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Rezension #122: „AußerOrdentliche Frauen“ von Dieter Wunderlich

AußerOrdentliche Frauen_Beitragsfoto

Als ich für meinen neuen Blogschwerpunkt nach Büchern über starke Frauen zu recherchieren begann, stieß ich schnell auf den Biograf Dieter Wunderlich. Seit 1999 trägt er in Büchern wie „EigenSinnige Frauen“, „WageMutige Frauen“ und „Unerschrockene Frauen“ spannende weibliche Lebensläufe zusammen, die sowohl Frauen als auch Männern als Vorbilder dienen können. „Genau das richtige für meinen Blog“, entschied ich. Leider konnte mich „AußerOrdentliche Frauen“ nicht ganz überzeugen.

Worum geht es?

In achtzehn kurzen Porträts beschreibt Dieter Wunderlich die Lebensläufe von auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Frauen: Mätresse Lola Montez, Tänzerin Mata Hari, Autorin Tania Blixen, Schauspielerin Marilyn Monroe und Politikerin Rosa Luxemburg sind nur einige davon. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam: sie setzten sich über bestehenden Konventionen und Regeln ihrer Zeit hinweg und beschritten eigene Wege.

Wie fand ich…

…die Auswahl der porträtierten Frauen?

Dieter Wunderlich trägt in „AußerOrdentliche Frauen“ ein breites Spektrum weiblicher Lebensentwürfe zusammen. Angefangen bei königlichen Mätressen über Künstlerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen bis hin zu Politikerinnen und Widerstandskämpferinnen bietet dieses Buch eine sehr reizvolle Mischung der verschiedensten Frauenbiografien. Einige davon wie beispielsweise die von Karen „Tania“ Blixen, Rosa Parks oder Sophie Scholl kannte ich bereits; andere waren mir jedoch nur dem Namen nach oder gar nicht bekannt.

…die Gestaltung?

Jedes Kurzporträt beginnt Dieter Wunderlich mit dem Geburts- und Todesjahr sowie einer knappen Zusammenfassung. Auf der zweiten oder dritten Seite findet man jeweils ein Schwarz-Weiß-Bild der Porträtierten.

Abschnittsbeginn

Mühsam fand ich den engen Druck und die kleine Schrift, in der „AußerOrdentliche Frauen“ gesetzt wurde. Dadurch strengte das Lesen etwas an. Auch die zahlreichen Fußnoten, mit denen Dieter Wunderlich seine Aussagen durch genaue Recherchen belegt, waren auf Dauer leicht enervierend. Da man die Angaben nicht am jeweiligen Seitenende sondern in einem separaten Anhang findet, muss man ständig blättern. Oft war ich versucht, die Fußnoten einfach zu überlesen; dies rächte sich jedoch zum Teil, da diese neben Quellenangaben manchmal auch zusätzliche Informationen enthalten. Dies hätte man besser lösen können.

Doppelseite Druck

…die Auswahl der Quellen?

Dieter Wunderlich stützt seine Biografien meistens auf lediglich ein oder zwei Hauptwerke. Selbst Brief-, Tagebuch-, und Zeitungsausschnitte werden meist nicht direkt zitiert. Gerade bei neueren Zeitdokumenten, die sich problemlos auffinden lassen, fand ich dies enttäuschend. Die achtzehn Porträts sind so nicht mehr als die Zusammenfassungen von einer oder zwei Standardbiografien zur jeweiligen Person.

…die inhaltliche Aufbereitung?

Dieter Wunderlich präsentiert dem Leser die Lebensdaten der porträtierten Frauen in stark komprimierter Form. Satz auf Satz jagt eine Jahreszahl die nächste. Verstärkt wird der Eindruck eines Datenfriedhofs durch einen ewig gleichen Satzaufbau. Beides macht es nicht immer einfach, dem Text zu folgen: einerseits war ich durch die Gleichförmigkeit der Sätze schnell gelangweilt; andererseits erfordert die starke Komprimierung volle Aufmerksamkeit.

Manchmal hätte ich mir statt einer Jahreszahl lieber gewünscht, das Alter der Frau bei einem bestimmten Ereignis zu erfahren. Dazu muss man aber wieder zum Beginn des Abschnitts zurückblättern und selbst rechnen.

Wie hoch ist der „starke Frauen“-Faktor?

Dass alle achtzehn porträtierten Frauen starke Persönlichkeiten sind, steht außer Frage. Alle haben sie sich für ihre Überzeugungen, Ideale und Vorstellungen über bestehende Konventionen hinweggesetzt und ihren eigenen Weg beschritten.

Geärgert habe ich mich aber des Öfteren über das bisweilen sehr anzügliche, verruchte Licht, in der Dieter Wunderlich diese Frauen rückt. Gerade bei den ersten fünf oder sechs Porträts lag mir der Schwerpunkt zu sehr im sexuellen Bereich; es scheinen vor allem die häufigen Partnerwechsel und vielen Ehen zu sein, die den Autor beschäftigen. (Manchmal wird sogar erwähnt, wann und mit wem eine Dame ihren ersten Orgasmus hatte.) Bei mir weckte dies leider nicht selten den Eindruck, als wolle der Autor vor allem männliche Fantasien beflügeln. Den ungewöhnlichen Lebensläufen dieser tollen Frauen wird Wunderlich damit sicher nicht gerecht.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

csm_produkt-5959_d0f7894f88In „AußerOrdentliche Frauen“ beschreibt Dieter Wunderlich achtzehn Lebensläufe von Frauen, die sich für ihre Überzeugungen und Träume über bestehende Konventionen ihrer Zeit hinweg setzten. Hierzu wählt er einen sehr reizvollen Mix aus Konkubinen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen, Sängerinnen und Schriftstellerinnen aber auch Widerstandskämpferinnen und Politikerinnen aus.

Schade ist nur, dass es ihm nicht gelingt, diese spannende Idee ansprechender umzusetzen. Nicht nur wirken die kleine Schrift und der enge Druck optisch wenig ansprechend; auch die stark komprimierte Form, bei der man das Gefühl hat, von Jahreszahlen und Daten regelrecht erschlagen zu werden, sowie der ewig gleiche Satzbau wirken schnell ermüdend auf den Leser. Zudem ärgerte ich mich des Öfteren darüber, dass vor allem die wechselnden Liebschaften der Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Für mich taugte das Buch in erster Linie dazu, mir Anregungen zu liefern, mit welchen interessanten (Auto-)Biografien ich mich noch eingehender beschäftigen möchte. Als reine Unterhaltungslektüre kann ich es nicht empfehlen.

Bewertung: ♥♥ lesbar

Titel: AußerOrdentliche Frauen ♦ Autor: Dieter Wunderlich ♦ Verlag: Piper ♦ Format: Taschenbuch ♦ Umfang: 272 Seiten ♦ ISBN: 978-492-25459-5 ♦ Preis: 9,99€

AußerOrdentliche Frauen

AußerOrdentliche Frauen
4.9

Auswahl der porträtierten Frauen

8/10

    Gestaltung

    4/10

      Quellenauswahl

      4/10

        inhaltliche Aufbereitung

        4/10

          starke Frauen-Faktor

          5/10

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