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Rezension #104: „Finderlohn. Bill Hodges 2“ von Stephen King

Es ist vor allem den begeisterten Kommentaren auf twitter zu verdanken, dass ich mich für die Bill Hodges-Reihe entschieden habe. Nachdem ich den ersten Teil, „Mr. Mercedes“, nur so lala fand, überraschte mich „Finderlohn“ nun durch eine sehr runde, schlüssige Handlung. Vor allem die Anspielungen auf den ersten Teil gefiel mir gut. Auch die Weiterentwicklung der Hauptcharaktere tat der Reihe gut.

„Finderlohn“ ist kein klassischer „Wer war es?“-Krimi aber auch kein Horror-Roman, sondern ein sehr gekonnter Mix aus beiden Genre. Stephen King überzeugt in „Finderlohn“ durch eine durchgehend spannende Handlung, bei der verschiedene Erzählstränge, die zudem zu unterschiedlichen Zeiten spielen, geschickt miteinander verbunden werden.

Hörbuchtipp!

Worum geht es?

Der in den 60er Jahren berühmte Autor John Rothstein wird vom psychopathischen Fan Morris Bellamy aus Enttäuschung über den letzten Roman ermordet. Dabei erbeutet dieser nicht nur einen ganzen Batzen Geld, sondern auch jede Menge Notizbücher, in denen u.a. auch zwei bislang unveröffentlichte Romane des Autors enthalten sind. Bellamy vergräbt seine Beute, bis – so der Plan – ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist. Dann aber wird er für ein vollkommen anderes Verbrechen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Als er wieder entlassen wird, ist seine Beute weg. Der Junge Peter Saubers hat sie entdeckt, und seiner Familie mit dem Geld durch eine harte Zeit geholfen. Irgendwie schafft es Bellamy, ihm auf die Spur zu kommen und macht Jagd auf ihn. Da ist es gut, dass Saubers Schwester auf Grund eines wagen Verdachts, dass mit ihrem Bruder Peter etwas nicht stimmt, den Privatdetektiv Bill Hodges einschaltet. Kann dieser den Wahnsinnigen noch rechtzeitig stoppen?

Warum habe ich es gehört?

Es waren vor allem die positiven Reaktionen zu „Finderlohn“ auf Twitter, die mich neugierig werden ließen. Vor allem Janice (@lesenist), deren Rezension zu „Finders Keepers“ Ihr >>hier<< findet, hatte einen großen Anteil daran, dass ich schließlich „Finderlohn“ hörte. Sie war es auch, die empfahl, zuvor in jedem Fall „Mr. Mercedes“ zu hören.

King war schon immer gut darin, einen eigenen Kosmos zu erschaffen. In seinen Werken tauchen Figuren, Ort, Ereignisse eines Romans nicht selten auch in späteren Romanen auf. Er zitiert sich gerne selbst. Einen Mehrteiler aus Kings Feder stellte ich mir daher besonders spannend und interessant vor. Neben gewohnt spannender Unterhaltung erwartete ich vor allem gut verwobene Geschichten, die zu einem größeren Ganzen zusammengefügt werden.

Wie war mein erster Eindruck?

Zu Beginn werden zwei verschiedene Handlungsstränge sehr geschickt und spannend miteinander verflochten: beide spielen am gleichen Ort, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Im einen wird die Tat von Morris Bellamy und wie dieser Beute versteckt erzählt; im anderen findet der Junge Peter Saubers das Versteck und nutzt das Geld, um seiner Familie zu helfen. Dadurch dass die jeweilige Perspektive und Zeit der Handlung immer an einer besonders spannenden Stelle gewechselt wird, entsteht hier ein regelrechter Sog, der mich schnell für dieses Hörbuch begeisterte.

Besonders schön fand ich die Verbindungen zum ersten Teil („Mr. Mercedes“), denn der Vater von Peter wurde bei dem Anschlag des Mercedesmörders (aus Teil 1) schwer verletzt; die Familie ist seitdem finanziell stark eingeschränkt.

Wie fand ich…

…den Handlungsverlauf?

Stephen King überzeugt in „Finderlohn“ durch eine durchgehend spannende Handlung, bei der verschiedene Erzählstränge, die zudem zu unterschiedlichen Zeiten spielen, geschickt miteinander verbunden werden. Durch sein großes erzählerisches Talent, verlor ich trotz der komplexen Handlung und häufigen Perspektiv- und Zeitenwechsel nie den Faden.

„Finderlohn“ ist kein klassischer „Wer war es?“-Krimi aber auch kein Horror-Roman, sondern ein sehr gekonnter Mix aus beiden Genre. Ein paar Szenen sind recht blutig und brutal, was definitiv nichts für schwache Nerven ist. Dennoch stehen die Jagd der Beute und deren zufälligen Finders Peter Saubers im Vordergrund.

…die Charaktere?

Dass Stephen King nicht nur ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist sondern auch ein besonderes Talent darin hat, liebenswerte, authentische Außenseitercharaktere zu entwickeln, steht außer Frage. So überrascht es wenig, dass man auch hier wieder auf tolle neue Charaktere trifft. Sowohl Morris Bellamy als auch Peter Sanders sind schön ausgearbeitet. Während ich bei „Mr. Mercedes“ an einigen Stellen meine Schwierigkeiten hatte, die Motive und Hintergründe für bestimmte Entscheidungen und Handlungen der Protagonisten nachzuvollziehen, ergab sich für mich bei „Finderlohn“ ein deutlich runderes und stimmigeres Gesamtbild.

Natürlich trifft der Hörer auch wieder auf die Helden des ersten Teils. Dabei freute es mich am meisten, dass Stephen King seine Charaktere deutlich weiterentwickelte. Bill Hodges hat durch den Mercedes-Fall sichtlich ins aktive Leben zurückgefunden. Er betreibt eine Privatdetektei, achtet auf seine Ernährung und hält sich fit. Auch Holly, die im ersten Teil noch ziemlich von ihrer Mutter fremdbestimmt wurde und mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, hat zwischenzeitlich große Fortschritte in Sachen Selbstständigkeit gemacht und arbeitet nun für Bill. Diese Charakterentwicklungen vergrößerten meine Wiedersehensfreude deutlich, denn es lässt die Reihe insgesamt authentischer wirken. Auch zeigt es, dass Stephen King von Anfang an, eine größere Gesamthandlung konzipierte.

…den Schluss?

Der Schluss beinhaltet auch hier wieder einen dramatischen Showdown wie man ihn von Stephen King gewohnt ist. Ich fand das Ende so extrem spannend, dass ich die Abspielgeschwindigkeit in meiner Audible-App zum ersten Mal erhöhte, um schneller zu erfahren, wie es weitergeht. Insgesamt fand ich das Ende schlüssiger als im ersten Teil, bei dem ich es als etwas zu weit hergeholt empfand.

…den Sprecher?

David Nathan ist für mich zu Stephen Kings deutscher Stimme geworden. An ihm gibt es wie immer nicht das Geringste auszusetzen. Er liest lebendig, variiert das Tempo je nach Inhalt des Textes und spricht Dialog in verschiedenen Stimmen, so dass man gut folgen kann.

…das Hörbuch insgesamt?

„Finderlohn“ gefiel mir insgesamt besser als der erste Teil der Bill Hodges-Trilogie. Auf mich wirkte es runder. Die Handlung war schlüssiger und auch die Charaktere empfand ich als authentischer als in „Mr. Mercedes“.

Sicherlich waren es auch die Verbindungen zu und Anspielungen auf den ersten Teil, die „Finderlohn“ auf mich insgesamt dichter wirken ließen. Hier hat es sich tatsächlich gelohnt, Teil 1 und 2 direkt nacheinander zu hören. Bei größerem zeitlichen Abstand zwischen beiden Teilen kann man zwar auch folgen; ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man „Finderlohn“ grundsätzlich auch vollkommen ohne die Kenntnis von „Mr. Mercedes“ hören kann. Allerdings verpasst man dann einige schöne Andeutungen, die für mich erst so richtig den Reiz dieses Hörbuchs ausmachten.

Bewertung: ♥♥♥♥Hörbuchtipp!


Titel: Finderlohn (Bill Hodges 2) ♦ Autor: Stephen King ♦ Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt ♦ Format: Hörbuch-Download ♦ Verlag: Random House Audio ♦ Sprecher: David Nathan ♦ Umfang: 14:54 h ♦ ISBN: 978-3-8371-3154-3 ♦ Preis: 15,95€

(Hörbuch) Finderlohn

(Hörbuch) Finderlohn
9.06

Einstieg

10/10

    Handlungsverlauf

    9/10

      Charaktere

      9/10

        Schluss

        8/10

          Sprecher

          10/10

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