Krimi, Lesung
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Weltempfänger-Salon: Nii Parkes liest aus „Die Spur des Bienenfressers“

Weltempfänger Salon

Meistens sind spontane Ideen ja die besten. Diese Erfahrung durfte ich in der letzten Woche wieder machen, als ich mich kurzfristig entschieden, den Weltempfänger Salon von Litprom im Haus des Buches in Frankfurt zu besuchen. Dort las am 03.06. Nii Ayikwei Parkes aus seinem Kriminalroman „Die Spur des Bienenfressers“ (engl. Original: „Blue Bird Tail“). Ohne Autor oder Roman zu kennen, habe ich mich einfach auf Litprom verlassen und wurde nicht enttäuscht.

Bereits der Empfang im Haus des Buches war sehr sympathisch. Als würde man mir mein Ziel ansehen, wurde mir sofort der Weg zur Lesung erläutert. Dort angekommen gab es zunächst die Möglichkeit, sich bei einem Gläschen Wein und einer Laugenbrezel mit den anderen Gästen auszutauschen. Auch der britsch-ghanaische Autor Nii Parkes – die Hauptperson des Abends – war zu meiner Überraschung bereits anwesend.

Nii Parks liestVielleicht lag es am schönen Sommerwetter oder der geringen Popularität afrikanischer Autoren; jedenfalls war die Lesung nur schwach besucht. Dies erwies sich jedoch als Glücksfall, denn so entstand während der Lesung eines sehr angenehm und intime Atmosphäre, die mir sehr behagte. Spätestens als bei den einführenden Worten schließlich auch noch der Satz fiel „Das Buch ist zwar nicht neu, aber immer noch gut.“, wusste ich, dass ich auf der richtigen Veranstaltung war.Auch das Buch selbst sprach mich sehr an. Hierin lässt Parkes vor einer kriminalistischen Grundgeschichte die Logik der westlichen Wissenschaft in Gestalt eines Gerichtsmediziners auf den Glauben der urafrikanischen Mystik in Gestalt eines Wildhüters treffen. Dabei kommen im Roman beide Hauptcharaktere zu Wort. Auch in der Lesung bekam man Einblicke in beiden gegensätzlichen Grundhaltung. Mit „Die Spur des Bienenfressers“ habe er zeigen wollen, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt, so erklärt der Autor an diesem Abend.

Dank Moderator Thomas Brückner erfuhr ich nicht nur viel über die Entstehungsgeschichte dieses Romans sondern konnte auch ein gutes Bild von dessen Autor gewinnen. Zeigte sich Nii Parkes zu Beginn des Abends eher zurück haltend, taute er im weiteren Verlauf deutlich auf. Besonders gut gefielen mir die Momente, in denen sein feiner, leicht spitzbübischer Humor aufblitze. Nii Parkes sprach in einem ruhigen, unaufgeregten Tonfall, der von einem Menschen zeugt, der in sich selbst ruht. Er scheint mit sich im Reinen zu sein. Obwohl Nii Parkes gleichermaßen in der afrikanischen wie in der europäischen Kultur zu Hause ist, scheint er seinen Platz in der Welt gefunden zu haben und bei sich selbst angekommen zu sein. Davon zeugt nicht zuletzt auch sein Roman „Die Spur des Bienenfressers“.
Ein besonders Lob sei an dieser Stelle an Jochen Nix ausgesprochen, der den deutschen Text sehr lebendig und fesselnd vortrug und so wesentlich zu meiner Begeisterung für diesen ungewöhnlichen Krimi beitrug.

Nii Parks rezitiertVor allem beim Vortrag einiger seiner Gedichte im zweiten Teil der Lesung hatte ich das Gefühl, einen beeindruckenden Einblick in das Innenleben von Nii Parkes zu erhalten. Ich erlebte ihn als einen gleichermaßen feinfühligen, intelligenten und nachdenklichen aber auch fröhlichen Menschen. Besonders gut gefielen mir ein Gedicht, das fast ausschließlich aus Zitaten aus Jazztiteln besteht, und ein freches, sarkastisches Stück, in dem er davon erzählt, wie ihn seine Mutter vor Typen wie seinem Vater warnte.

Der Abend endete mit der obligatorischen Signierstunde, für die ich mir extra die Jubiläumsausgabe von „Die Spur der Bienenfresser“ kaufte, und einem netten Gespräch mit einer Buchhändlerin der Frankfurter Partnerbuchhandlung der Büchergilde.


Nächster Weltempfänger Salon: 14.07.15 ♦ 19:30 Uhr ♦ Haus des Buches, Frankfurt ♦ Lola Shoneyin liest aus „Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi“  ♦ moderiert von Ilja Trojanow

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