4 Herzchen, Rezension, Roman
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Rezension #20: „Der Schneeflockenbaum“ von Maarten`t Hart

Bewertung: ♥♥♥♥

Inhalt:

Jouris Vater hat im zweiten Weltkrieg auf der Seite der Nazionalsozialisten gekämpft. Das nimmt man ihm in der Nachkriegszeit natürlich übel. Auch seine Kinder werden daher geschnitten.

Der Erzähler selbst, dessen Namen man im Roman nicht erfährt, wächst in einem streng religiösen Haushalt auf. Als er im Jugendalter seine Vorliebe für klassische Musik entdeckt, trennt er sich jedoch nach und nach vom Glauben seiner Eltern.
Diese beiden Außenseiter verbindet eine lebenslange Freundschaft. Aber da gibt es ein Problem: immer wieder spannt Juri mit seiner charmant-offenen und lockeren Art seinem besten Freund die Freundinnen aus. Das war bereits im Kindergarten bei der klassischen Sandkastenliebe so und zieht sich durch das gesamte Leben der beiden Freunde. Selbst Francisca – das erste Mädchen, das der Erzähler im Garten deren Eltern unter einem Schneeflockenbaum küsst, heiratet schließlich Jouri.

Meinung:

Marten´t Haart ist mit „Der Schneeflockenbaum“ ein tragikomischer und zugleich sehr gefühlvoller Roman gelungen. Vor allem der zarte Umgang mit der Sprache schätze ich an diesem niederländischen Autor sehr.

Bei seinen Schilderungen der klassischen Musikstücke, die der Erzähler so gerne heimlich mit Jouris Vater hört, bringt Haart die Seiten fast schon ein wenig selbst zum Klingen und der Leser glaubt bisweilen, die Musik selbst hören zu können – so präzise, kunstvoll und zugleich leichthändig sind die Beschreibungen.
Überhaupt ist der Roman eine Art Liebenserklärung an die klassische Musik, die hier letztlich über den Glauben, politischen Einstellungen und andere soziale Differenzen hinweg immer wieder Menschen miteinander verbindet. Und auch für den Erzähler bringt sie schließlich die (scheinbare) Lösung für sein Problem in Sachen Liebesleben.

Ich fand es außerdem sehr interessant etwas über die Nachkriegsjahre in den Niederlanden zu erfahren. Denn auch wenn über den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit sehr viel und sehr gute Literatur existiert, scheint dieser Markt doch fest in deutscher, britischer und amerikanischer Hand zu sein. Die Stimmen aus anderen Ländern sind sehr dünnen. Da ist es fast schon ein besonderer Glückstreffer ausgerechnet hier auf einen so schönen Roman zu stoßen.

Leider hat mir jedoch etwas der Spannungsbogen gefehlt. Der Roman erzählt letztlich episodisch das Leben der beiden Freund. Das Grundmuster dieser Szenen ist dabei letztlich immer wieder gleich: Der Erzähler verliebt sich; Jouri beginnt sich für das selbe Mädchen bzw. die selbe Frau zu interessieren, kommt mit ihr zusammen und in der Folge leidet der Erzähler natürlich sehr. Richtige Dynamik habe ich lange Zeit vermisst, was ich etwas schade fand.

Der Roman hat jedoch – wie ich bereits beschrieb – ganz klar andere Stärken, die ihn zu einem unterhaltsamen und empfehlenswerten Roman machen.

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