4 Herzchen, Rezension, Roman
Schreibe einen Kommentar

Rezension #84: „Black Mamba Boy“ von Nadifa Mohamed

In „Black Mamba Boy“ erzählt Nadifa Mohamed von der persönlichen Odyssee eines afrikanischen Straßenjungen während des Zweiten Weltkriegs. Das Ergebnis ist ein anspruchsvoller, beeindruckender und dennoch nicht selten verblüffend fröhlicher Roman, der mir zwar einiges abverlangte; mich aber dennoch sehr bewegte. Ein wichtiges Dokument über die europäisch-afrikanische Geschichte, das durch die Flüchtlingsdebatte eine erschreckende Aktualität erhält.

Worum geht es?

Als James Mutter 1935 viel zu früh stirbt, macht sich der Straßenjunge allein und gefährdet auf den Weg vom Jemen Quer durch Ostafrika in den Sudan, wo sein verschollener Vater leben soll. Armut, Hunger und Missernten machen ihm das Leben ebenso schwer wie Kolonialismus und Faschismus. Nachdem die Suche nach dem Vater ergebnislos bleibt, zieht Jama weiter bis nach Ägypten, wo er Seemann wird und 1947 endlich England erreicht.

Warum habe ich es gelesen?

Ich finde, Afrika ist ein faszinierendes Land, über das man viel zu wenig erfährt. An „Black Mamba Boy“ reizte mich, den Zweiten Weltkrieg einmal aus der afrikanischen Perspektive zu erleben.

Wie war mein erster Eindruck?

Bereits im ersten Kapitel wurde mir deutlich, dass „Black Mamba Boy“ einiges mehr an Hintergrundwissen voraussetzt, als ich es besitze. Politische Ereignisse und Fakten jener Zeit werden im Text nicht erläutert. Dies machte das Verständnis bisweilen schwer.
Zum Glück hat „Black Mamba Boy“ einen umfangreichen Anhang mit zahlreichen Hintergrundinformationen. Hier finden sich nicht nur Worterklärungen sondern auch Landkarten und eine Zeittafel mit den wichtigsten politischen Ereignissen während des Handlungszeitraums. Bestehende Wissenslücken ließen sich so gut ausgleichen.

Wie fand ich den Erzählstil?

Nadifa Mohamed schreibt lebendig und einfühlsam, ohne zu beschönigen oder zu moralisieren.
Die Atmosphäre jener Jahre und die Auswirkungen von Krieg, Kolonialismus und Faschismus für die afrikanische Bevölkerung werden eindrucksvoll wiedergegeben. Geschickt werden die unterschiedlichen Einstellungen zu den europäischen Kolonialmächten an Hand von verschiedenen Personen, denen Jama auf seiner Reise begegnet wiedergeben. Jama erfährt am eigenen Leib, was es heißt, für die faschistische italienische Armee zu arbeiten, wo Afrikaner bestenfalls als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Dabei beschränkt sich Mohamed stets auf die Beschreibung des Beobachtbaren und überlässt es dem Leser eigene Schlüsse dazu zu ziehen, wie all dies auf den jungen Jama wirken muss. Durch diese persönliche innere Auseinandersetzung mit dem Stoff, erreichte Mohamed mir eine sehr viel größere Wirkung, als es eine klar ausgesprochene Botschaft könnte, die von außen vorgegeben wird.

Black Mamba Boy CoverBesonders gut gefielen mir auch Mohameds Beschreibungen der Städte und Orte, in den Jama auf seiner Reise vorbeikommt. Diese sind stets mit sehr viel Liebe zum Detail wiedergegeben und zeugen so vom tiefen Verständnis Mohameds über diesen Kontinent. Selten konnte ich mir von einem Landstrich, den ich selbst noch nicht besuchte, ein so genaues und plastisches Bild machen wie in „Black Mamba Boy“.

Wie gefiel mir der Roman insgesamt?

In „Black Mamba Boy“ schickt Nadifa Mohamed den jungen Jama auf eine gefährliche und nicht selten lebensbedrohliche Odyssee durch Ostafrika. Ständig auf der Suche nach ein bisschen Geld und Nahrung irrt er durch einen von Missernten, Hungersnöten, Kolonialismus und Faschismus gegeißelten Kontinent, um sein Glück zu suchen. Das Ergebnis ist ein anspruchsvoller, beeindruckender und dennoch nicht selten verblüffend fröhlicher Roman über den zweiten Weltkrieg aus afrikanischer Sicht.

Der Leser erlebt einen entwurzelten Jungen bzw. jungen Mann, der ständig der Aussicht auf Arbeit, ausreichend Essen und etwas Geld hinterher jagt und permanent um das eigene Überleben kämpft. Damit wirft „Black Mamba Boy“ nicht nur einen seltenen Blick auf die europäisch-afrikanische Geschichte, sondern erhält durch die europäische Flüchtlings- und Asyldebatte derzeit eine neue, brisante Aktualität. Mohamed berichtet nicht von einer Reise sondern vom existentiellen Kampf ums Überleben in einem menschenfeindlichen, zerstörerischen Umfeld, in dem das Leben eines Afrikaners nur wenig zählt. Sie berichtet von den Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen eines jungen Mannes, dessen Chancen auf ein glückliches und sorgenfreies Leben von Anfang an denkbar ungünstig sind.

„Black Mamba Boy“ ist keine leichte Lektüre. Der Stoff verlangt dem Leser einiges an (geschichtlichem) Hintergrundwissen und persönlichem Einsatz ab, um eigene Schlussfolgerungen ziehen zu können. Dies strengt an. Dennoch bin ich froh, diesen seltenen und ungewöhnlichen Blick auf die Jahre des Zweiten Weltkriegs geworfen zu haben.

Bewertung: ♥♥♥♥ Buchtipp


Titel: Black Mamba Boy ♦ Autorin: Nadifa Mohamed ♦ Übersetzung: Susann Urban ♦ Format: eBook ♦ Umfang: 366 Seiten ♦ EAN: 9783406675973 ♦ Preis. 15,99 €

 

"Black Mamba Boy" von Nadifa Mohamed

8.04

Einstieg

8/10

    Handlungsverlauf

    8/10

      Charaktere

      8/10

        Schluss

        8/10

          Sprache

          9/10

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.