5 Herzchen, Krimi, Rezension
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Rezension #77: „Tote Vögel singen nicht (Flavia de Luce #6) von Alan Bradley

Mit „Tote Vögel singen nicht“ beweist Alan Bradley einmal mehr, dass er für die Flavia de Luce-Reihe vollkommen zu Recht mit dem Dagger-Award ausgezeichnet wurde. Es ist ein besonderes Highlight innerhalb einer ohnehin schon großartigen Reihe. 

Alan Bradley erfüllt mir darin gleich zwei Wünsche:

Man erfährt endlich mehr über Herriette und ihren Tod im Himalaya.
Hauptfiguren sind zudem nicht länger statisch; sie entwickeln sich weiter. 

Mit diesem Buch wird die bislang recht lose Reihe nun tatsächlich in eine größere Rahmenhandlung eingebettet. Damit stellt Alan Bradley die Weichen auch für künftige Flavia de Luce-Romane vollkommen neu. 

Nach einem starken Einstieg und einer gewohnt kurzweiligen Handlung überraschen das blutige Ende und der originelle Cliffhanger. Ich bin nun so gespannt auf den 7. Band, dass ich ihn vermutlich auf Englisch werde lesen müssen, um schneller zu wissen, wie es nun weitergeht.

Die bereits im letzten Band begonnene Weiterentwicklung dieser Romanreihe ist sehr gelungen. Die größere Komplexität tut der Handlung gut und erhöht die Spannung; ein rundum gelungenes Buch. 

Bewertung: ♥♥♥♥♥ Lieblingsbuch!

Worum geht es?

Endlich kehrt Flavias Mutter Herriette nach Bishop‘s Lacey zurück. Doch als der Sarg mit ihrer Leiche den Bahnhof erreicht, geschehen gleich mehrere rätselhafte Dinge, die Flavia ins Grübeln bringen:

Wieso sind so viele Uniformierte anwesend? Und warum wird der Sarg mit einem Union Jack bedeckt?

Was will Winston Churchill in Bishop’s Lacey? Und warum redet er über Fasanensandwiches?

Was hat die seltsame Botschaft zu bedeuten, die Flavia ihrem Vater von einem unbekannten Mann überbringen soll? Und war sein anschließender Sturz vor den wieder anfahrenden Zug tatsächlich ein Unfall, oder wurde er am Ende gestoßen?

Flavia beginnt zu ermitteln und lüftet dabei auch das Geheimnis um den Tod ihrer Mutter.

Warum habe ich es gelesen?

Seit ich den ersten Band „Mord im Gurkenbeet“ gelesen habe, hatte es mir die freche, giftmischende, vorwitzige 11-jährige Flavia angetan. Diesen 6. Band habe ich mit besonderer Spannung erwartet, da sich im Vorgänger „Schlussakkord für einen Mord“ erstmals eine größere Rahmenhandlung andeutet, die die bisher eher lose nebeneinander stehenden Bände künftig zu verbinden schien. Auf die weitere Entwicklung dieser Krimi-Reihe war ich daher sehr gespannt. Nach der Rezension von Nina auf Deer & Wolf wollte ich außerdem natürlich endlich zusammen mit Flavia die Geheimnisse um Herriette aufdecken.

Wie war mein erster Eindruck?

Flavia-de-Luce-_tote-Voegel-singen-nicht_deerandwolf-e1419978318843Alan Bradley überzeugt bei „Tote Vögel singen nicht“ durch einen starken Einstieg in die Geschichte. Bereits im zweiten Kapitel ergeben sich alle unter „Worum geht es?“ beschriebenen Fragen. Im dritten Kapitel schließt sich das erste chemische Experiment sowie eine leicht makabere Idee für einen weiteren Versuch an, mit dem Flavia ausnahmsweise einmal nicht ihre Schwestern ärgern sondern vielmehr ihren Vater überraschen möchte. So ist man sehr schnell wieder voll drin in Flavias morbider, geheimnisvoller und kindlich-wissenschaftlicher Welt.

Die geschickt eingebauten Flashbacks erleichtern zudem die Erinnerung an die Geschehnisse vorheriger Bände und bringen auch Quereinsteiger auf den aktuellen Stand. Diese Variante gefällt mir wesentlich besser als das immer etwas fade „Was bisher geschah“ anderer Reihen.

Wie fand ich die Charaktere?

In „Tote Vögel singen nicht“ werden einige bereits bekannte Charaktere weiterentwickelt und von einer bisherigen Nebenfigur mehr in den Mittelpunkt der Gesamthandlung gestellt. Obgleich dies bereits in „Schlussakkord für einen Mord“ angedeutet wurde, ist es ein toller Überraschungsmoment und ein wichtiger Baustein für die sich gerade entwickelnde übergreifende Rahmenhandlung. Mir gefiel dies sehr gut, denn die Reihe gewinnt hierdurch deutlich an Komplexität.
Auch Flavia scheint eine kleine Veränderung zu erleben. Mir kam sie etwas reifer, reflektiert und verantwortungsbewusster vor. Auch ist eine Sensibilität und Schwermut an ihr zu erkennen, die mir bislang so noch nicht auffiel, angesichts der Beerdigung ihrer Mutter jedoch nicht überrascht. Mir gefiel dies gut. Zuletzt hatte ich mich etwas daran gestört, dass Flavia scheinbar nicht altert.

Zudem lernt der Leser auch diesmal neue Charaktere kennen.
Besonders angetan war ich von Undine, der kleinen Cousine von Flavia. Schnell wird Flavia für Undine zum Vorbild. Diese aber ist nur genervt von den vorwitzigen, neunmalklugen Bemerkungen ihrer Cousine. Flavia bemerkt nicht, dass sie mit Undine einen Spiegel vorgehalten bekommt, und es im Grund ihrer eigenen schlechten Angewohnheiten sind, die sie an ihrer Cousine so nerven. Dies machte jedes Zusammentreffen der beiden für mich zu einem höchstunterhaltsamen Vergnügen. Umso schöner fand ich es daher, dass am Ende des Buches – so viel sei bereits verraten – angedeutet wird, dass Undine der Reihe wohl erhalten bleiben dürfte.

Wie fand ich den Handlungsverlauf?

Im Gegensatz zu den bisherigen Flavia de Luce-Romanen stehen bei „Tote Vögel singen nicht“ keine kriminalistischen Ermittlungen im Vordergrund. Flavia ist vielmehr ganz mit der bevorstehenden Beerdigung ihrer Mutter beschäftigt. Insofern unterscheidet sich der Handlungsverlauf dieses Buchs von dem eines „klassischen“ Flavia de Luce-Romans.

Aber auch diesmal gibt es Experimente; und Flavia steckt ihre Nase natürlich trotzdem in die Dinge anderer Leute. Dabei erfährt sie viel über ihre eigene Familie und den Tod ihrer Mutter. Für mich war dies mindestens genauso aufregend und überraschend wie für Flavia selbst; handelt es sich doch um Fragen, die ich mir seit dem ersten Band stellte, bislang aber nicht beantwortet bekam.

Wie fand ich den Schluss?

Für einen Flavia de Luce- Roman fand ich den Schluss erstaunlich blutig. Er passt jedoch zum gesamten Reifungsprozess, den diese Reihe durchzumachen scheint.

Besonders toll fand ich, dass Alan Bradley ganz am Schluss noch einmal zu überraschen weiß. „Tote Vögel singen nicht“ endet mit einem großartigen Cliffhanger, der eine ganz neue Generation von Flavia de Luce- Romanen einzuleiten scheint. Über diese verheißungsvolle Entwicklung freute ich mich so sehr, dass ich seitdem mit dem Gedanken spiele, künftig zu den englischsprachigen Originalversionen zu wechseln, um schneller zu erfahren, wie es mit Flavia weitergeht. Da verzeihe ich gerne, die an ein bis zwei Stellen für meinen Geschmack etwas zu weit hergeholten Auflösungen langgehüteter Geheimnisse.


Titel: Tote Vögel singen nicht ♦ Autor: Alan Bardley ♦ Übersetzer: Gerald Jung, Katharina Orgaß ♦ Verlag: Penhaligon ♦ Format: Hardcover ♦ Umfang: 320 Seiten ♦ ISBN: 978-3-7645-3100-3 ♦ Preis: 19,99 €


Bisher erschienene Bände:

  1. Mord im Gurkenbeet
  2. Mord ist kein Kinderspiel
  3. Halunken, Tod und Teufel
  4. Vorhang auf für eine Leiche
  5. Schlussakkord für einen Mord
  6. Tote Vögel singen nicht

Fortsetzung:

Eine Leiche wirbelt Staub auf (erscheint voraussichtlich am 22.02.2016)

Challenges:

Mai-Motto: "Reihen"

Mai-Motto: „Reihen“

Großbritannien / Europa

Großbritannien / Europa

"Tote Vögel singen nicht /Flavia de Luce #6)" von Alan Bradley

9.1

Einstieg

10/10

    Handlungverlauf

    8/10

      Charaktere

      9/10

        Schluss

        9/10

          Weiterentwicklung der Reihe

          10/10

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            1. Pingback: Lieblinge und Schwächlinge des 1. Halbjahrs 2015 | so many books - so little time

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