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Rezension #112: „Letzte Runde“ von Stefanie Schleemilch

Stefanie Schleemilch wurde 1986 in Tettnang am Bodensee geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Tübingen, wo sie auch heute noch lebt. Ihr Debütroman „Letzte Runde“ ist im Oktober 2015 im Duotincta Verlag erschienen.

Ich habe das Buch zusammen mit den beiden anderen Veröffentlichungen des Verlags auf der Frankfurter Buchmesse bekommen. Verleger Jürgen Volk legte es mir besonders ans Herz. Er zeigte sich vor allem vom Einstieg in die Story begeistert und weckte damit meine Neugier.

Worum geht es?

Laszlo floh in jungen Jahren aus dem sozialistischen Ungarn in die Schweiz. Nun steht sein Tod unmittelbar bevor. Dies weiß er deshalb so genau, weil er ihn selbst geplant hat. Bevor er sich jedoch auf den Weg nach Zürich in die Sterbeklinik macht, gibt es noch ein paar Dinge zu regeln. Dies betrifft nicht nur die Auflösung des eigenen Haushalts; Laszlo möchte auch seine Geschichte erzählen und die Manuskripte seines verstorbenen Freundes Dominik weitergeben. Aber wieso wählt er dafür ausgerechnet Constantin, einen für ihn eigentlich vollkommen fremden aus? Und was geht einem Menschen so kurz vor seinem Tod durch Kopf?

Wie fand ich…

…den Einstieg?

„Letzte Runde“ besteht aus drei Teilen – der Tod, die Politik, die Liebe – die jeweils aus mehreren Kapiteln besteht.

Der Einstieg fiel mir nicht leicht. Auf Grund seines geringen Umfangs hatte ich das Buch vollkommen unterschätzt. Die große philosophische Tiefe des Romans traf mich daher vollkommen unvorbereitet. Die ersten zwei Seiten, auf denen Schleemilch eine Brücke vom Limes-Begriff der Mathematik zur menschlichen Sterblichkeit schlägt musste ich zweimal lesen, bis ich ein Gefühl für „Letzte Runde“ entwickeln konnte. Das restliche Buch lies sich dann jedoch gut, wenn auch nicht so schnell wie ich erwartet hatte, lesen.

…die Sprache?

In ebenso einfachen wie genauen und beinahe poetischen Sprachbildern beschriebt Stefanie Schleemilch Wetterphänomene, Gefühle und sogar Geräusche so, dass ich sofort einen festen Eindruck davon bekam. Da fallen beispielsweise

Wassertropfen wie Symphonien zu Boden (Seite 13)

oder

Der Wind zieht sich gerade noch ein schwarzes Wolkenhemd über (Seite 10)

Diese bildhafte, gleichermaßen klare wie poetische Sprache gefiel mir sehr.

…die Charaktere?

Stefanie Schleemilch zeichnet in „Letzte Runde“ überzeugende Charaktere. Vor allem Laszlo und Dominik lernte ich sehr gut kennen. „Letzte Runde“ ist ein Buch, dass den Leser sehr tief in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Charaktere eindringen lässt. Besonders schön fand ich, dass die an sich eher schweren Themen nicht in Form von inneren Monologen sondern meisten in Gesprächen mit anderen verarbeitet werden. Dadurch gewinnen diese philosophischen, bisweilen recht existentiellen Inhalte und damit auch der gesamte Roman an Lebendigkeit.

…den Handlungsverlauf?

Um dem Handlungsverlauf folgen zu können, ist etwas Konzentration erforderlich.  Der Text springt zeitlich sehr häufig. Auch die Orte, an denen er spielt, variieren. Daher ist es nicht immer einfach, den Überblick darüber zu behalten, an welchem Punkt in der Geschichte man sich gerade befindet. Ich habe mich jedoch immer zu Recht finden können und die Orientierung nie verloren. Dies erfordert jedoch etwas Aufmerksamkeit. Es ist definitiv kein Text, den man mal eben nebenher weglesen kann. Bisweilen strengte mich „Letzte Runde“ auf Grund seines Aufbaus etwas an. In diesem Fall darf der Text das aber, so dass ich dies keinesfalls als negativ empfunden habe.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

cover_stefanie_schleemilch_letzte_runde„Letzte Runde“ ist ein nachdenklicher, intensiver Roman über das Abschiedsnehmen vom Leben, aber auch über Liebe, Freundschaft und Freude am Leben. Dabei gelingt es Stefanie Schleemilch jedoch auch, die philosophischen Themen, die sich durch diesen Roman ziehen, so zu verpacken, dass sie ganz ohne jeden Kitsch und übertriebene Sentimentalität daher kommen. Durch die vielen Dialoge verlieren die Themen zudem etwas von ihrer Schwere.

Besonders schön fand ich die poetische, bildhafte Sprache. Dafür, dass es ein so dünnes Büchlein ist, habe ich erstaunlich viele Textpassagen unterstrichen, weil sie mich in irgendeiner Form ansprachen.
Auch die sehr genau gezeichneten Charaktere überzeugten mich. Die tiefen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten waren für mich immer nachvollziehbar.

Man sollte sich jedoch nicht von der geringen Seitenzahl des Romans täuschen lassen. Wer deshalb mit einem Büchlein rechnet, dass sich mal eben schnell nebenher lesen lässt, wird enttäuscht werden. Inhalt und Aufbau des Textes erfordern schon ein gewisse Aufmerksamkeit. Bisweilen strengte es mich etwas an, „Letzte Runde“ zu lesen. Negativ fand ich dies aber nicht.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ lesenswert


Titel: Letzte Runde ♦ Autorin: Stefanie Schleemilch ♦ Verlag: Duotincta ♦ Format: Taschenbuch ♦ Umfang: 147 Seiten ♦ ISBN: 978-3-946086-04-8 ♦ Preis: 14,95€ ♦ Leseprobe: >>PDF<<

 

Letzte Runde

Letzte Runde
7.42

Einstieg

6/10

    Charaktere

    8/10

      Handlungsverlauf

      7/10

        Sprache

        9/10

          Schluss

          7/10

            2 Kommentare

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