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Rezension #121: (Hörbuch) „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ von Neil MacGregor

Deutschland Erinnerungen einer Nation

Die Hörbuchfassung von „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ von Neil MacGregor wurde in diesem Jahr mit dem Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Sachhörbuch“ ausgezeichnet. Auch wenn es zu Beginn noch anders war, bin ich nun froh, dass diese Preiskategorie bei der Aktion „Wir hören den Deutschen Hörbuchpreis“ für mich übrig blieb. Das Hörbuch ist sehr ansprechend umgesetzt, hochinteressant und gibt einen reizvollen britischen Blick auf die deutsche Geschichte.

Worum geht es?

In „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ führt Neil Mac Gregor anhand ausgewählter Ideen, Objekte, Menschen und Orte durch die deutsche Vergangenheit. Auf der akustischen Reise begegnet man Gutenbergs Druckerei, der Walhalla, dem Bauhaus-Design sowie großen Deutschen wie Goethe, Schiller und Luther ebenso wie der Bratwurst, Bier oder der deutschen Hanse und den Toren von Buchenwald.

Wie fand ich…

…den Einstieg?

In einem Vorwort schlägt Neil MacGregor eine Brücke zwischen der aktuellen Rolle Deutschlands innerhalb der EU und seiner Vergangenheit. Auf Grund seiner komplexen und zersplitterten Vergangenheit fiele es Deutschland leichter als anderen Nationen verschiedene Denkweisen, Ziele und Ansichten zu vereinen. Deutschland blicke auf eine komplexe und zersplitterte Vergangenheit zurück. Die hierbei gemachten Verfahren zeigten sich vor den aktuellen Herausforderungen als hilfreich.

Ich fand es auch sehr angenehm, dass einmal nicht mit Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg sondern seiner aktuellen, positiven Situation im internationalen Staatengeflecht begonnen wird. MacGregors Ansatz, seinen britischen Landsleuten die deutsche Seele, die mehr als nur ihre Nazi-Vergangenheit prägte, ein bisschen näher zu bringen, gefiel mir.

…den Aufbau?

MacGregor wählt in „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ keinen rein chronologischen Aufbau. Vielmehr versucht er sich dem Wesen der deutschen Nation durch verschiedene Objekte, Ideen, Orte und Menschen ganz unterschiedlicher Bereiche zu näheren. So berichtet er über das komplexe deutsche Münzrecht, die zahlreichen deutschen Dialekte und die regionale Küche, aber auch über Gutenbergs Buchdruck, Luthers Bibelübersetzung und den deutschen Bauhausstil. Auf diese Weise wird die deutsche Geschichte nicht zu einem angestaubten Datengrab, wie es wahrscheinlich viele aus dem Geschichtsunterricht kennen.

Schön fand ich auch die akustische Trennung der einzelnen Teile und Kapitel. Hier ist entweder ein Stimmengewirr aus verschiedenen deutschen Dialekten oder Ausschnitte berühter deutscher Reden (z.B. „Niemand hat die Absicht einen Mauer zu bauen.“) zu hören.

…die Hörbuchinszenierung?

611aC0tIJiL._SL300_Für die Hörbuchfassung wurden nicht nur schriftliche Dokumente von verschiedenen Sprecherinnen und Sprechern neu eingelesen, sondern auch historische Tondokumente verwendet. Die unterschiedlichen Stimmen machen das Hörbuch trotz des sehr nüchternen Themas sehr lebendig und abwechslungsreich zu hören. Auch längeren Abschnitten konnte ich so problemlos folgen. Dass sich MacGregor des Öfteren auf britische Experten bezieht, fand ich zwar etwas befremdlich; andererseits war dieser fremde Blick auf die eigene Nation aber auch nicht uninteressant.

…den Inhalt?

Auch wenn mir das meiste bereits zumindest grob bekannt war, fand ich den Inhalt doch schon allein wegen seiner kreativen Zusammenstellung sehr interessant. Zudem war es sehr reizvoll, Deutschland einmal durch einen neuen Blickwinkel zu erleben. So war ich beispielsweise überrascht, wie viel Raum der Walhalla, der ich bislang keine Beachtung schenkte, eingeräumt wurde. Zudem habe ich noch einiges dazu gelernt, vor allem über Kunst und Architektur aber auch über das Tor vom KZ Buchenwald.

…die Sprecher?

Burghart Klaußner liest „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ in einem angenehmen Tempo, dem ich immer gut folgen konnte. Er hat eine angenehme, warme und harmonische Stimme und liest den Sachtext sehr gleichmäßig und unaufgeregt. Mir gefiel dies gut.

Schön fand ich, dass zitierte Textdokumente von anderen Sprechern gelesen werden, wobei das Geschlecht des Sprechers bzw. der Sprecherin mit dem Autor bzw. der Autorin des Dokuments übereinstimmt. Hierdurch konnte ich mich nicht nur leichter innerhalb des Hörbuchs orientieren. Durch die gelegentlichen Stimmwechsel fiel es mir auch leichter, dem Sachtext auch längere Zeit zu folgen.

Wie gefiel mir das Hörbuch insgesamt?

„Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ bietet einen interessante Einblick, in die britische Wahrnehmung Deutschlands. Gleichzeitig legt MacGregor damit eine originelle Weise der Geschichtsbetrachtung vor, bei der er anhand von Objekten, Orte, Erfindungen und Ideen ein interessantes Panorama aus geschichtlichen Fakten und Alltagskultur erschafft. Die Hörbuchumsetzung überzeugt durch die geschickte Verwendung historische Tondokumente sowie von unterschiedlichen Sprecherinnen und Sprechern neu eingelesener Zeitdokumente, die dieses Werk so lebendig machen. Es ist ein interessantes, lehrreiches Hörbuch, das ich auch durch die angenehme Sprechweise von Burghart Klaußner dennoch nicht als anstrengend oder belehrend empfand.

Bewertung: ♥♥♥♥ Hörbuchtipp!

Hörprobe

Titel: Deutschland. Erinnerungen einer Nation ♦ Autor: Neil MacGregor ♦ Übersetzung: Klaus Binder ♦ Sprecher: Burghart Klaußner ♦ Regie: Burghard Schmid ♦ Verlag: der Hörverlag ♦ Format: Audiodownload ♥ Umfang: 14:12 h ♦ ASIN: B014HABRIC ♦ Preis: 19,95€ 

Deutschland. Erinnerungen einer Nation

Deutschland. Erinnerungen einer Nation
8.84

Einstieg

9/10

    Aufbau

    9/10

      Inszenierung

      9/10

        Inhalt

        9/10

          Sprecher

          9/10

            6 Kommentare

            1. Hallo Kerstin,

              danke für den detaillierten Einblick! Ich muss gestehen, dass mich das Buch ursprünglich wenig lockte, weil ich fürchtete, dass es sich letztlich sowieso nur wieder in irgendeiner Form auf Deutschlands Rolle in den ’30ern und ’40ern konzentriert. Aber durch den Hörbuchpreis begegnete mir der Titel wieder und wieder in meiner Audible-App und irgendwann wurde ich neugierig. Deine Begeisterung ist nun erst recht ansteckend und du bestätigst mich darin, das Hörbuch runterzuladen. Wenn ich bei dir lese, wie abwechslungsreich die Umsetzung als Hörbuch ist, freue ich mich auf eine unterhaltsame Geschichtsstunde 🙂

              Viele Grüße
              Kathrin

              • Kerstin Scheuer sagt

                Das Hörbuch hat definitiv mehr zu bieten, als Nazi-Deutschland. Das war es auch, was mich so überzeugte.
                Ich bin gespannt, wie Du es findest. Berichtest Du mir dann kurz?

            2. Ich glaube ich muss nach der Buch-Kauf-Fastenzeit unbedingt ein Sachhlrbuch kaufen. Ich weiß auch schon welches…

            3. Pingback: Wir hörten den Deutschen Hörbuchpreis – Kerstin Scheuer

            4. Pingback: Das Ende der Freiheit – Nur Lesen ist schöner

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