125Interview, Lieblingsschreibplatz
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Lieblingsschreibplatz #6: Rebekka Knoll

Mit noch nicht einmal 30 Jahren hat Rebekka Knoll bereits drei Bücher veröffentlicht. Außerdem wurde sie mit dem Kurd-Laßwitz-Stipendium der Stadt Gotha ausgezeichnet. Sie wurde in Kassel geboren und studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Erlangen, Bern und Berlin. Ihr erster Roman Das Kratzen bunter Kreide entstand zwischen ihren Masterseminaren. Mittlerweile arbeitet sie als Journalistin.

Ihr aktuelles Buch Geliebte Angst ist ein Jugendthriller, der 2015 erschien. Darin erhält die achtzehnjährige Emilia Nachrichten vom Facebookprofil ihres verstorbenen Freundes. Es folgen SMS und Mails. Der Unbekannt scheint alles über die Beziehung der beiden zu wissen. Emilia macht sich auf die Suche nach dem Unbekannten.
Eine Leseprobe findet ihr >>hier<<.

Ich habe mit Rebekka über ihre Schreibroutine gesprochen.

Rebekka, wo schreibst Du am liebsten und warum?

Am liebsten schreibe ich dort, wo es rauscht. Zwischen vielen Menschen, im Wind oder am Wasser. Manchmal ist das wie Weißes Rauschen – ganz plötzlich krieg ich einen Sender rein, den ich noch nie gehört hab. Ich finde es toll, wenn sich um mich rum was bewegt, wenn ich beim Schreiben aufschauen kann und sehe, dass es immer weiter geht. Am besten finde ich Flüsse. Durch Regensburg fließt zum Beispiel der Regen. Ich sitze gern in der Nähe eines kleinen Wasserfalls, sehe dem Regen beim Fallen zu, bleibe trocken, bleibe draußen, und versuche, meine Geschichten ebenfalls fließen zu lassen.

Schreibplatz

Hast Du eine feste Schreibroutine (z.B. feste Zeiten, zu denen Du schreibst) oder ein -ritual? Wenn ja, welche/s?

Während meiner Zeit als Stadtschreiberin habe ich morgens um 8 Uhr angefangen, mittags eine Pause gemacht und bis abends um 18 Uhr weitergeschrieben. Seitdem ich bei der Zeitung arbeite, ist Schreibroutine für Geschichten schwieriger. Jetzt nehme ich mir, sobald ich kann, ein paar Stunden und ein heißes Getränk, um in Schreibstimmung zu kommen.

Wie entstehen Deine ersten Entwürfe (handschriftlich, getippt, diktiert,…) und warum genau so?

EntstehungKurzgeschichten plotte ich mit meiner unleserlichen Handschrift, fast eine Geheimschrift. Ich streiche vieles durch, male Pfeile, Kreuze, Kreise. Wenn Anfang und Plot stehen, geht’s am Laptop weiter. Bei meinem aktuellen Roman „Geliebte Angst“ hab ich aber von Anfang an am Laptop gearbeitet. Es ist einfach praktisch, per Suchfunktion Details nachlesen oder in den Kapiteln springen zu können. Außerdem hat sich meine Hauptfigur plötzlich so schnell in ihren alten Erinnerungen und riskanten Ideen verstrickt, dass ich mit der Hand nicht mehr hinterhergekommen wäre.

Was inspiriert Dich? Woher bekommst Du Ideen für neue Geschichten?

Das kann ein Bild, ein Geräusch, eine Frage, eine Antwort sein. Bei „Geliebte Angst“ war es die Überlegung: Was passiert eigentlich, wenn das Facebookprofil eines Toten wieder zum Leben erwacht? Bei „Splittermädchen“ habe ich ein Bild im Kopf gehabt: Eine Spur aus Haargummis durch die ganze Stadt. Wenn mich ein Gedanke nicht mehr loslässt, entwickele ich daraus – mit vielen Pfeilen, Kreuzen und Kreisen – nach und nach eine Geschichte.

Was ist Deine Hauptmotivation beim Schreiben? Schreibst Du in erster Linie für Dich selbst oder möchtest Du eine bestimmte Botschaft vermitteln, auf ein Thema aufmerksam machen oder schlicht unterhalten?

Ich schreibe, um besser denken zu können. Ich sehe viel verschwommener ohne Stift in der Hand oder Tastatur unter den Fingern. Ich liebe es, wenn auf einem leeren Zettel plötzlich ein ganz klarer Gedanke entsteht – egal, wie verrückt er ist. Trotzdem schreibe ich nicht nur für mich. Ich schreibe vor allem für meine Leser. Mir macht es viel Spaß, sie in meine oft ziemlich abgedrehte Welt zu entführen – und freue mich total, wenn ich hinterher mit ihnen über diese Welt, ihre Gesetze, Figuren und Abgründe ins Gespräch komme.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Deinen Schreiballtag.

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