4 Herzchen, Rezension, Roman
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Rezension #113: „Nach Hause“ von Rahel Meister

Rahel Meister ist eine Hälfte von Cluewriting.de. Dort veröffentlicht sie zusammen mit Sarah einmal in der Woche eine Kurzgeschichte, bei der bestimmte Wort („Clues“) an einem vorgegebenen Setting vertextet werden müssen. Die Ergebnisse sind manchmal aberwitzig, manchmal gruselig und manchmal schlicht albern. Aber lesenswert sind sie eigentlich immer. Deshalb bin ich auch regelmäßig Gast auf ihrer Seite. Als ich im Oktober erfuhr, dass Rahel eine Halloween-Story im Droemer-Knaur Verlag veröffentlich hatte, stand daher sofort fest, dass ich das eBook lesen musste.

Worum geht es?

Die Brüder Devin und Finn wurden in den Infektionskriegen zu Vollwaisen. Sie schafften es jedoch nicht nur die Zombie-Apokalypse irgendwie zu überleben, sondern erreichten sogar eine der „sicheren Zonen“. Aber die Sehnsucht nach den Eltern ist so groß, dass sie beschließen, ihr ehemaliges Elternhaus ein letztes Mal zu besuchen. Dieses Vorhaben ist jedoch riskant. Bald schon stranden sie mit ihrem Auto mitten im Wald, wo sie zunächst von einem Zombie angegriffen werden und Finn schließlich in eine Bärenfalle tritt. Zum Glück treffen die Brüder auf Michael, einen ehemaligen Arzt, der als Einsiedler im Wald lebt. Er bietet den beiden seine Hilfe an. Viel zu spät erkennt Devin, dass Michael durch seine selbstgewählte Isolation den Bezug zur Realität mehr und mehr zu verlieren beginnt und die Brüder dadurch in ernster Gefahr schweben.

Wie fand ich…

…den Einstieg?

Ich fand sehr schnell in die Geschichte. Rahel Meister beginnt ohne große Einführungen direkt mit der Autopanne im Wald, so dass man als Leser sofort mitten in der Story ist. Dass man zu diesem Zeitpunkt noch nichts genaueres darüber weiß, wie die Welt funktioniert, in der „Nach Hause“ spielt, störte mich dabei nicht. Geschickt baut Rahel Meister diese Informationen an den entscheidenden Stellen an Hand von Flashbacks und Gesprächen in die Handlung ein. Viel Zeit zum Zurechtfinden bleibt ohnehin nicht, denn der erste Zombieangriff lässt nicht lange auf sich warten. Spätestens an diesem Punkt hatte mich „Nach Hause“ dann endgültig gepackt.

…die Sprache?

Rahel Meister hat einen sehr flüssigen Sprachstil. In „Nach Hause“ nutzt sie viel wörtliche Rede, was die Handlung sehr lebendig werden lässt und einen schnellen Zugang ermöglicht. Ihre Wortwahl ist stark in die Alltagssprache angelehnt, so dass sich die Geschichte leicht lesen lässt. Die grauenhaften Dinge, die in „Nach Hause“ beschrieben werden, wurden für mich gerade durch diese sprachliche Natürlichkeit umso realer und bedrückender.

…die Charaktere?

Die charakterliche Tiefe der Protagonisten überraschte mich positiv. Da „Nach Hause“ gerade einmal 120 Seiten stark ist, hatte ich damit gerechnet, größtenteils auf Stereotypen zu treffen, bei denen eine ausführliche Charakterbeschreibung nicht erforderlich ist. Rahel Meister stattet ihre Charaktere jedoch mit einer sehr detaillierten Vergangenheit aus, die geschickt in die Handlung eingeflochten ist. Dadurch bekam ich den Eindruck, sehr realere Charaktere vorzufinden, als ich es zunächst erwartet hatte.

…den Handlungsverlauf?

Den Handlungsverlauf von „Nach Hause“ fand ich ausbaufähig. Vor allem im Mittelteil ließ die Spannung bei mir etwas nach. Nach einem starken, actionreichen Einstieg entwickelt Rahel Meister im Mittelteil ausschließlich aus dem Aufeinandertreffen der beiden unterschiedlichen Charaktere Devin und Michael in einer abgelegenenn Waldhütte feine psychologische Spannungsmomente. Diese entstehen hauptsächlich dadurch, dass Michaels Absichten und Handlungen für Devin kaum vorhersehbar sind und auch kein einheitliches Muster erkennen lassen. Mir imponierte dieser mutige Spannungsaufbau, der viel erzählerisches Geschick erfordert, um den Leser „bei der Stange zu halten“. Ich fand es interessant, Devin bei seinen Versuchen, sich aus den Fängen von Michael zu befreien, zu beobachten. Ganz überzeugen konnte mich dieser Teil hinsichtlich des Spannungsaufbaus jedoch trotz einiger echter Grusel-Schocker-Momente nicht.

…den Schluss?

Mit dem starken Schluss gelang es Rahel Meister schließlich wieder, mich für „Nach Hause“ zu begeistern. Hier erfährt der Leser endlich, was aus Devins Bruder Finn geworden ist. Obwohl mich das Ende in diesem Punkt nur wenig überraschte, da Rahel Meister es bereits andeutete, war dies ein echter Gänsehautmoment, wie ihn auch Stephen King nicht besser hinbekommen hätte. Auch dass das weitere Schicksal von Devin weitgehend offen bleibt und so Platz für die Fantasie des Lesers lässt, gefiel mir.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

„Nach Hause“ von Rahel Meister ist spannender Zombie-Grusel-Schocker, der nicht nur zur Halloween-Zeit für Gänsehaut sorgt. Durch den natürlichen, lebendigen Erzählstil und den actionreichen Einstieg war zog mich das Buch schnell in seinen Bann. Auch wenn ich den Mittelteil für ausbaufähig halte, imponierte mir der mutige, fein psychologische Spannungsaufbau. Erstaunliche reale Protagonisten mit einer gewissen charakterlichen Tiefe und ein überzeugendes Ende à la Stephen King runden den guten Gesamteindruck ab.

Bewertung: ♥♥♥♥ Buchtipp!


Titel: Nach Hause. Ein Halloween-Story ♦ Autorin: Rahel Meister ♦ Verlag: Kroemer-Knaur ♦ Format: eBook ♦ Umfang: ca. 120 Seiten ♦ ISBN: 978-3-426-43662-2 ♦ Preis: 2,99€


Außerdem in dieser Reihe erschienen:

  • »Der kleine Vogel des Todes« von M.P. Anderfeldt
  • »Séance« von Christine Bendik

 

 

Nach Hause. Eine Halloween-Story

Nach Hause. Eine Halloween-Story
8.14

Einstieg

9/10

    Handlungsverlauf

    6/10

      Charaktere

      8/10

        Sprache

        9/10

          Schluss

          9/10

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