0 Herzchen, 2 Herzchen, 4 Herzchen, Biografie, Frauen, Hörbuch, Liebling, Roman, Schwächling, starke Frauen
Kommentare 2

Lieblinge und Schwächlinge des 1. Quartals 2016

Lieblinge Schwächlinge Logo neu

Ich habe viel gelesen bzw. gehört und nicht ganz soviel rezensiert in diesem 1. Quartal des Jahres. Aber immerhin zehn der insgesamt 25 von mir verschlungenen Bücher, Hörbücher und Kurzgeschichten habe ich auch besprochen. Zu einigen weiteren Büchern und Hörbüchern sowie der Stephen King Story Selection habe ich aber noch Beiträge geplant. Keine Angst.

Lieblinge des 1. Quartals

Auch wenn kein „echtes“ Lieblingsbuch mit einer Top-Bewertung von ♥♥♥♥♥ dabei war, fällt die Bilanz erstaunlich positiv aus: Ganze sieben Mal habe ich ♥♥♥♥ vergeben.

„Die Sehnsucht des Vorlesers“ von Jean-Paul Didierlaurent

Dieses Buch war eine echte Überraschung für mich. Schon im Herbst habe ich es von DTV und Lovelybooks unaufgefordert zugeschickt bekommen. Den Titel fand ich aber wenig ansprechend und so verschwand es erst einmal im Regal. Im Weihnachtsurlaub wollte ich es dann eigentlich nur anlesen, um zu entscheiden, ob es bleiben darf und hatte es dann innerhalb von nur 36 Stunden gelesen.

Die Sehnsucht des Vorlesers_BeitragsfotoMit seinem Debüt „Die Sehnsucht des Vorlesers“ gelingt Jean-Paul Didierlaurent eine angenehm kitschfreie, zarte Liebesgeschichte, die mich vor allem durch ihren klugen, erfrischenden Humor und die charmant-sonderbaren Charaktere begeisterte. Die zart melancholisch-poetische Grundstimmung und der kluge Humor verleihen der Geschichte einen gewissen fantastischen Zauber, der mich schon nach wenigen Seiten gleichermaßen zum Schmunzeln und Träumen brachte.

zur vollständigen Rezension 

„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ von Jens Andersen

Mit dieser Lindgren-Biografie bin ich in mein Themenjahr „Bücher von und über starke Frauen“ eingestiegen. Wie so viele andere Kinder bin ich mit ihren Geschichten groß geworden und neugierig mehr über die Frau dahinter zu erfahren. Das Buch war insofern ein Volltreffer, als dass es tatsächlich sehr gut zum neuen Blogschwerpunkt passt.

Lindgren BeitragsbildMit „Astrid Lindgren – Ihr Leben“ legt Jens Andersen eine ebenso inspirierende wie authentische Biografie einer beeindruckenden, bisweilen etwas unbequemen Frau vor. Die Biografie beschränkt sich dabei nicht nur auf ihr schriftstellerisches Leben, sondern zeigt Astrid Lindgren auch als Kind, Mutter und Ehefrau, als Geschäftsfrau und politisch engagierte Aktivistin. Es wird sehr schön deutlich, dass die Schöpferin ihren eigenen Figuren an Freiheitsliebe, Unabhängigkeitsdrang und Selbstbewusstsein in nichts nachstand und sich bis ins hohe Alter ihre kindliche Spieltheit und Fantasie erhielt.

zur vollständigen Rezension 

„Madame Hemingway“ von Paula McLain

Auch diese weibliche Biografie gefiel mir gut. Das Buch wanderte auf meine Wunschliste bzw. meinen SuB, nachdem mich „Lady Africa“ so begeistern konnte. Im Gegensatz zur Lindgren-Biografie verarbeitet Paula McLain den biografischen Stoff in romanhafter Form mit viel wörtlicher Rede.

Madame Hemingway Beitragsfoto

Mit „Madame Hemingway“ legt Paula McLain einen Roman über Zusammengehörigkeit, Freundschaft, gebrochenes Vertrauen, Egoismus und die Zerbrechlichkeit von Glück vor, der mich sehr berührte. Ich fand es interessant und spannend, mich Ernest Hemingway einmal auf eine andere Art anzunähern. Durch die Augen seiner ersten Ehefrau betracht, habe ich einige neue Seiten des Schriftstellers kennengelernt. Tatsächlich gefiel mir „Madame Hemingway“ so gut, dass ich nun überlege, auch „Paris, ein Fest fürs Leben“, in dem Hemingway selbst über seine Pariser Jahre schreibt, zu lesen.

zur vollständigen Rezension 

„Die Fotografin. Die vielen Leben der Amory Clay“ von William Boyd

Ein dritter weiblicher Lebenslauf, der mich überzeugen konnte, war die Lebensgeschichte der Fotografin Amory Clay, die ihrer Zeit weit voraus erscheint. Vor allem die zahlreichen authentischen Schwarz-Weiß-Fotos, mit denen William Boyd das Buch illustriert, gefielen mir.

Die Fotografin III

In „Die Fotografin“ verwebt William Boyd geschickt geschichtliche Fakten und Fiktion zu einem über weite Teile sehr authentischen Porträt einer für ihre Zeit erstaunlich selbstständigen und unabhängigen Frau. Gleichzeitig ist „Die Fotografin“ auch ein Porträt des vergangenen Jahrhunderts, denn Amory Clays Lebensgeschichte reicht über die wilden 20er Jahre und beide Weltkriege bis zur Hippie-Ära und dem Vietnamkrieg.

zur vollständigen Rezension 

„Eine Dame von Welt“ von Henry James

Wer hätte gedacht, dass sich tatsächlich auch ein Klassiker unter meine Quartalslieblinge mischen würde?! Dieses dünne Büchlein las ich tatsächlich mit so viel Freude, dass es nicht wird mein letztes Buch von Henry James bleiben wird.

Eine Dame von Welt_Beitragsfoto

Mit „Eine Dame von Welt“ schuf Henry James eine kluge, unterhaltsame und bisweilen humorvolle Erzählung über eine resolute Amerikanerin, die die aristokratischen Salons Londons aufmischt und den gesellschaftlichen Aufstieg durch eine geschickte Heirat sucht. Der Text wirkt frisch und lässt sich erstaunlich flüssig lesen. Alexander Pechmann gelang es eine Übersetzung vorzulegen, die gleichermaßen dem Alter der Erzählung als auch der Lesbarkeit für den modernen Leser Rechnung trägt.

zur vollständigen Rezension 

„Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ von Neil MacGregor

Dieses Hörbuch habe ich für die Aktion „Wir hören den Deutschen Hörbuchpreis“ gehört und rezensiert. Anfangs war ich ein wenig unglücklich darüber, dass von den vielen interessanten Gewinnern ausgerechnet  Sachhörbuch für mich übrig blieb. Im Nachhinein bin ich aber recht froh darüber, denn sonst wäre ich nie auf dieses interessante und gut gemachte Hörbuch aufmerksam geworden.

Deutschland Erinnerungen einer Nation

„Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ bietet einen interessante Einblick, in die britische Wahrnehmung Deutschlands. Gleichzeitig legt MacGregor damit eine originelle Weise der Geschichtsbetrachtung vor, bei der er anhand von Objekten, Orte, Erfindungen und Ideen ein interessantes Panorama aus geschichtlichen Fakten und Alltagskultur erschafft. Die Hörbuchumsetzung überzeugt durch die geschickte Verwendung historische Tondokumente sowie von unterschiedlichen Sprecherinnen und Sprechern neu eingelesener Zeitdokumente, die dieses Werk so lebendig machen.

zur vollständigen Rezension 

„crystal.klar“ von Dominik Forster

Dieses Buch war erst vor kurzem meine persönliche Empfehlung zum Indiebookday, der bei mir ganz im Zeichen des Verlags duotincta stand. Mitgebracht hatte ich „crystal.klar“ bereits von der Frankfurter Buchmesse im Herbst. Wie ein guter Wein musste es aber erst noch einige Monate in meinem Bücherregal reifen, bevor ich es mir zu Gemüte führte.

crystakklar_Beitragsfoto

„crystal.klar“ ist ein schonungslos ehrlicher autobiografischer Roman über eine steile Drogenkarriere und den sich anschließenden beinahe unvermeidlichen Absturz. In einer erschütternden Offenheit berichtet Dominik Forster seinen langsamen aber stetigen Weg in die Abhängigkeit und ihre Folgen. Die Ich-Erzählerperspektive und direkte Alltagssprache machen „crystal.klar“ zu einem intensiven und authentischen Leseerlebnis, das mir gleich ein paar Mal tief unter die Haut ging.

zur vollständigen Rezension 

Schwächlinge des 1. Quartals

Auf der Schwächlingseite habe ich hingegen nur ein abgebrochenes Hörbuch und ein Taschenbuch mit ♥♥-Bewertung zu verzeichnen.

„Tagebuch der Apokalypse“ von J. L. Bourne

Ja, es kommt – Gott sei dank – selten vor, dass ich ein (Hör-)Buch abbreche. Einigermaßen objektiv betrachtet, ist „Tagebuch der Apokalypse“ auch durchaus hörbar. Irgendwie wollte bei mir der Funke dennoch nicht so richtig überspringen. Nachdem ich mehr als 2 Wochen nicht weiterhörte, gab ich schließlich auf.

Tagebuch der Apokalypse_Beitragsfoto

Mit Romanen in Tagebuchform tue ich mir grundsätzlich etwas schwer. Aber in diesem Fall war die literarische Form nicht einmal ausschlaggebend. Vielmehr war es das „Was“, das mich an „Tagebuch der Apokalypse“ – nein, nicht direkt „störte“ -, aber eben doch nicht überzeugte. Denn die Geschichte ist einfach nichts besonderes und vollkommen austauschbar. J. L. Bourne bedient mit „Tagebuch der Apokalypse“ ein derzeit sehr beliebtes Genre mit festen Regeln, die er auch brav alle beachtet. Das Ergebnis ist zwar eine solide Zombie-Horror-Geschichte; dem Hörbuch fehlt es jedoch ein jeder Originalität.

zum vollständigen Text 

„AußerOrdentliche Frauen“ von Dieter Wunderlich

An sich ist an Dieter Wunderlichs Idee, außergewöhnliche weibliche Lebensentwürfe in Form von Kurzporträts gesammelt in einem Werk zu versammeln, nichts auszusetzen. Tatsächlich wählt er auch eine sehr reizvolle Mischung ganz unterschiedlicher Frauen aus. Leider war die konkrete Umsetzung aber auch hier wenig ansprechend. Immerhin lieferte mir das Buch Anregungen, mit welchen interessanten (Auto-)Biografien ich mich noch eingehender beschäftigen möchte.

AußerOrdentliche Frauen_Beitragsfoto

Dieter Wunderlich gelingt es nicht, seine spannende Idee ansprechender umzusetzen. Nicht nur wirken die kleine Schrift und der enge Druck optisch wenig ansprechend; auch die stark komprimierte Form, bei der man das Gefühl hat, von Jahreszahlen und Daten regelrecht erschlagen zu werden, sowie der ewig gleiche Satzbau wirken schnell ermüdend auf den Leser. Zudem ärgerte ich mich des Öfteren darüber, dass vor allem die wechselnden Liebschaften der Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden.

zur vollständigen Rezension 


Habt Ihr auch schon eine erste Bilanz dieses noch so jungen Lesejahres gezogen? Was sind bislang Eure Lieblinge und Schwächlinge?

2 Kommentare

  1. Einen meiner Jahresfavoriten habe ich direkt am 2.1. gelesen: Ein Leben mehr von Saucier. Der einzige wirkliche Flop bisher war das Hörbuch „Der Ozean am Ende der Welt“, hat mir gar nicht gefallen, obwohl ich solche „Märchenbücher“ eigentlich mag.

  2. Garit sagt

    Mein absolutes Lieblingsbuch 2016 ist „Das Ende der Einsamkeit“ von Benedikt Wells. Solche Bücher, die mich so beeindrucken, gibt es nicht oft!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.