4 Herzchen, Rezension, Roman
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Rezension #103: „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ von Alain Monnier

Mal im Ernst: ist nicht schon der Titel allein einfach wundervoll?! Ganz zu schweigen von dem bunten, poppigen Cover. Schon allein deshalb habe ich mich an Maras Verlosung beteiligt und hatte doch tatsächlich Glück. Nochmals vielen Dank, liebe Mara!

Mein Gespür für kluge, herrlich überzeichnete und spritzig humorvolle Feelgood-Literatur hat mich auch diesmal nicht enttäuscht. Ich wurde nicht nur mit liebenswert schrägen Charakteren und aberwitzigen Dialogen sondern auch mit einem genialen Erzähler und einer zarten, leichtfüßigen Gesellschaftskritik belohnt. Ich bin mir sicher, dieses Buch nicht zum letzten Mal gelesen zu haben.

Worum geht es?

Maries Kühlschrank ist nagelneu und leider schon defekt. Deshalb ruft sie bei der Telefonhotline der Firma an, die ihr das Teil verkaufte. Man schickt ihr einen Handwerker. Dann aber sammeln sich nach und nach insgesamt 17 Kühlschränke in ihrer Wohnung an. Die Presse wird auf Marie und ihre vermeintliche Sammelwut aufmerksam und stellt ihre ohnehin total vollgestellte Wohnung zusätzlich auf den Kopf. Aber das Chaos und die fehlende Kühlung haben auch ihr Gutes: langsam taut auch die bisher recht unterkühlte Marie auf und erkennt, wer ihr besonders am Herzen liegt.

Warum habe ich es gelesen?

„Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ – Es brauchte tatsächlich nicht mehr als diesen tollen Titel, um mich für dieses Buch zu begeistern. Er ließ mich gleichermaßen an Humor wie ein wenig Herzschmerz denken.

Okay, auch der Umstand, dass es von Karla Paul empfohlen wurde, war nicht ganz unwesentlich, als ich mich spontan an Maras Verlosung beteiligte und tatsächlich Glück hatte. (An dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank an Mara.)

Wie war mein erster Eindruck?wunderbare Welt des Kühlschranks

Zunächst einmal muss hier das Cover erwähnt werden, das „in Natur“ noch viel schöner ist, als es auf dem Bild rüber kommt. Die starke Farbkombination und die unterschiedlichen Schriftarten ergeben zusammen mit den gezeichneten Kühlschränken ein frisches, poppiges Design. Es versprach eine leichte, humorvolle Unterhaltung.

Zudem macht das gebundene Büchlein durch die geprägt und leicht glänzend gedruckten Kühlschränke auf dem Schutzumschlag, das Lesebändchen (Ich liebe sie einfach!) und das dicke Papier haptisch wie optisch einen wertigen Eindruck. Auch dass der Anfangsbuchstabe jedes Kapitels ebenfalls in einer anderen Schriftart geschrieben ist und damit das Design des Titels auf dem Cover wiederaufnimmt, ist ein schönes Detail.

Wie fand ich …

…den Handlungsverlauf?

Auf den ersten Blick ist „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ eine herrlich schräge, bisweilen leicht absurde Geschichte, die

nach dem umgekehrten Prinzip der zehn kleinen Negerlein (Seite 68)

funktioniert. Die verschiedenen Arten, auf die Marie zu ihren Kühlschränken kommt, sind nicht nur sehr originell und einfallsreich, sondern auch höchst amüsant und unterhaltsam zu lesen.

Auf den zweiten Blick erzählt Alain Monnier aber gleichzeitig auch eine einfühlsame Geschichte darüber, wie es Marie gelingt, Zugang zu ihren Gefühlen zu bekommen, und herausfindet, welche Personen ihr tatsächlich besonders am Herzen liegen. Durch diese interessante Mischung erhält „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ einen ganz besonderen eigenen Charme. Es ist weder nur eine lustige Geschichte noch ein klassischer Liebesroman. Auch der so oft verwendete Begriff der romantischen Komödie passt hier nicht. Das Buch ist erfrischend anders.

Schön fand ich auch, dass zwischen den Zeilen wunderbare böse Seitenhiebe auf Geschäftspraktiken und Mitarbeiterführung in internationalen Konzernen sowie die internationale Medien- und Kulturlandschaft untergebracht waren. So erhält das Buch einen klugen, frechen Unterton.

Doch im Unternehmen ist die Lokomotive nicht mehr aufzuhalten, es würde dem Stab von Wirpale sehr missfallen, wenn Madame Boyer ein weiteres Wochenende ohne Kühlung dasäße. Es ist derselbe Stab, dem es völlig Wurst ist, dass indonesische Kinder zehn Stunden pro Tag in einem glühend heißen Blechschuppen eingesperrt werden, um Thermostate herzustellen. (Seite 58)

…die Sprache?

Eine Stärke Monniers liegt in den spritzig unterhaltsamen, höchst amüsanten Dialogen, die er mit einem sehr klugen, feinsinnigen Humor versieht. Vor allem die Telefonate, die Marie führt, entlockten mir stets ein vergnügtes Lächeln.

Auch der Erzähler ist toll. Er spricht den Leser direkt an, was so wirkt, als würde man tatsächlich etwas erzählt bekommen. (Leider gibt es kein Hörbuch von „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“. Hier wäre diese Wirkung bestimmt noch größer.). Das Buch ist in der 3. Person geschrieben. Der Erzähler ist omnipräsent, aber alles andere als neutral. Er gebraucht eine sehr bildhafte, lebendige Sprache, die sich leicht lesen lässt.

Ein wenig erinnerten mich Sprache und Erzählweise dieses Buch an den Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, wo in einer ähnlich poetisch-klugen Sprache mit einem leichten Augenzwickern erzählt wird. Auch habe ich in diesem Buch eine der gefühlvollsten, ehrlichsten, zärtlichsten und dennoch vollkommen kitschfreien Sexszenen ever gelesen.

…die Charaktere?

Die Charaktere des Buchs sind alle samt liebenswert schräg und leicht überzeichnet, was für mich einen gewissen Reiz hatte. Teilweise machte sich Alain Monnier nicht einmal die Mühe, ihnen einen Namen zu geben. So schreibt er beispielsweise nur „der Liebhaber“ (auch so eine Besonderheit des Erzählstils), weil diese Figur innerhalb der Geschichte aber auch für Marie tatsächlich jeweils nur diese eine relevante Eigenschaft besitzt. Dass darin auch eine gewisse Neutralität des Erzählers gegenüber dieser Person zum Ausdruck kommen soll, die in Wahrheit – und das merkt man schnell – gar nicht existiert, trug zudem sehr zu meiner Erheiterung bei.

…den Schluss?

Der Schluss ist natürlich, wie es sich für ein Buch dieser Art gehört, viel zu dick aufgetragen. Hier werden die drei Handlungsstränge bzw. –prinzipien des Romans noch einmal zu Gänze auf die Spitze getrieben. Das Ende wirkt hierdurch etwas absurd. Trotzdem hinterlässt „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ ein breites Grinsen im Gesicht und wohlig-warmes Gefühl im Bauch, wenn das Buch zuklappt.

…das Buch insgesamt?

Mit „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ ist kluge, herrlich überzeichnete und spritzig humorvolle Feelgood-Literatur mit zarter, leichtfüßiger Gesellschaftskritik und sprühenden Dialogen. Ich habe dieses leider zu viel dünne Buch nicht zuletzt auch wegen seinen liebenswert schrägen Charakteren und dem genialen Erzähler sehr genossen. Es ist genauso poppig-bunt wie sein Cover. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ Buchtipp!


Titel: Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe ♦ Autor: Alain Monnier ♦ Übersetzung: Lis Künzli ♦ Verlag: Arche Verlag ♦ Format: gebundenes Buch mit Schutzumschlag ♦ Umfang: 160 Seiten ♦ ISBN-13: 978-3-7160-2734-9 ♦ Preis: 16,99€

Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe

Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe
8.26

Einstieg

8/10

    Handlungsverlauf

    8/10

      Charaktere

      9/10

        Schluss

        7/10

          Sprache

          9/10

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