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Rezension #63: „America for sale“ von Joey Kelly

„America for sale“ liest sich flüssig und unterhaltsam und lässt trotzdem noch Joey Kelly dahinter erkennen. Eine besondere Stärke lag für mich in den Landschafts- und Naturbeschreibungen sowie der gehörigen Portion Selbstironie, die man zu meiner Überraschung in „America for sale“ findet.

Das Buch beschränkt sich nicht nur auf den reinen Reisejournalismus, sondern streut auch immer wieder autobiografische Elemente  ein.

Gegen Ende geriet es mir aber etwas zu langatmig. Zudem bleibt ein klares Resümee, das ich bei diesem Titel eigentlich erwartet hatte, aus.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ lesenswert

Worum geht es?

Joey Kelly reist einmal quer durch die USA – von L.A. nach New York. Aber Joey Kelly wäre nicht Joey Kelly, wenn er aus diesem Roadtrip keine (sportliche) Herausforderung machen würde: Er reist ohne Geld, übernachtet ausschließlich im Freien und nutzt unterschiedliche Transportmittel. So kommt er Land und Leuten besonders nah.

Warum habe ich es gelesen?

Eigentlich bin und war ich nie ein besonders großer Fan der Kelly Family. Die sportlichen Leistungen von Joey Kelly aber beeindrucken mich sehr. Vor allem seine kompromisslose Willensstärke, die ihn immer wieder auf´s Neue bis an seine eigenen Grenzen und darüber hinaus gehen lässt, finde ich bewundernswert.

Bei seinem Roadtrip durch die USA wurde Joey Kelly von Stern TV begleitet und ich habe mir mit Begeisterung wöchentlich die neuste Folge angesehen. Als ich dann vor einigen Wochen das Buch entdeckte, musste ich es einfach mitnehmen, um die gesamte Reise noch einmal aus Joey Kelly persönlicher Sicht nachlesen zu können.

Wie war mein erster Eindruck?

Ich hatte zunächst einige Bedenken, wie gut geschrieben bzw. lesbar „America for sale“ sein würde. Schließlich ist Joey Kelly zwar vieles (vor allem Musiker und Sportler) aber bestimmt kein Schriftsteller. Glücklicherweise holte er sich für dieses Buch professionelle Unterstützung. „Aufgezeichnet von Ralf Hermersdorf“ heißt es auf dem Schmutztitel.

Das Ergebnis ist eine Erzählung in Ich-Form, der man die journalistischen Erfahrungen Hermersdorfs anmerkt.

Wie fand ich die Sprache?

„America for sale“ liest sich flüssig und unterhaltsam und lässt trotzdem noch Joey Kelly dahinter erkennen. Man nimmt dem Buch ab, dass es tatsächlich seine Worte sind, die hier wiedergegeben werden.

Eine besondere Stärke des Buchs lag für mich in den Landschafts- und Naturbeschreibungen. Diese sind frei Kitsch, aber dennoch so klar und ausdrucksstark, dass ich Lust bekam, mir das alles selbst einmal anzusehen. Sie zeugen von einer großen Nähe und Verbundenheit zur Natur, die Joey Kelly sehr geerdet wirken lässt.

Auch war ich von der gehörigen Portion Selbstironie, die man in „America for sale“ findet, überrascht. Joey Kelly ist tatsächlich ein Mensch, der über sich selbst lachen kann, was ich bei seinem ausgeprägten Ehrgeiz nicht vermutet hatte. Dem Buch aber tut es sehr gut, dass sich Joey Kelly selbst und seine eigene Vergangenheit nicht allzu ernst nimmt.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Ich fand „America for sale“ sehr interessant und unterhaltsam, obwohl ich es aber gerade gegen Ende etwas langatmig fand.

Es beschränkt sich nicht nur auf den reinen Reisejournalismus, sondern streut neben den Erlebnissen und Begegnungen, die Joey Kelly unterwegs macht, auch immer wieder autobiografische Elemente aus der Zeit ein, in der die Großfamilie als Straßenmusiker durch de USA und Europa reisten. Auch Historisches und Politisches findet gelegentlich seinen Platz. So geht das Buch tatsächlich weit über die Berichterstattung von SternTV hinaus.

Joey Kelly entwirft in „America for sale“ ein sehr ambivalentes Bild der USA, bei dem mir aber bis zum Schluss nicht ganz klar wurde, wie er nun eigentlich selbst zu diesem Land, aus dem ja ein Teil seiner Vorfahren stammt, steht.
Er zeigt die Situation der wachsenden Zahl an Obdachlosen und der Straßenkids und stellt fest, dass man sich in Amerika in diesen Lebenslagen besser nicht auf den Staat verlassen sondern sich selbst helfen sollte, um zu überleben. Aber er beschreibt auch immer wieder die große Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit, die ihm auf seinem Weg immer wieder begegnet. Joey Kelly kritisiert den reinen Kapitalismus, dem sich in Amerika alles andere unterzuordnen scheint, und verurteilt den legeren Umgang mit Schusswaffen, der in den USA gepflegt wird. Gleichzeitig aber beeindruckt ihn diese große Freiheit, die doch so viel mehr an Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen scheint, wie das in Europa der Fall ist.
Ein klares Resümee, das ich bei diesem Titel eigentlich erwartet hatte, bleibt am Ende jedoch aus.

Dennoch habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen, dass mich so sehr inspirierte und dazu anregte, bestimmte Themen, die in dem Buch vorkommen genauer zu recherchieren, wie es „America for sale“ schaffte. So möchte ich nun unbedingt mehr über die Geschichte des Death Valley – vor allem während der Pilgerzeit – und Jutta Kleinschmidt erfahren, die als erste und einzige Frau die Rallye Dakar gewonnen hat.

Entgegen meiner üblichen Vorliebe empfehle ich hier übrigens ausdrücklich, das Taschenbuch (und nicht das ebook) zu kaufen. „America for sale“ enthält viele Bilder der Reise sowie Kartenmaterial, das die genaue Route und Etappen zeigt, die Joey Kelly zurücklegte. Bei einem ebook, das ja nur in schwarz-weiß dargestellt wird, würde man hier wesentliche Abstriche machen müssen.

Taschenbuch kaufen*

Challenges:

März-Motto: "Neues Entdecken"

März-Motto: „Neues Entdecken“

USA / Nordamerika

USA / Nordamerika

Nr. 25: ... das kein Roman ist.

Nr. 25: … das kein Roman ist.

"America for sale" von Joey Kelly

6.88

Anfang

7/10

    Authentizität

    8/10

      Aufbau

      5/10

        Schluss

        7/10

          Sprache

          7/10

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