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Rezension #22: „Buddha of Suburbia“ von Hanif Kureishi

Bewertung: ♥♥♥

Inhalt:

Karim ist 17 Jahre alt und lebt in einem Vorort Londons. Sein Vater stammt aus Indien und kam als junger Mann mit Anfang 20 zusammen mit einem Freund Anwar nach England, um dort zu studieren und anschließend einen guten Job zu finden. Beide scheiterten und blieben aus Scham in England. Karims Vater kam beim Staat unter. Sein Freund eröffnete einen Lebensmittelladen. Aber als die Jahrzehnte ins Land ziehen und die beiden Männer älter werden, erinnern sie sich an ihre indischen Wurzeln, was die Leben der beiden und ihrer Familien grundlegend verändert.

Karims Vater entdeckt seine Liebe zum Yoga und den buddhistischen Weisheiten. Schnell maustert er sich zum Guru des Votortes, in dem die Familie lebt. Er gibt nach der Arbeit Kurse in Yoga, studiert und unterrichtet die buddhistische Philosophie und erteilt praktische Lebensberatung. Und das alles, obwohl er eigentlich Muslim ist. Seine beiden Söhne und seine britische Frau haben nur wenig Verständnis. Schließlich trennt er sich von seiner Frau und zieht mit seiner neuen Freundin – einer begeisterten Yogaanhängerin – nach London, um hauptberuflich Yoga und buddhistische Philosophie zu unterrichten.
Auch sein Freund wird in den Augen seiner Familie wunderlich, als er beschließt, seine 17jährige Tochter Jamila, die eng mit Karim befreundet ist, mit einem Inder, den weder er noch sie je gesehen hat, zu verheiraten. Als Jamila sich weigert, tritt Anwar in den Hungerstreik, bis Jamila schließlich der arrangierten Ehe zustimmt. Aber der Schwiergersohn entpuppt sich als Faulpelz und die Ehe der beiden nimmt keinen glücklichen Verlauf.

Mitten in diesem Chaos versucht Karim nicht nur seine eigene sexuelle Identität zu finden, denn ausgerechnet an dem Abend, an dem er von der Affäre seines Vaters erfährt, verliebt er sich in einen Jungen. (Es ist ausgerechnet der Sohn der Frau, mit der sein Vater fremd geht.) Sondern er muss außerdem herausfinden, was er eigentlich mit seinem eigenen Leben anfangen möchte.

Meinung:

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es einen anderen Verlauf hatte, als ich erwartete.

Es ist aus der Sicht des 17jährigen Karims geschrieben und in zwei Teile untergliedert.
Der ersten Teil spielt im Vorort und beschreibt die Entwicklung des Vaters vom unscheinbaren, angepassten Beamten zum alternativen Guru einschließlich seiner Affäre. Im zweiten Teil befinden wir uns in London, wohin Karim mit seinem Vater zieht. Hier steht der Vater nicht länger im Fokus. Vielmehr werden nun die unglückliche Ehe von Jamila und Karims eigener Lebensweg beschrieben.
Diese Entwicklung im zweiten Teil des Buches hat mich etwas überrascht. Mit dem Titel „Buddha of Suburbia“ hat dies nicht mehr viel zu tun.

Dennoch fand ich die Geschichte spannend, interessant und unterhaltsam.
Die Situation indischer Einwanderer in Groß-Britannien wird eindrücklich beschrieben. Es wird deutlich, wie diese Menschen zwischen den Kultur stehen und weder zur einen noch zur anderen wirklich dazugehören. Dies betrifft schließlich sogar ihre Kinder, was sowohl an den Schicksalen von Jamila als auch Karim gut gezeigt wird.
Karim schlägt z.B. den Weg der Schauspielerei ein. Dabei ist seine erste Theaterrolle ausgerechnet die des Mogli im „Dschungelbuch“. Er bekommt sie lediglich wegen seines dunklen Teints. Der Regiseur zwingt ihn zudem, im Stück einen indischen Dialekt, den er eigentlich gar nicht hat, zu sprechen. Karim fühlt sich gedemütigt, willigt aber schließlich ein. Auch in seinen weiteren Rollen spielt seine Hautfarbe und seine Herkunft eine wesentliche Rolle. Karim fühlt sich als Schauspieler nicht Ernst genommen.
Dem Autor gelingt es gut, diese Momente des „Nicht-dazu-gehörens“ einzufangen. Was das Buch so angenehm zu lesen macht, ist die locker-leichte, humorvolle Art, in der Kureishi dies tut. Nie wird der moralische Zeigefinger erhoben oder Mitleid erhaschend auf die Tränendrüse gedrückt. Die Situationen werden aber auch nicht ins Lächerliche gezogen. Die Botschaft kommt an – und das finde ich eine beachtliche Leistung!

Die englische Originalfassung lies sich gut lesen. Einige Vokabeln musste ich nachschlagen, insgesamt ist das Buch aber in einem bei mittleren Sprachkenntnissen gut verständlichen Englisch geschrieben.

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