4 Herzchen, Fantasy, Rezension
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Rezension #26: „Innerste Sphäre: Wächter des Schattenlandes“ von Sarah Fine (Sonja Schuhmacher)

Daten:

Verlag: AmazonCrossing (26. Februar 2013)
erschienen als: Taschenbuch, E-Book (Kindle)
gelesen als: E-Book (Kindle)

ISBN-10: 1611099226
ISBN-13: 978-1611099225
ASIN: B009R9VP6I
Sprache: Deutsch
Originaltitel: „Sanctum“
Größe: 1839 KB bzw. 324 Seiten

Worum geht es?

(Kurzbeschreibung bei Amazon:)

Vor einer Woche hat sich Lela Santos’ beste Freundin Nadia das Leben genommen. Heute steht Lela nach einem missglückten Abschiedsritual im Paradies und blickt zu einer gigantischen ummauerten Stadt in der Ferne auf – der Hölle. Niemand durchschreitet freiwillig das Selbstmordtor, um an einen Ort zu gelangen, der in Dunkelheit erstickt und von verkommenen Geschöpfen heimgesucht wird. Aber Lela lässt sich nicht so leicht abschrecken – sie ist entschlossen, die Seele ihrer besten Freundin zu retten, auch wenn sie dafür ihr ewiges Leben opfern müsste.

Bei ihrer Suche nach Nadia wird Lela von den Wächtern gefangen genommen – ungeheuren, unmenschlichen Aufsehern, die in den endlosen Straßen der dunklen Stadt patrouillieren. Ihr menschlicher Anführer Malachi hat nur eins mit ihnen gemeinsam: seine tödliche Effizienz. Als er die mutige Lela kennenlernt, fasst Malachi einen Plan: Er will sie aus der Stadt schaffen, selbst wenn das bedeuten sollte, dass sie Nadia zurücklassen muss. Denn Malachi weiß etwas, das Lela nicht ahnt – die dunkle Stadt ist nicht der schlimmste Ort, an dem Lela enden könnte, und er schreckt vor nichts zurück, um sie vor diesem Schicksal zu bewahren.

Warum habe ich es gelesen?

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, weil es vor kurzem als „Kindle Deal der Woche“ im Preis gesenkt war. Der Titel und die Kurzbeschreibung bei Amazon klangen nach spannender Urban Fantasy-Unterhaltung. Daher habe ich zugeschlagen.

Wie war mein erster Eindruck?

Nach der Lektüre des Prologs war ich erstaunt. Ich hatte mit einer leichten, wenn auch actionreichen und spannenden Fantasy-Story gerechnet. Was ich vorfand, versprach jedoch weniger trivial zu werden: Die Protagonist Lela Santos ist eine „Problemjugendliche“, die zur Gewalt neigt, bereits wegen Körperverletzung im Jugendgefängnis saß und einen Selbstmordversuch überlebte. Zudem scheint sie psychisch noch immer an den Misshandlungen durch einen Pflegevater zu knabbern. Schon der Prolog, der wie der gesamte Roman aus der Sicht von Lela als Ich-Erzählerin geschrieben ist, ist sehr gewalttätig und thematisiert den Drogenmissbrauch unter Jugendlichen. Insgesamt herrscht eine eher düstere Atmosphäre. Die Welt wird als bedrohlicher und gefährlicher Ort dargestellt.

Wie fand ich …

… den Anfang?

Der Prolog ist wirklich ein gelungener Einstieg in den Roman, da er die Protagonistin Lela und ihre Beziehung zu Nadia gut vorstellt. Sarah Fine lässt sich im weiteren Verlauf etwas Zeit, um die Geschichte richtig aufzubauen. Der Leser erhält einen guten Einblick in die Gefühlswelt von Lela. Erst in Kapitel 5 kommt Lela schließlich ebenfalls im Jenseits an. Nur dass es letztlich purer Zufall war, der Lela dorthin führte, fand ich etwas schade. Hier hätte ich mir auf Grund der vorangegangenen Kapitel etwas anderes gewünscht.

Bewertung: ♥♥♥♥

… den Handlungsverlauf?

Der Roman ist wirklich spannend – und das gleich aus mehreren Gründen:

  1. Dadurch dass er aus Lelas Perspektive geschrieben ist, weiß der Leser nicht mehr als sie. Man ist daher genauso orientierungslos wie Lela, wenn sie im Jenseits ankommt, und muss sich auf die Suche nach Antworten machen. Diese werden nur „häppchenweise“ serviert, was ich durchaus reizvoll fand.
  2. Auch die Suche nach Nadia ist sehr spannend, weil sich Lela zum Einen dabei mit unheimlichen Wesen, die auf mich etwas vampirhaft wirkten, auseinandersetzen muss. (Es gibt einige sehr spannende, actionreiche und dramatische Kampfszenen.) Zum Anderen läuft Lela aber auch die Zeit davon. Weil sie die Stadt unbefugt betrat, muss sie diese auch innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wieder verlassen, wenn sie nicht an einen noch schlimmeren Ort gelangen möchte.
  3. Schließlich wurde mir schnell klar (Kapitel 8), dass zwischen Lela und Malachi mehr entstehen könnte. Es war daher auch spannend, die Entwicklung ihrer Beziehung unter diesen schweren Bedingungen zu beobachten.

Leider lässt das Timing der Autorin manchmal etwas zu wünschen übrig. Es gab zwei Stellen, an denen mir etwas die Entwicklung fehlte und die Geschichte leicht ins Stocken geriet. Glücklicherweise dauerte es, nachdem ich diesen Eindruck gewann, nur einige Seiten, bis die Handlung weitergeführt wurde. Dennoch hatte ich zu Beginn des 2. Buchdrittels den Eindruck, dass Lelas eigentliches Vorhaben, nämlich die Rettung ihrer Freundin Nadia, durch die anderen Handlungsstränge in den Hintergrund gedrängt wird. Die Autorin tat sich etwas schwer damit, alle Fäden über die Gesamtlänge des Buches gleichmäßig zu entwickeln.

Bewertung: ♥♥♥♥

… die Charaktere?

Lela hat mir als Charakter gut gefallen. Sie ist eine sehr stark junge Frau, die sich nichts gefallen lässt und (etwas zu) impulsiv reagiert. Sie ist vorwitzig und frech und keineswegs perfekt, was wirklich angenehm ist. Leider ist sie auch etwas begriffsstutzig in Bezug auf Malachi, was mich bisweilen zwar echt zur Verzweiflung brachte, andererseits aber durchaus Unterhaltswert besaß.

Auch Malachi, bei dessen persönlichem Hintergrund die Autorin wirklich viel Fantasie bewies, fand ich gut. Er ist ein sehr strukturierter, starker, junger Mann, der jedoch auch Gefühle zulässt und sich von diesen leiten lässt, obwohl er sich damit in Gefahr bringt.

Bewertung: ♥♥♥♥♥

… das Ende?

Das Ende fiel anders aus, als ich es erwartet hatte, was grundsätzlich schon einmal immer gut finde. Auch ist ein Cliff Hanger eingebaut, der mich sofort nach dem zweiten Band suchen ließ. (Dieser ist gegenwärtig nur im englischen Original erschienen.)

Mir war es dann aber doch etwas zu perfekt. Es war so etwas wie ein „Happy End mit Einschränkungen“, was zur düsteren Atmosphäre des Romans nicht so recht passte.

Bewertung: ♥♥♥♥

… den Buchsatz?

Der E-Book-Satz ließ sich gut lesen. Die einzelnen Kapitel waren in der „Gehe zu“-Funktion auswählbar. Auch Absätze und Abschnitte war stets richtig gesetzt. An einigen wenigen Stellen fehlte ein Komma oder ein Verb war falsch dekliniert. Dies kam jedoch so selten vor, dass es nicht weiter störte.

Bewertung: ♥♥♥♥♥

… das Buch insgesamt? 

„Innerste Sphäre: Wächter des Schattenlands (Band I)“ ist ein spannender und actionreicher Urban Fantasy-Roman mit zarter Teenager-Romanze und tollen Charakteren. Ein paar kleine Wermutstropfen sind allerdings der zu konstruierte Anfang, das verbesserungswürdige Timing der Autorin und das „Happy End mit Einschränkungen“.

Bewertung: ♥♥♥♥

Was ich besonders gut fand:

Sarah Fine kann Landschaften, Orte und Gefühle wirklich sehr gut und bildhaft beschreiben, ohne dabei ausschweifend zu werden. Hierdurch entsteht ein atmosphärisch dichter Roman. Beispiel aus Kapitel 5:

Altmodische Gaslaternen säumten die kopfsteingepflasterten Straßen und verströmten ein kränkliches, blasses Licht. Keine der Lampen erhellte mehr als einen Kreis von ein paar Metern und es blieben breite, dunkle Streifen unbeleuchtet. Anders als die Straßen selbst, die sich alle glichen, waren die Gebäude eine seltsame Mischung. Das zu meiner Linken war eine Art moderner Bürobau, alles im rechten Winkel, reflektierendes, graues Glas und Metall. Rechts am Rand des Platzes kauerte behäbig ein allmählich zerbröckelndes Lehmziegelhaus.

Lela hat eine erfrischend ironische Art, die etwas Humor in diese düstere Geschichte bringt, z.B. in Kapitel 10:

Typisch, zum ersten Mal sagt mir ein Typ, ich wäre schön, und dann bin ich in der Hölle, und er im Delirium.

oder Kapitel 14:

Erst flechten wir uns die Haare, dann gehen wir mit allerlei Waffen aufeinander los. Na ja, vielleicht war es gar nicht so anders als der übliche Schulmädchentreff.

Was ich besonders schlecht fand:

In der Mitte des Buchs müssen Lela und Malachi auf der Suche nach Nadia durch einen dunklen Turm gehen. Dieser nimmt den Menschen, die ihn betreten, jede Hoffnung, so dass viele keinen Weg mehr hinaus finden. Diese an sich gute Idee war zwar spannend zu lesen; da sich die beiden aber ohnehin bereits in der Hölle aufhielten, um sie herum nur erfolgreiche Selbstmörder existierten und eigentlich alle ohne Hoffnung waren, machte das für mich aber leider nicht so viel Sinn. Es trug auch sonst nichts zur weiteren Handlung bei.

Auch habe ich bis zuletzt nicht so genau verstanden, was diese düstere Stadt nun eigentlich war – die Hölle oder nur eine Vorstufe davon; immerhin konnte man durch eine Art „gute Führung“ gewissermaßen „entlassen“ werden?

Was ich sonst noch dazu zu sagen habe:

Die Autorin Sarah Fine arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kinderpsychologin. Die Erfahrungen hierbei scheint sie in diesen Roman eingebracht zu haben:

  • Die Geschichte spielt in einer Stadt, in der ausschließlich Selbstmörder ihr Leben nach dem Tod fristen. Deren geistige Verfassung erinnerte mich schnell stark an die depressiver Personen. Tatsächlich spricht Malachi dann gegen Ende des Romans (Kapitel 29) selbst von Depressiven, wenn er die Stadtbewohner meint.
  • Um die Hölle verlassen zu können, müssen sie erkennen, was sie brauchen und nicht was sie wollen. Dies erscheint mir grundsätzlich ein guter Ratschlag zu sein, um wieder  auf den richtigen Weg zu finden. Genau das soll in einer Psycho-Therapie auch passieren.
  • Auch das Verhalten des Gerichts ganz am Ende der Geschichte erinnerte mich stark an eine Psychotherapie.

Erinnerte mich beim Lesen an:

  • Bella und Edward, Band 1: Bis(s) zum Morgengrauen von Stephanie Meyer

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