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Rezension #89: „Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen“ von Peter Braun

Als Kind habe ich „Pippi Langstrumpf“ geliebt. Als Jugendliche wollte ich eine Zeit lang Schriftstellerin werden, weil es mich ärgerte, wie wenige starke weibliche Figuren, es in der Jugendliteratur seinerzeit gab. Und auch heute noch lese ich sehr gerne von außergewöhnlichen, starken Frauen, die sich für eine Sache, an die sie glauben, auch allen bestehenden Konventionen zum Trotz einsetzen. Mit „Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen und Kurtisanen“ von Peter Braun bin ich nun auf eine inspirierende Sammlung weiblicher Kurzbiografien gestoßen, die Lust auf mehr machten.

Worum geht es?

Beim Blick in die Geschichtsbücher entsteht schnell der Eindruck, dass unsere Welt in der Vergangenheit ausschließlich von Männern dominiert wurde. Frauen kommen meist gar nicht vor; und wenn doch, dann bestenfalls in einem Nebensatz. Das Bild von der braven, zurückhaltenden, häuslichen Ehefrau und Mutter bestimmte über Jahrhunderte den Platz der Frauen in der Gesellschaft. Wer jedoch etwas genauer hinschaut, stellt fest: es gab sie schon immer – kluge, starke, selbstbewusste und mutige Frauen, die sich über die bestehenden Konventionen und Widerstände hinwegsetzten, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Zehn beeindruckende Lebensläufe solcher außergewöhnlicher Frauen hat Peter Braun in „Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen“ zusammengetragen.

Warum habe ich es gelesen?

Das Buch war ein Zufallsfund. Ich bin im Lagerverkauf von Osiander.de darauf gestoßen. Ich lese gerne Biografien von ungewöhnlichen Frauen, die sich über gesellschaftliche Grenzen hinwegsetzten, um sich selbst zu verwirklichen. Bei einem reduzierten Preis von gerade einmal 5,-€ musste ich nicht lange überlegen.

Dass es nun wesentlich kürzer als ursprünglich gedacht auf dem SuB lag, lag hauptsächlich an meiner gerade beendeten Leseflaute. Ein Buch mit kurzen, in sich abgeschlossenen Texten zu einem Thema, das mich schon immer begeistern konnte, schien mir perfekt, um meine Leseunlust zu bekämpfen. Ich behielt Recht.

Wie war mein erster Eindruck?

Immer wenn ich ein Sachbuch lese, brauche ich eine gewisse Zeit, um mich an die so andere, nüchterne Sprache ganz ohne kunstvolle literarische Schnörkel zu gewöhnen. So war es auch hier. Hinzu kommt, dass das relativ große Format etwas unhandlich ist – nicht nur zum Lesen im Zug. Auch die leicht glänzenden Seiten aus festem, dickem Papier, die zudem auch noch teilweise farbig sind, machten das Lesen nicht immer angenehm. Manchmal spiegelten sie so, dass ich Mühe hatte, den Text zu entziffern.

Mutige Frauen Seitengestaltung

Ansonsten jedoch ist das Buch, sehr ansprechend und aufwändig gestaltet. Es enthält viele Abbildung, Zeichnung und Fotografien. Immer wieder lockern groß hervorgehobene Zitate das kleine Schriftbild auf. Auch der Anfang eines jeden Kapitels ist prächtig gestaltet.

Wie fand ich die Sprache?

Peter Braun schildert die Leben dieser zehn mutigen Frauen in einer nüchternen, klaren Sprache, die mich ein bisschen Finesse vermissen ließ. Er packt sehr viel Information in die einzelnen Sätze, so dass ich diese nicht selten mehrmals lesen musste, um den Inhalt ganz verarbeiten zu können. Das ist etwas mühsam und erforderte bisweilen ein wenig Selbstüberredung.

Auch dass Braun nicht immer chronologisch erzählt, macht es nicht immer leicht. Oftmals wählt er den Höhepunkt im Leben einer Frau als Einstieg, um im Anschluss daran zu erklären, wie diese soweit kam. Dies weckt zwar sofort die Neugier auf die ganze Geschichte, macht den Einstieg durch die fehlende Orientierung, an welchem Ort und Zeitpunkt der Weltgeschichte wir uns denn nun eigentlich befinden, nicht eben einfach.

Wie fand ich den Inhalt?

Quer durch die Jahrhunderte und Tätigkeitsfelder wählte Peter Braun zehn recht unterschiedliche Frauen aus, die schließlich doch alle eines gemeinsam haben: sie setzten sich über die für Frauen bestehenden gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit hinweg, um ihrem eigenen Traum zu folgen. Ich lernt Piratinnen, Freiheitskämpferinnen, Nackttänzerinnen, Kurtisanen, Wild Western Legenden, Wissenschaftlerinnen, Pilotinnen, Königinnen und andere bemerkenswerte Frauen kennen. Nicht alle Lebensläufe fand ich besonders mutig. Außergewöhnlich und inspirierend waren sie jedoch alle. (Einige von ihnen sogar so sehr, dass ich mich in der Folge nach ausführlicheren Lebensläufen über die Damen informierte.)

Wie fand das Buch insgesamt?

„Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen“ ist eine aufwändig gestaltete Sammlung von Kurzbiografien bemerkenswerter Frauen, die sich gegen die bestehenden Konventionen ihrer Zeit selbst verwirklichten. Auch wenn der nüchterne Sprachstil von Peter Braun teilweise etwas reizlos ist, hat mich das Buch vor allem inhaltlich angesprochen. Es erzählt von sehr beeindruckenden Frauen, deren Lebensläufe dazu inspirieren, selbst etwas mehr zu riskieren.

Die ansprechende Gestaltung und die hochwertige Papierqualität machen es zu einem schönen Geschenkbuch; vor allem für Frauen. Durch die überschaubare Länge der einzelnen Kurzbiografien von durchschnittlich ca. zehn Seiten werden auch Menschen, die nur wenig lesen, an „Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen“ Freude haben. Es lässt sich ganz wunderbar darin blättern und stöbern. Da die einzelnen Kapitel in sich abgeschlossen sind und in keinen besonderen Bezug zu einander stehen, kann man je nach persönlicher, aktueller Stimmung einzelne Biografien herausgreifen und entdecken. Ich werde das Buch bestimmt noch öfter zur Hand nehmen.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ lesenswert


Titel: Mutige Frauen – Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen ♦ Autor: Peter Braun ♦ Verlag: arsEdition ♦ Format: gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag) ♦ Umfang: 112 Seiten ♦ ISBN: 978-3760799780 ♦ Preis: 19,99€

 

Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen

Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen
6.95

Einstieg

6/10

    Sprache

    5/10

      Inhalt

      8/10

        Buchgestaltung

        8/10

          1 Kommentare

          1. Pingback: Rezension #102: „Lady Africa“ von Paula McLain | Kerstin Scheuers Blog

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