3 Herzchen, Hörbuch, Rezension, Roman
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Rezension #74: (Hörbuch) „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ von Jonas Jonasson

Trotz eines positiven ersten Eindrucks konnte mich „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ von Jonas Jonsson insgesamt nicht überzeugen. Nach dem ersten Drittel gleitet es mir doch zu sehr in puren Klamauk mit hanebüchener Handlung hab. Mir fehlte der feinsinnige, intelligente Humor von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Einziger Lichtblick des Hörbuchs ist Katharina Thalbach, die ausgezeichnet liest.

Bewertung: ♥♥♥♥♥  hörenswert

Worum geht es?

Numbeko kommt in einem afrikanischen Slum zur Welt, wo ihr (Schul-) Bildung versagt bleibt. Dank ihrer überdurchschnittliche Intelligenz, ihr Toughness und vor allem ihrem große, Talent für Zahlen steigt sie jedoch schnell auf. Aber das Leben und der Zufall wollen es, dass Numbeko über Umwege, bei denen sie nicht nur mit Weltpolitikern diniert sondern auch nebenbei an der Entwicklung nuklearer Sprengköpfe mithilft, landet Numbeko schließlich in Schweden. Dort trifft sie ihre große Liebe und das Leben könnte so schön sei; wäre da nicht diese blöde Atombombe, die ihr durch ein dummes Missverständnis nach Schweden nachgesandt wird.

Warum habe ich es gehört?

Schon an Jonassons aberwitzigem Ritt durchs das letzte Jahrhundert in „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hatte ich meinen Spaß. Mit diesem zweiten Roman habe ich dann aber doch lange gehadert, da in vielen Rezensionen zu lesen war, er käme nicht an den ersten heran. Auf der Suche nach einer leichten, witzigen Unterhaltung stieß ich nun in der schier unerschöpflichen Hörbuch-Bibliothek meines Lebensgefährten auf das Hörbuch und ich dachte, es könnte ja nicht schaden, doch einmal zumindest reinzuhören.

Wie war mein erster Eindruck?

Am Anfang konnte mich das Hörbuch positiv überraschen. Ein klassischer onmipräsenter Erzähler, mit dem bisweilen die Fantasie durchzugehen scheint, führt in schelmenhaftem Ton durch Numbekos Geschichte. Die ironische Auseinandersetzung mit der Apartheit und dem Verhältnis zwischen Afrika und Europa bzw. zwischen Arm und Reich gefiel mir sehr gut. Der noch in Afrika spielende Teil war mehr, als ich auf Grund der doch recht zurückhaltenden Rezensionen, die zu diesem Hörbuch gelesen hatte, erwartet hatte.

Wie fand ich die Sprache?

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist im von Jonasson gewohnten humorvollen, ironischen Stil geschrieben und dadurch sehr unterhaltsam und lustig. Die Ausdrucksweise ähnelt dem gesprochenen Wort und ist wenig kunstvoll. Für ein Hörbuch ist das durchaus positiv, denn so kann man auch dann noch gut folgen, wenn man wie ich während des Hörens z.B. mit der Hausarbeit beschäftigt ist.

Wie fand ich das Hörbuch insgesamt?

Normalerweise vermeide ich es, die einzelnen Bücher eines Autors miteinander zu vergleichen. Hier aber wird schon allein durch die Titelwahl genau dieser Vergleich geradezu provoziert. Leider kommt „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ dann aber doch nicht ganz an „den Hundertjährigen“ heran. Spätestens in dem in Schweden spielenden Teil rutscht die Geschichte in einen reinen Klamauk ab. Von der anfänglich so leichten humorvoll-ironischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen bleibt schließlich nicht viel übrig. Stattdessen konstruiert Jonasson eine hanebüchene Geschichte mit geradezu haarsträubenden Höhepunkten und einer recht platten Situationskomik. Diese Elemente sind zwar auch im „Hundertjährigen“ zu finden; dort werden jedoch immer wieder geschickt Erzählungen einstreut, in denen der angebliche Anteil des Hundertjährigen an großen geschichtlichen Ereignissen des letzten Jahrhunderts dargelegt wird. Ähnliche „Münchhausen“-Momente und der feine, intelligente Humor fehlen „der Analphabetin“ leider nahezu völlig. Die Geschichte wird dadurch schnell albern und langatmig.

Auch die Figuren waren nicht besonders gut gezeichnet. Ich möchte nicht sagen, dass es Stereotypen sind, aber man erlebt auch keine großen Überraschungen. Dies mag auch am Genre liegen bzw. dazugehören. Es machte die Sache aber auch etwas vorhersehbar.

Wie fand ich die Sprecherin?

Bei Katharina Thalbach scheiden sich ja die Geister. Ich schätze sie sehr. Thalbach hat ein gutes Tempo, dem man leicht folgen kann. Sie kann dramatisieren und spricht die Protagonisten in verschiedenen Stimmen. Zudem schafft sie es, hinter dem Werk zurückzutreten. Für mich war sie das eigentliche Highlight des Hörbuchs.


Titel: Die Analphabetin, die rechnen konnte ♦ Autor: Jonas Jonasson ♦ Übersetzung: Wiebke Kuhn ♦ Sprecherin: Katharina Thalbach ♦ Verlag: Der Hörverlag ♦ ungekürztes Hörbuch ♦ Spieldauer: 14:11h ♦ ISBN: 978-3-8445-1416-2 ♦ Preis: 24,95€


Challenges:

Harvard / USA

Schweden

(Hörbuch) "Die Analphabetin, die rechnen konnte" von Jonas Jonasson

(Hörbuch)
6.2

Anfang

7/10

    Handlungsverlauf

    5/10

      Charaktere

      5/10

        Schluss

        5/10

          Sprecherin

          9/10

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