125Interview, Lieblingsschreibplatz
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Lieblingsschreibplatz #1: Birgit Rabisch

Ich freue mich sehr, Euch heute den ersten Lieblingsschreibplatz vorstellen zu dürfen. Er stammt von Birgit Rabisch, deren neuster Roman „Die vier Liebeszeiten“ gerade im Verlag duotincta erschienen ist.

Die vier Liebeszeiten, TitelbildAnders als in anderen Liebesromanen, die mit einem Happy End ausklingen, wenn das Paar erfolgreich zueinander gefunden hat, begleitet Birgit Rabisch Rena und Hauke durch alle vier „Liebeszeiten“ vom ersten Kennenlernen bis zur Auseinandersetzung mit Alter und Tod. Dabei zeichnet sie zugleich auch ein Porträt der 68er Generation.
Eine Leseprobe findet Ihr auf Birgit Rabischs Homepage. Eine schöne Rezension zu „Die vier Liebeszeiten“ hat Silvia Walter auf „Leckere Kekse“ verfasst.

Zur Leseprobe Zur Rezension

Und hier ist der Roman entstanden:

Wo schreibst Du am liebsten und warum?

Früher habe ich gemütlich in einem Korbsessel gesessen, Beine hoch, Blick aus dem Fenster über die Dächer Hamburgs und auf dem Tischchen neben mir eine Kanne starken Tee auf einem Stövchen. Das war die romantische Zeit, als ich noch ganze Manuskripte zuerst handschriftlich geschrieben, korrigiert, neu geschrieben und dann mit der Schreibmaschine abgetippt, mit Tipp-Ex, Schere und Klebe-Stift wieder korrigiert habe. Heute sitze ich schnöde am PC und schreibe von Anfang an in eine Word-Datei. Warum? Weil ich meine Manuskripte immer und immer wieder überarbeite und es so natürlich unschlagbar viel effektiver ist. Geblieben ist die Kanne mit starkem Tee in Griffweite.

mein Lieblingsschreibplatz

Um den Text einfach überarbeiten zu können, schreibt Birgit Rabisch direkt am PC.

Hast Du eine feste Schreibroutine (z.B. feste Zeiten, zu denen Du schreibst) oder ein -ritual? Wenn ja, welche/s?

Ich schreibe nie in Cafés oder sonst wo in der Öffentlichkeit. Beim Schreiben muss ich allein sein, um mich konzentrieren zu können. Ich höre jeden Morgen nach dem Frühstück um 8:30 Uhr die Sendung „Am Morgen vorgelesen“ auf NDR-Kultur. Danach bin ich literarisch eingestimmt, brühe meinen Tee auf (s.o.) und schreibe von 9 Uhr bis 13 Uhr an meinem jeweiligen Manuskript. Dann koche ich, esse, mache einen Spaziergang. Der Nachmittag ist Recherchen, Korrespondenz mit LeserInnen, mit Verlagen, mit Medien u.Ä. vorbehalten. Im Urlaub oder wenn ich auf Lesereise bin, schreibe ich überhaupt nicht.

Wie entstehen Deine ersten Entwürfe (handschriftlich, getippt, diktiert,…) und warum genau so?

Auch meine ersten Entwürfe tippe ich heute direkt in den PC. Dafür lege ich mir einen Ordner mit verschiedenen Word-Dateien an. Auf denen halte ich jeweils meine Pläne und Ideen zum Gesamtkonzept, zu einzelnen Kapiteln, zum historischen Hintergrund, Kurzbiografien meiner Hauptfiguren und Kraut-und-Rüben-Gedankensplitter fest. Davon gelangt später einiges ins Manuskript, vieles aber auch nicht, weil es sich beim Schreiben als nicht praktikabel erweist, sich als langweilig entpuppt und von besseren Ideen verdrängt wird.

Als Beispiel habe ich hier einen Entwurf für ein Kapitel meines Romans „Die vier Liebeszeiten“ angefügt. Der Roman ist in die vier Kapitel Frühling, Sommer, Herbst und Winter gegliedert. Für jedes habe ich einen Entwurf erstellt. Hier ist es das Kapitel „Herbst“.

Rohentwurf Herbst Die vier Liebeszeiten

Auch ihre Entwürfe tippt Birgit Rabisch direkt in Word. Hier das Kapitel „Herbst“.

Was inspiriert Dich? Woher bekommst Du Ideen für neue Geschichten?

Das ist ganz unterschiedlich. Meine ersten Schreibversuche waren Gedichte und die waren, wie wohl bei vielen, von akutem Liebeskummer inspiriert. Daraus wurde die „Jammerlürik“, die erste meiner bisher zehn Veröffentlichungen. Ganz anders war es bei meinem erfolgreichsten Buch „Duplik Jonas 7“: Die Nachricht von der Geburt des ersten sog. Retortenbabys hatte bei mir eine intensive Beschäftigung mit der Gentechnologie und ihren Folgen ausgelöst. Eine Frage ließ mich nicht mehr los: Wie würde eine Gesellschaft aussehen, in der Menschen geklont werden? Aus dieser Vision ist dann mein Science-Fiction-Bestseller entstanden. Auch andere Bücher sind aus meiner Beschäftigung mit den Auswirkungen naturwissenschaftlicher Entwicklungen auf die Gesellschaft und auf den Einzelnen hervorgegangen. Zu meinem Roman „Die Schwarze Rosa“ wiederum hat mich die Erschütterung über die dunkle Vergangenheit meiner Großmutter gebracht. Mein letzter Roman „Die vier Liebeszeiten“ ist aus dem Wunsch entstanden, dass es endlich einmal eine Liebesgeschichte gibt, die mit dem Happy End nicht aufhört, sondern erst anfängt. Für den Roman habe ich hemmungslos in meinem eigenen Leben gewildert.

Was ist Deine Hauptmotivation beim Schreiben? Schreibst Du in erster Linie für Dich selbst oder möchtest Du eine bestimmte Botschaft vermitteln, auf ein Thema aufmerksam machen oder schlicht unterhalten?

Oft möchte ich auf ein Thema aufmerksam machen, das mich selbst umtreibt und beschäftigt. Das können manchmal auch schwierige naturwissenschaftliche oder ethische Fragen sein. Ich versuche aber immer, daraus spannende Storys mit lebendigen Charakteren zu entwickeln. Das Buch muss auch unterhalten, aber nicht auf dem Niveau von sog. Unterhaltungsromanen. Die sind in der Regel so banal und einfach gestrickt, dass sie anspruchsvolle LeserInnen nicht unterhalten können. Die Devisen, zu denen ich mich immer wieder ermahne, lauten: Zum Nachdenken anregen, aber keine Sichtweisen vorgeben! Und: Bloß nicht langweilen!

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick. Ich freue mich sehr, dass Du das „Versuchskaninchen“ für meine neue Interview-Kategorie gespielt hast.

(Birgit Rabisch hat meine Fragen am 9.5. beantwortet.)

Für die Freunde des digitalen Lesens lohnt es sich übrigens auf das Erscheinen des eBooks zu „Die vier Liebeszeiten“ zu warten. Dieses wird nämlich exklusiv eine Art „B-Seite“ mit den Ur-Liebeszeiten enthalten, die es nicht in gedruckter Form geben wird.

Wer noch mehr über Birgit Rabisch und die „Die vier Liebeszeiten“ erfahren möchte, dem empfehle ich das sehr einfühlsame Interview auf „Leckere Kekse“.

zum „Leckere Kekse“-Interview

Wer ebenfalls seinen Lieblingsleseplatz, Lieblingsschreibplatz oder Lieblingsbuchheldin bei mir vorstellen möchte, findet unter folgendem Link alle Informationen dazu:

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