3 Herzchen, Rezension, Roman, starke Frauen
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Rezension #139: „Bluescreen“ von Dan Wells

Ich habe schon ewig kein Science-Fiction mehr gelesen. Zur Vorbereitung des Bloggertreffens von Piper auf der Frankfurter Buchmesse habe ich mir nun aber Bluescreen von Dan Wells vorgenommen. Trotz einiger inhaltlicher Ungereimtheiten hat es mich nicht mehr losgelassen.

bluescreen-cover

Titel: Bluescreen. Ein Mirador-Roman ♦ Autor: Dan Wells ♦ Übersetzung: Jürgen Langowski ♦ Verlag: Piper ♦ Format: Paperback ♦ Umfang: 364 Seiten ♦ ISBN: 978-3-492-28021-1 ♦ Preis: 12,99€ ♦ Leseprobe: >>klick<<

Worum geht es?

Der Roman spielt im Jahr 2050 in Los Angeles. Implantate direkt im Kopf – so genannte „Djnnis“ – haben die Smartphones ersetzt und verbinden deren Träger 24 Stunden am Tag mit dem Internet. Auch Marisa und ihre Freundinnen verbringen nahezu die gesamte Zeit im Netz, wo sie Virtual Reality-Spiele spielen. Dann in der Stadt plötzlich eine neue Cyberdroge (Bluescreen) in der Stadt auf. Über einen Stick wird Bluescreen direkt auf die Djinnis der Konsumenten gespielt, wo es einen Systemabsturz bewirkt, der zur vorübergehenden Bewusstlosigkeit führt. Aber ganz so harmlos, wie es zunächst den Anschein macht, ist die Droge wohl doch nicht, denn während ihres Blackouts beginnen einige Konsumenten zu „schlafwandeln“ und bringen dabei sich selbst und andere in Gefahr. Was steckt dahinter und wie lässt es sich aufhalten? Als auch Marisas Freundin Anja betroffen ist, beginnt sie nachzuforschen.

Wie fand ich…

… den Einstieg?

Schon nach dem ersten Kapitel des Buchs konnte ich Bluescreen nicht mehr aus der Hand legen. Ohne einführende Kapitel, in denen der Leser erfährt, nach welchen Regeln diese Welt funktioniert, wirft Dan Wells seine Leser sofort mitten hinein in seine Version einer nicht allzu fernen Zukunft. Erstaunlicher Weise funktioniert das – und zwar sehr gut.

Man lernt Marisa bei ihrer Lieblingsbeschäftigung kennen: dem Virtual Reality-Spiel Overworld. Sie sind gerade mitten im finalen Angriff und die Szene ist entsprechend actiongeladen und spannend. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass es ein Computerspiel ist, das beschrieben wird. Dann aber fügten sich die Puzzleteile erstaunlich schnell zusammen. Es dauerte nur ein oder zwei Kapitel, um mich in Dan Wells Version des Jahres 2050 zu Recht zu finden. Ganz nebenbei wurde ich währenddessen auch noch bestens und spannend unterhalten.

… den Handlungsverlauf?

Bluescreen hat einen unglaublichen Drive. Es ist wahnsinnig spannend und voller Action. Von Kapitel zu Kapitel wird der Leser von einem Höhepunkt zum nächsten gejagt, ohne dabei die Chance zu bekommen, auch nur einmal kurz Luft zu holen. So entsteht ein Spannungsbogen, der es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen.

Leider hat Bluescreen abgesehen von reichlich Action und Spannung aber nur wenig zu bieten. So fehlten mir beispielsweise die Überraschungsmomente und originellen Wendungen im Plot. Zudem leidet die Handlung unter einigen Logikfehlern, was meine Begeisterung leider etwas dämpfte.

… den Schluss?

Der Schluss macht deutlich, dass man den ersten Teil einer Reihe in Händen hält. Zwar wird die Geschichte um die Cyberdroge Bluescreen vollständig aufgeklärt. Andere Erzählstränge und im Laufe der Geschichte aufgeworfene Fragen bleiben hingegen offen. Das letzte Kapitel wirft außerdem neue Fragen und macht so unmissverständlich klar, dass es einen Nachfolgeband geben wird. Dank der Cliffhangers bin ich zwar neugierig auf den nächsten Mirador-Roman; er hinterließ jedoch auch ein leicht fades Gefühl bei mir, in der Luft hängen gelassen worden zu sein.

Davon abgesehen ist das Ende wie das gesamte restliche Buch: voller Action und Spannung, aber nicht immer ganz logisch. Die verwickelten Beziehungen zwischen einigen Charakteren und Parteien sowie deren Rollen im Drogenkartell wurden mir leider auch zum Schluss nicht ganz klar. Hier gelingt Dan Wells die Aufklärung leider nicht sehr überzeugend.

…. die Sprache?

Bluescreen ist in einer gefällig zu lesenden, schnörkellosen Sprache geschrieben. Durch die vielen Dialoge wird der Roman sehr lebendig. Besonders gut fand ich, dass die Textnachrichten, die sich die Charaktere schicken, in einer anderen Schriftart gedruckt sind. So konnte man diese schnell erkennen.

Vermisst habe ich Orts- und Umgebungsbeschreibung. Zwar bewegen sich die Charaktere nicht nur durch den virtuellen Raum. Ausführlichere Beschreibungen, wie Los Angeles in Dan Wells 2050 nun eigentlich aussieht, sind kaum enthalten, was ich sehr schade fand.
Gut gelungen sind hingegen die Beschreibungen der virtuellen Welten. Vor allem eine Szene in der Mitte des Buchs, in der sich Marisa mit einem Fremden in einem abgesicherten virtuellen Raum trifft, der allein aus der Kraft ihrer beider Vorstellungen erschaffen wird, gefiel mir sehr.

bluescreenWie hoch ist der „starke Frauen“-Faktor?

Leider konnten mich auch die Charaktere nicht ganz überzeugen. Ihnen fehlt es ohne Ausnahme an Kontur. Für mich wurde keine der handelnden Figuren richtig greifbar. Vielleicht liegt es daran, dass ein Mann über vier Frauen bzw. Teenager-Mädchen schreibt. Immerhin gelingen ihm die vier nicht allzu klischeehaft. Zwar machte sich Marisa vor allem zu Beginn des Romans für meinen Geschmack zu viele Gedanken um ihr Aussehen. Davon einmal abgesehen, sind die vier Mädchen aber beeindruckend taff und selbstständig. Zu keinem Zeitpunkt des Romans wirken sie hilflos oder müssen beschützt werden. Ganz im Gegenteil ist es Marisa, die zusammen mit ihren Freundinnen ihre jüngeren Geschwister gleich mehrmals rettet. Auch dass Marisa und ihre Freundinnen talentierte Hacker sind und Kampfspiele spielen, ist erfreulich undamenhaft.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

Mit Bluescreen legt Dan Wells einen actiongeladenen und spannenden Jugend-Science-Fiction-Roman vor, der leider an einigen inhaltlichen Ungereimtheiten leidet. Dennoch ist es ein gut lesbarer Pageturner, der seinen Leser gleich im ersten Kapitel in seinen Bann zieht und bis zur letzten Seiten nicht wieder loslässt.

Die Charakterzeichnung ist insgesamt eher schwach, aber immerhin weitestgehend klischeefrei. Die vier Teenager-Mädchen im Mittelpunkt der Handlung werden als selbstständig, taff und mutig dargestellt.

Gerade gegen Ende häufen sich aber die logischen Fehler. Die Auflösung der reichlich verworrenen Geschichte gelingt nur mittelmäßig. Die Rolle einiger Personen und Parteien habe ich leider bis zuletzt nicht ganz verstanden.

Bewertung: ♥♥♥ lesenswert

Bluescreen. Ein Mirador-Roman

Bluescreen. Ein Mirador-Roman
6.74

Einstieg

9/10

    Handlungsverlauf

    7/10

      Schluss

      5/10

        Sprache

        7/10

          starke Frauen-Faktor

          7/10

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