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Rezension #141: „Das Paket“ von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek ist derzeit wohl der beliebteste deutsche Thriller-Autor. Für Das Paket gewann er gleich vier Mal den Leserpreis von Lovelybooks. Fitzek wurde zudem mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Bereits seit 2006 veröffentlicht er jährlich mindestens einen neuen Roman und landet damit in schöner Regelmäßigkeit auf der Spiegel Bestsellerliste. Natürlich ist auch Das Paket dabei keine Ausnahme.

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Titel: Das Paket ◊ Autor: Sebastian Fitzek

Format: Hörbuch ◊ Dauer: 7:29 h ◊ Sprecher: Simon Jäger

Verlag: Bastei-Lübbe

Wenn man sich den Aufwand anschaut, den Verlag und Autor darum machten, ist dies sicher auch kein Wunder.

Allein die Aufmachung des Buchs ist sehr gelungen und originell.

Sie erinnert tatsächlich an ein Paket. Auf dem „Adressaufkleber“ sind auf dem Romantitel und Autor zu finden. Zudem wurde Fitzeks 10. Buch-Jubiläum entsprechend groß angekündigt und von einigen Veranstaltungen begleitet. Das sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Leider konnte der Inhalt von Das Paket dann aber doch nicht halten, was die Präsentation versprach.

Fitzek erzählt darin die Geschichte von Psychologin Emma, die durch eine Vergewaltigung, bei der ihr anschließend der Kopf rasiert wird, nicht mehr das Haus verlässt. Als der Postbote sie bittet, das Paket für einen ihr unbekannten Nachbarn anzunehmen, der gerade nicht zu Hause ist, löst er damit eine Kette von Ereignissen aus, die schließlich zur Überführung des Täters führt.

Schon allein der Umstand, dass das Paket nur als Initialzündung dient und im späteren Verlauf keine besondere Rolle mehr spielt, war ernüchternd. Einen unpassenderen Titel hätte man meiner Ansicht nach nicht wählen können. Daran kann auch die hübsche Verpackung, die diesen so geschickt aufgreift, nichts ändern. Wie Das Paket ausgerechnet in der Kategorie „Bester Buchtitel“ beim Lovelybooks Leserpreis den zweiten Platz belegen konnte, ist mir ein Rätsel.

Der Handlungsverlauf ist in der für Fitzek typischen Weise mit zahlreichen unerwarteten Wendungen und Überraschungen gespickt. Diese drängen sich teilweise so dicht aufeinander, dass es mir schwer fiel den Überblick zu behalten.

Zudem schießt Fitzek mehr als einmal deutlich über das Ziel hinaus und mutet seinen Lesern teilweise recht haarsträubende Auflösungen zu.

Von einem Bestsellerautor hätte ich mir doch ein bisschen mehr Recherchearbeit gewünscht. Dass es beispielsweise die „Pille danach“ auch, wenn diese nun nicht mehr verschreibungspflichtig ist, nicht einfach so und schon gar nicht im 50er Pack zu kaufen gibt, hätte man wissen können. Und auch dass ausgerechnet Psychologin Emma Fachbegriffe, unter denen sich mittlerweile selbst die meisten Laien etwas vorstellen können, (z.B. manische Depression) vollkommen falsch verwendet, ärgerte mich.

An anderen Stellen wiederum blieben bei mir auch nach der Auflösung noch Fragen offen. So „verschwindet“ beispielsweise ein Mann mitten in der Nacht aus einem Kleiderschrank im Kinderzimmer, ohne dass näher erklärt wird, wie ihm das gelang oder wohin er sich flüchtete. Diese Löcher in der Handlung empfand ich als sehr unbefriedigend.

Glücklicherweise ist Das Paket durch die bereits angesprochenen Wendungen aber so temporeich und spannend geschrieben, dass man eigentlich kaum Zeit hat, um lange über logische Fehler nachzudenken. Wollte man Fitzek Böses, man könnte behaupten, er wolle durch reichlich große Gesten und Action bewusst von den inhaltlichen Schwächen ablenken.

Bewertung: ♥♥ lesbar

Unterm Strich

ist Das Paket von Sebastian Fitzek eine nette Unterhaltungslektüre. Aus der großen Masse an Spannungsliteratur tut es sich jedoch nicht besonders hervor. Gerade von einem mehrfach preisgekrönten Bestsellerautor wie Sebastian Fitzek hatte ich mehr erwartet.

Das Paket

Das Paket
4.76

Einstieg

5/10

    Handlungsverlauf

    3/10

      Schluss

      3/10

        Sprache & Gestaltung

        8/10

          Charaktere

          5/10

            3 Kommentare

              • Kerstin Scheuer sagt

                Also wenn Du mich fragst: man kann „Das Paket“ schon lesen, verpasst aber nicht viel, wenn man es nicht tut. Alles weitere überlasse ich Dir.

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