4 Herzchen, Fantasy, Rezension
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Rezension #25: „Die zwei Welten“ von R. L. Bäuml

Bewertung: ♥♥♥♥

Inhalt:

In der Mädchentoilette stirbt eine Schülerin und introvertierte Nele war als einzige Zeugin dabei. Da sie sich zunächst ausschweigt, gerät sie selbst als Tatverdächtige ins Visier der Polizei. Schnell wird jedoch klar, dass das vermeintliche Opfer eines natürlichen Todes gestorben ist. Aber warum gibt Nele kurz vor ihrer Entlassung an, eine negative Energie in der Mädchentoilette gespürt zu haben, die weder Mensch noch Tier zu sein schien? Und warum scheint das Mädchen Dinge zu wissen, die sie eigentlich gar nicht wissen kann?

Der junge Polizist Michael ist schnell angetan von der rätselhaften, attraktiven Nele und beschließt, es herauszufinden. Dabei gerät er schnell in die Hand von scheinbar übernatürlichen Mächten und in einen Krieg, der nicht nur die Welt, der er bisher kannte, zu zerstören droht.

Meinung: 
Achtung – SPOILER!!!

Das E-Book dieses Debütromans habe ich bei Lovelybooks gewonnen. Im Rahmen einer Leserunde habe ich mich intensiv mit dem Stoff auseinander gesetzt. In der Regel „konsumiere“ ich nur; hier war ich aber zu einer detaillierten Meinung zu definierten Abschnitten aufgefordert. Daher habe ich mir wohl weitaus mehr Gedanken zu diesem Werk gemacht, als ich es „unter normalen Umsänden“ getan hätte. Dies ist bei der Bewertung dieses Romans wohl zu berücksichtigen.

Das Buch ist vor allem eines – nämlich spannend; und das von der ersten bis zur letzten Seite auf beinahe unverändert hohem Niveau. Es fiel mir wirklich schwer, den E-Reader aus der Hand zu legen und mich wieder meinen „weltlichen“ Aufgaben zu widmen. Zum Glück habe ich das Buch in meinem Urlaub gelesen!
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz. Sie umfassen meist nur 3 bis 5 Seiten. Zudem sind sie aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Dies erhöht die Spannung, weil der Leser stets mehr weiß, als die einzelnen Handelnden der Geschichte.

Der Beginn des Buches liest sich wie eine Art Mystery-Krimi. Erst später kommen Fantasy- und zum Schluss sogar Elemente einer klassischen Lovestory hinzu. Dadurch dass das Buch direkt mit dem Verhör von Nele beginnt, ist man sofort – ohne vorherigen Spannungaufbau – direkt mitten in der Geschichte. Das fand ich wirklich toll! Gleichzeitig entstehen hierdurch beim Leser viele Fragen, nach deren Antworten dann im weiteren Text gesucht werden muss. Aber mit jeder Antwort enstehen wieder neue Fragen und so dauert es wirklich bis ganz zum Schluss, bis der Leser das Puzzle tatsächlich vollständig zusammensetzen kann.
Darüber hinaus versteht es die Autorin, den Leser zu überraschen. Dies mag mit dem Genre-Mix zusammenhängen. Den Verlauf einer „klassischen“ Fantasy-Geschichte kennt wohl jeder. Daher meint man schon früh, das Ende erahnen zu können. Aber weit gefehlt! In der Mitte der Geschichte gibt es einige Überraschungen.

Trotz alle des Lobes, habe ich jedoch auch einige Kritikpunkte:
1. So fand ich die Beschreibung und Entwicklung der Charaktere zum Teil etwas problematisch. Die beiden Polizisten, von denen Michael im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielt, konnte ich bis zur Mitte des Buches nur schwer auseinander halten. Sie waren einfach zu „farblos“ und wenig greifbar.
Außerdem verhalten sich einige Personen im Laufe der Geschichte plötzlich und ohne jeden erkennbaren Grund anders, als sie der Leser bislang kennenlernte. So war beispielsweise die Kriegserklärung von Breanainn an Ava nur schwer zu verstehen. Ein so hitzköpfges Verhalten passt einfach nicht zum Zirkusprinzen, den man bis dahin als ruhigen, staatsmännischen Gentleman kennen lernte.
2. Schließlich lässt das Buch einige Fragen, die mir beim Lesen kamen, vollkommen offen. So wird etwa nicht erklärt, weshalb Michael in seinen Träumen von Nele plötzlich im Körper von Breanainn ist. Auch habe ich nicht verstanden, weshalb Nele in der Welt des Lichts die Erinnerung an ihr bisheriges Leben verliert, Michael aber nicht.
3. Auch dass einige wichtige Personen wie z.B. die Hüterin des Portals keinen Name haben, fand ich etwas seltsam.
4. Das Ende kam mir dann leider etwas zu abrupt und wirft zudem neue Fragen auf, die aber unbeantwortet stehen bleiben. So ist es bis zum Schluss nicht klar, in welcher Welt Nele und Michael, die natürlich ein Paar geworden sind, leben wollen. Michael will eigentlich zurück. Nele scheint sich aber in der Welt des Lichts wohler zu fühlen. Die Entscheidung wird beiden dadurch abgenommen, dass das Portal verschlossen ist und nicht mehr geöffnet werden kann. Das empfand ich doch etwas unbefriedigend.

Sehr schön ist hingegen, wie die entscheidende Wende im Krieg zwischen den Nebelmenschen und den anderen Völkern der Welt des Lichts herbeigeführt wird. Dass es die Liebe zwischen Nele und Michael ist, die sich mitten auf dem Schlachtfeld und im größten Gewitter in etwas so reinem wie einem Kuss ausdrückt, fand ich wirklich ein schönes Bild.

Das Buch mag kleinere Schwächen haben. An einigen Stellen fand ich es einfach nicht ganz rund. Dennoch ist es wahnsinnig spannend und leider viel zu schnell zu Ende gelesen. Der größte Fehler des Buchs ist wohl, dass es nur 187 Seiten hat. Ich hätte gerne mehr über Nele gelesen und hoffe, dass es nicht das letzte Buch von R. L. Bäuml bleibt.

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