute einen neuen Lieblingsschreibplatz für euch im Gepäck.

Er stammt von Manuel Wagner, der mit Nur ich bin normal im November sein erstes Buch veröffentlichte. Darin präsentiert er dem Leser durch die Augen seines einsamkeitliebenden Ich-Erzälers einen sehr originellen, bisweilen etwas skurrilen Blick auf die Welt. Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive  des von seiner Umwelt und seinen Mitmenschen gleichmaßen genervten Eigenbrödlers erzählt Manuel Wagner eine Vielzahl amüsanter, absurder und manchmal recht seltsamer Episoden.

Entstanden ist Nur ich bin normal hier:

Wo schreibst Du am liebsten und warum?

Ich schreibe am liebsten auf der Couch im Wohnzimmer. Mein Partner hat mir zwar mal einen Schreibtisch eingerichtet, aber dieses Möbelstück hatte so etwas Forderndes, als ob es mich zwingen wollte zu arbeiten. Ich brauche beim Schreiben unbedingt das Gefühl, frei zu sein, frei vom Alltag, frei von negativen Gedanken. Schreiben soll etwas Gutes sein und die warme weiche Couch fühlt sich verdammt gut an.

SchreibplatzManuel

Hast Du eine feste Schreibroutine (z.B. feste Zeiten, zu denen Du schreibst) oder ein -ritual? Wenn ja, welche/s?

Meine Ideen habe ich oft, wenn ich so richtig entspanne, das heißt meistens beim Joggen oder danach in der Badewanne. In der Regel denke ich noch eine Weile darüber nach und schreibe sie am nächsten Tag auf. Da ich freiberuflich tätig bin und mir aussuchen kann, wann ich für andere und wann ich für mein Buch arbeite, schreibe ich die ersten Entwürfe zu der Zeit, in der ich am fittesten bin, vormittags nach dem Morgenkaffee. Überarbeitungen führe ich eher am frühen Abend durch, wenn das Tagesgeschäft erledigt ist. Dann ist in der Regel mein Partner zu Hause, den ich zu meiner Freude sofort nach Feedback fragen kann. Nach 20 Uhr schreibe ich selten, weil mir aufgefallen ist, dass die Gedanken so spät nur noch sehr zäh fließen.

Wie entstehen Deine ersten Entwürfe (handschriftlich, getippt, diktiert,…) und warum genau so?

Meine ersten Entwürfe schreibe ich sofort am Laptop. Tippen ist für mich selbstverständlich. Meine Handschrift ist nicht besonders schön. Die Druckbuchstaben am Bildschirm erzeugen mehr Klarheit. Ich brauche mir zwischendurch nichts auf Zetteln notieren, weil ich meine Ideen sowieso nicht aus dem Kopf bekommen kann, bevor ich sie getippt habe.

arbeitsgerätmanuel

Was inspiriert Dich? Woher bekommst Du Ideen für neue Geschichten?

Nach Begegnungen mit Menschen, beschäftige ich mich oft noch lange mit dem, was dabei passiert ist. Ich rekapituliere später, was Menschen zu mir gesagt haben, wie sie es gesagt haben und was ich erwidert habe. Besonders wenn die Gedanken zu viel kreisen, hilft das Schreiben. Manchmal verarbeite ich dabei die nervigen Alltagsgedanken, manchmal schreibe ich mich in eine andere Welt, stelle mir vor, was anstatt des Alltages so alles Interessantes und Lustiges passieren könnte. Ich würde das als schriftliches Tagträumen bezeichnen.

Was ist Deine Hauptmotivation beim Schreiben? Schreibst Du in erster Linie für Dich selbst oder möchtest Du eine bestimmte Botschaft vermitteln, auf ein Thema aufmerksam machen oder schlicht unterhalten?

Am Anfang schreibe ich fast immer damit ich den Kopf klar bekomme. Als Nächstes versuche ich, potentielle Leser_innen zum Nachdenken anzuregen und gleichzeitig zu unterhalten. Zwischen Wut und Lachanfall soll mein Schreiben alle möglichen Gefühle auslösen. Die entstehenden Geschichten sollen abgefahren, emotional und am Ende immer noch konsistent sein. Für die meisten Menschen erscheint das von mir präsentierte Weltbild mindestens gewöhnungsbedürftig. Ich stelle das Normale in Frage. Im realen Leben sind die zahlreichen sozialen Kontakte für mich sehr stressig, deshalb meide ich sie häufiger als normale Menschen. Mit wenig Sozialkontakten fühle ich mich besser. Dabei bin ich natürlich nicht so extrem wie meine Romanfigur. Trotzdem habe ich das Gefühl es werden von vermeintlich normalen Menschen viel zu viele Sozialkontakte erwartet. Im Kern geht es mir darum, dass aus der Sicht des möglicherweise Verrückten, das angeblich Normale verrückt ist. So können sich vermeintlich Normale und vermeintlich Verrückte einander annähern. Ich hoffe es gelingt mir, den Gedankenschatz meiner Leser_innen zu bereichern.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Deine Schreibroutine.

Manuels Buch Nur ich bin normal ist als Taschenbuch (ISBN: 978-1540388001), E-Book (EAN: 9783738090055) sowie als Kindle Edition (ASIN: B01N3V4EMM) erhältlich.

Außerdem twittert der ebenso sympathische wie bescheidene Autor unter @ManuelWagn.


Wer auch Lust hat, mir ein 1-2-5-Interview zu geben, findet >>hier<< alle Infos zur Teilnahme.

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