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Rezension #21: „Empört Euch“ von Stephane Hessel

Über dieses Buch, das monatelange auf der Bestsellerliste stand, wurde bereits viel gesprochen und geschrieben. Für einige ist es wohl sogar zu einer Art „Bibel“ geworden. Es geht zurück auf eine Rede Hessels, die viel Beachtung fand.

Klar, dass ich dieses Werk auch einmal lesen wollte, um herauszufinden, was so besonders daran ist.

Leider kann ich die allgemeine Euphorie nicht so ganz teilen.
Bei dem dünnen Heftchen – ich würde es eher eine „Schrift“ als ein „Buch“ nennen – handelt es sich um den Aufruf eines 94jährigen an die jüngeren Generationen, sich endlich wieder mehr zu engagieren. Mich erinnerte dies etwas an das ewige „Früher war alles besser“ und die ständigen „die Jugend von heute“-Klagen, die mich immer ärgern, weil sie schlicht und ergreifend falsch sind.
Die Dinge, für wir uns engagieren sollen, liefert Hessel gleich mit. Neues hat er dabei nicht zu bieten: für Umwelt und soziale Gerechtigkeit, gegen die Macht der Banken und des Geldes, in Israel und den arabischen Ländern. Nunja.

Was mich allerdings wirklich stark beeindruckte, war der Lebensweg von Hessel, von dem man das ein oder andere innerhalb der Schrift; wesentlich mehr jedoch in einem Nachwort erfährt. Hessel wurde in Deutschland geboren und flieht mit seinen Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich aus, nachdem es der jüdischen Familie gelang aus dem KZ „Buchenwald“ zu entkommen. (Schon allein DAS finde ich zu tiefst beeindruckend). Als Jugendlicher und junger Mann engeagiert er sich in der Resistance gegen Nazideutschland und schreibt schließlich nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Menschenrechtscharta mit. Später ist er als Botschafter für Frankreich an den unterschiedlichsten Orten weltweit im Einsatz. Wow!
Mit diesem Hintergrund, finde ich, bekommt die Schrift doch gleich eine ganz andere Perspekitve. Wer sich stets so sehr für die eigenen Ideale und eine bessere Welt einsetzte, hat meiner Meinung nach alles Recht, sich über die heutigen Verhältnisse und die scheinbare Letargie der Jugend zu beschweren. Denn – sind wir mal ehrlich – so stark engagiert sind die wenigstens von uns. Natürlich sind die offensichtlichen Bedrohungen auch – gottseidank – geringer. Gründe, um sich zu engagieren – gibt es aber noch immer genug. Schön, dass uns so ein außergewöhnlicher Mensch hieran erinnerte.

Unmittelbar nach der Lektüre dieses Werkes habe ich die Autobiografie von Stephane Hessel „Mein Tanz mit dem Jahrhundert“ auf meine Wunschliste gesetzt. Ich bin wirklich schwer beeindruckt.

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