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#Buchpassion – oder: eine bibliophile Autobiografie in 10 Büchern

Regelmäßigen Lesern meines Blogs wird bereits aufgefallen sein, dass ich ein Faible für (Auto-)Biografien habe. Warum also nicht einmal eine eigene schreiben? – Gut, mit gerade einmal Mitte 30 erscheint das wenig ergiebig, aber als Vielleserin habe ich ja schon ein paar Hundert Leben geführt. In diesem Beitrag möchte ich euch daher von zehn wichtigen Stationen meines Leserlebens erzählen.

Lieblingsvorlesebuch: „Ich und du und die ganze Welt“ von Helme Hein und Gertraud Middelhauve

Die Liebe zum Buch wurde mir quasi schon in die Wiege gelegt. Auch meine Mutter las und liest gerne und viel. Schon als Kleinkind wurde mir oft vorgelesen und ich wünschte mir sehnlichst eine Brille wie sie meine Mutter und meine beiden Omas, die öfter die Ersatzvorleserinnen gaben, trage. Ich war der festen Überzeugung, dann selbst lesen zu können.
Mein liebstes Vorlesebuch war  Ich und du und die ganze Welt. Monatelange musste es meine Mutter überall mit hinnehmen. Noch heute kann ich die meisten Abzählreime, Gedichte und Lieder daraus auswendig.

Erstes alleine gelesenes Buch: „Peterchens Mondfahrt“ von Gerdt von Bassewitz

Erstaunlicherweise klappte das mit dem Lesen dann aber auch ganz ohne Brille. (Obwohl ich heute – manche sagen wegen des vielen Lesens bei schlechtem Licht – tatsächlich eine brauche.) Wie alt ich war, als ich das erste Mal ein „richtiges“ Buch komplett alleine gelesen habe, weiß ich nicht mehr. (Es war wohl irgendwann in der Grundschule.) Aber daran, wie stolz ich darauf war und wie sehr mich die Geschichte um das verlorene Beinchen des Maikäfers Sumsemann fesselte, erinnere ich mich auch heute noch ganz genau. Wenn ich einen bestimmten Moment nennen müsste, zu dem meine Leseleidenschaft ausbrach, wäre es wohl dieser.

Erste Lieblingsbuchheldin: „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren

Wie so viele bin auch ich mit den Geschichten von Astrid Lindgren groß geworden. Von Pippi Langstrumpf hatten wir sowohl die Videos als auch die Bücher. Auch Michel aus Lönrneberga, Ferien auf Saltkrokan und Wir Kinder von Bullerbü habe ich gerne gesehen. Aber Ronja Räubertochter war die erste Lindgren-Geschichte, die ich gelesen haben. (Ich glaube, es war ein Geburtstagsgeschenk.) Danach wollte ich selbst wie Ronja werden. Mein Vater nennt mich noch heute manchmal seine Räubertochter.

Erstes Lieblingsbuch: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende

Wir hatten eine ganz besondere Ausgabe dieses Buchs. Sie hatte einen zweifarbigen Druck und auf Schutzumschlag waren die beiden Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen und so ein Oval bilden. Das Buch war eine kleine Offenbarung für mich, denn es drückt meine eigene Leseliebe perfekt aus. Nicht selten hatte und habe ich beim Lesen einer guten Geschichte den Eindruck, dass die Personen und Wesen, von denen ich lese, lebendig zu werden scheinen. Dass unsere Ausgabe auch noch genauso aufgemacht war wie das Buch, das Bastian liest, ließ mich immer hoffen, dass ich eines Tages selbst den Weg nach Phantasien finden würde. Aber so oft ich das Buch auch gelesen habe – und, glaubt mir, das waren einige Male -, es wollte leider einfach nicht klappen.
Vor ein paar Monaten habe ich wieder einmal eine neue Hörspielversion dazu gehört und es hat noch immer nichts von seinem Charme verloren.

Erstes Büchereibuch: „Winnie Puh“ von Alan Alexander Milne

Vor meinem ersten Besuch in der örtlichen Bücherei war tierisch aufgeregt. Ich ahnte wohl schon ein bisschen, was für ein magischer Ort dies für mich sein würde. Meine Mutter ging mit mir und meiner besten Freundin hin und ließ uns Ausweise machen. Junge, war ich darauf stolz! Es war der Schlüssel zu einem kleinen Bücherparadies. Fortan ging ich jeden Samstag in die Bücherei, um Bücher zurückzugeben und neue auszuleihen. Am liebsten waren mir schon damals die ganz schweren Schinken. Wichtigstes Auswahlkriterium war daher die Dicke des Bücherrückens. So fiel meine Wahl beim ersten Besuch auf die Gesamtausgabe von Winnie Puh.

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Erster Klassiker: „Moby Dick“ von Herman Melville

Nachdem ich mich durch die Kinderbuchregale der örtlichen Bücherei gelesen hatte, zog es mich zu den Erwachsenenbüchern. Und weil mich weder Mord und Totschlag noch Schnulzen interessierten, landete ich bei den Klassikern. So kam es, dass ich mich in einem Jahr während der Sommerferien durch alle klassischen Seefahrerabenteuer las und zur Segelexpertin wurde. Gestartet habe ich meine maritime Reise mit Melvilles Moby Dick.

Erstes (freiwillig) auf Englisch gelesenes Buch: „Harry Potter“-Reihe von J. K. Rowling

Mit dieser Kategorie machen wir einen gehörigen zeitlichen Sprung. Zwar habe ich natürlich auch in der Mittel- und Oberstufe gerne und viel gelesen, aber echte Premieren, die mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben wären, gab es nicht. Aber ungefähr drei Jahre nach meinem Abi war ganz Deutschland (wenn nicht gar Europa) im Harry Potter-Fieber. Nachdem ich lange Zeit der Meinung war, Harry Potter sei nur etwas für Kinder, siegte irgendwann dann doch die Neugier. Um vor mir selbst (und meinem Umfeld) rechtfertigen zu können, warum ich plötzlich wieder Kinderbücher las, entschied ich mich für die englische Ausgabe. Es war der Beginn einer großen Liebe – nicht nur zu Harry Potter, sondern auch zu englischen Originalausgaben.

Erste am Stück gelesene Reihe: „Otherland“-Reihe von Tad Williams

Ja, ich liebe Reihen. Sie sind (fast) noch besser als dicke Bücher, denn es dauert noch länger, bis man sich wirklich von der Geschichte und den Charakteren verabschieden muss. Irgendwie beruhigt es mich, wenn ich ein Buch ausgelesen habe, zu wissen, dass es noch eine Fortsetzung gibt bzw. geben wird. Meist bin ich aber zu ungeduldig, um auf den Abschluss einer Reihe zu warten, bis ich mit dem Lesen anfange. Bei Otherland war das zum ersten Mal anders, was schlicht und einfach daran lag, dass die Bücher für mich als Berufsanfängerin damals zu teuer waren. Irgendwann hat mir damaliger Freund, der als Student selbst noch viel weniger Geld hatte als ich, dann ohne besonderen Anlass alle 4 Bände geschenkt. Ich war gleichzeitig total aus dem Häuschen und sauer, weil er so viel Geld für mich ausgegeben hatte.

bookish square

Erstes Buch, dass ich an einem Tag komplett durchgelesen habe: „Bei den wilden Kerlen“ von Dave Eggers

Es kommt nur höchst selten vor, dass ich ein Buch aufschlage und erst wieder aufhöre zu lesen, wenn ich es beendet habe. Um ehrlich zu sein, passierte mir das bislang nur ein einziges Mal. Bei Bei den wilden Kerlen von Dave Eggers passte aber einfach alles: Das Buch war toll geschrieben und weckte in mir nostalgische Gefühle, denn Dave Eggers hat darin aus dem Bilderbuchklassiker Wo die wilden Kerle wohnen einen Roman gemacht. Außerdem war es ein verschneiter, fauler Tag kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, so dass mich nichts und niemand auf der Lesecouch störte. Seitdem warte ich wieder auf eine so perfekte Situation. Ich hoffe, es war nicht die einzige in meinem Leserleben.

Buch, das mich zur Buchbloggerin machte: „Im Schatten der Veste“ von Willie Schiller

Mein erster Blog war ein ziemlicher Gemischtwarenladen, auf dem ich einfach über alles schrieb, was mir gerade so einfiel und wichtig erschien: Rezepte, Bastelvorschläge, Tipps zur Katzenhaltung,… Am Monatsende habe ich jeweils in einem Monatsrückblick kurz über meine gelesenen Bücher geschrieben. Darunter war irgendwann auch Im Schatten der Veste, ein ziemlich mieses Buch, das ich nur deshalb gelesen hatte, weil es in meiner Heimatgemeinde – ein kleinen Nest im Odenwald – spielte. Für diesen Beitrag erhielt ich meinen ersten Kommentar – vom Autor besagten Buchs, das ich verrissen hatte – und es entwickelte sich eine Diskussion zwischen uns. Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ein Blog ein tolles Medium ist, um mit anderen Bibliophilen ins Gespräch zu kommen. Ab da nahmen meine Buchbeiträge zu und die restlichen Themen auf dem Blog ab. Seit dem Umzug auf eine eigene Domain blogge ich ausschließlich über das (elektronische) Lesen.

Welche 10 Bücher gehören zu eurer bibliophilen Autobiografie?

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Online-Literaturaktion #Buchpassion von Kapri-zioes teil.

8 Kommentare

  1. Pingback: #buchpassion – Edition: Mein Bekenntnis zum Buch 9.-11.9.2016

  2. Liebe Kerstin,

    ich liebe deinen Beitrag für #buchpassion! Danke dafür.
    Seit letztem Jahr im Sommer habe ich mir vorgenommen, mal Winnie Puh zu lesen. Ein Bekannter erzählte mir von der großen Freude mit der er es kürzlich gelesen hatte – und das im Erwachsenenalter und damals noch kinderlos.
    Dass Dave Eggers ein Buch über die wilden Kerle geschrieben hat, wusste ich übrigens noch nicht. Ich habe es jetzt auf meiner „Nachschlagen-Liste“ stehen.

    Viele Grüße,
    Janine

    • Kerstin Scheuer sagt

      Danke, das freut mich, liebe Janine.
      „Bei den wilden Kerlen“ ist ein paar Jahre vor „Der Circle“ entstanden, als um Eggers noch nicht so ein Hype tobte. Ein sehr schönes Buch.
      Alles Liebe.
      Kerstin

  3. Oh wow, was für ein toller Beitrag zur #buchpassion-Aktion! Ich habe deinen Beitrag sehr gerne gelesen. Die Idee mit dem Büchern als Lesestationen in deinem Leben finde ich klasse.

    • Kerstin Scheuer sagt

      Danke, es freut mich, dass der Beitrag scheinbar gut ankommt.
      Wenn dir die Idee so gefällt, wieso schreibst du dann nicht deine eigene bibliophile Autobiografie? Wäre toll, wenn meine Idee Nachahmer fände.
      Alles Liebe.
      Kerstin

      • Ich bin gerade noch dabei meinen kreativen Weg zu finden. 😉
        Aber vielleicht greife ich die Idee irgendwann später noch mal auf. Bin ja erst seit 2 Wochen Bloggerin und muss mich da noch ein bisschen einfuchsen. 🙂

  4. Wow, ein sehr schöner Beitrag zu #buchpassion! Es ist so interessant und schön zu sehen, wie unterschiedlich einzelne Blogger die Aktion umsetzen und ihrer Liebe zu Büchern Ausdruck geben. Meine bibliophile Autobiographie fängt mit Der Regenbogenfisch und Die kleine Raupe Nimmersatt an, ganz vielen Märchen und später – als ich selber lesen konnte – Astrid Lindgrens Geschichten. Geprägt hat mich Flucht über den Himalaya und später natürlich die Harry Potter Romane. Ich habe die Freche Mädchen – Freche Bücher geliebt und gemeinsam mit meiner Schwester eine richtig große Sammlung gehabt :D. Später habe ich dann meine Vorliebe zu Klassikern entwickelt und unter anderem in Zärtlich ist die Nacht ein Lieblingsbuch gefunden.
    Liebe Grüße,
    Cora

    • Kerstin Scheuer sagt

      Danke. Genau das ist, finde ich, das schöne an solchen Aktionen: man lernt die Vielzahl der Blogs kennen.

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