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Rezension #61: „Acht Tage bis Montag“ von Emil Hakl

Obwohl es schon etwas Arbeit war, „Acht Tage bis Montag“ zu lesen, gefiel mir die unkonventionelle Art des Erzählers im Nachhinein doch recht gut. Emil Hakl sprengt die Grenzen des klassischen Romans, wie sein Protagonist die gesellschaftlichen Konventionen überwinden möchte.

Er erzählt in einem sehr reduzierten Sprachstil, was die Orientierung bisweilen etwas erschwert.

Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Buch, das sich bei mir jedoch erst einmal etwas setzen muss, bevor ich die eigentliche Kunst darin erkennen konnte. Einzig das Ende war mir etwas zu schwach.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „lesenswert“

Worum geht es?

Prag. Jan ist eigentlich ein halbwegs erfolgreicher Schriftsteller, verdient seinen Lebensunterhalt aber in einem Büro. Inspiriert von der Geschichte der RAF und den Anschlägen des norwegischen Attentäters Breivik kommt ihm zusammen mit einem Bekannten die Idee, etwas gegen die skrupellosen Spekulanten zu unternehmen, die nicht nur seinen Freund Evzen sondern gleich eine ganze Reihe von Verwandten und Bekannten die Häuser und Wohnungen kosten. Halb im Scherz entwickeln die Freunde einen Mordplan. Doch je näher das Datum des geplanten Attentats rückt, um so unwohler fühlt sich Jan bei der Sache.

Warum habe ich es gelesen?

Auf dieses Buch bin ich beim Stöbern in den Neuzugängen der Onleihe gestoßen. Die Inhaltsangabe klang vielversprechend, also wanderte es auf meine Wunschliste. Vor allem der Bezug des Romans auf die RAF und Breivik fand ich interessant. Eigentlich hatte ich mit leichter Unterhaltsliteratur gerechnet, vielleicht sogar mit einer Brise Humor durch etwas Überzeichnung. Dann aber las ich, dass Emil Hakl in der Tschechischen Republik bereits einige Literaturpreise gewann und musste  mir eingestehen, dass ich es hier vermutlich doch eher mit einem etwas anspruchsvoller Buch zu tun hatte.

Wie war mein erster Eindruck?

Der Einstieg in „Acht Tage bis Montag“ fiel mir etwas schwer. Ohne irgend eine einleitende Schilderung findet sich der Leser sofort mitten in der Handlung wieder und muss sich dort erst einmal zu Recht finden. Wer ist dieser Ich-Erzähler überhaupt? Welche Geschichte will er erzählen? Wo befinden wir uns aktuell in dieser Geschichte?

Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Ich-Erzähler zu Beginn, immer wieder zum Buch greift. Die von ihm gelesenen Passagen vermischen sich ohne optische Kenntlichmachung mit dem eigentlichen Plot der Handlung. Später werden auch Filmszenen, Sequenzen aus Computerspielen, Chats, alte Emails und vieles mehr auf gleiche Weise eingeflochten. Hier den Überblick zu behalten fällt da zu Beginn schon schwer. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die Erzählweise und das Lesen wird flüssiger.

Wie fand ich die Sprache?

Emil Hakl erzählt in einem sehr reduzierten Sprachstil. Nicht nur Anführungszeichen sind Mangelware auch erläuternde Halbsätze, die deutlich machen würden, wer überhaupt spricht, gibt es schlichtweg nicht. Oftmals ist nicht einmal eindeutig erkennbar, ob etwas laut gesagt oder doch nur gedacht wurde. Dies macht die Lektüre von „Acht Tage bis Montag“ bisweilen recht anstrengend.

Hinzu kommt, dass ein Großteil des Buchs nur szenenhaft erzählt wird und immer wieder größere und kleinere Zeitabschnitte ausgespart werden. So muss man immer wieder neu zusammen puzzeln, wo sich der Ich-Erzähler nun räumlich und zeitlich befindet. Erst gegen Ende des Romans kommt eine zusammenhängende Handlung zustande, bei der die Orientierung dann wesentlich leichter wird.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Obwohl es schon etwas Arbeit war, „Acht Tage bis Montag“ zu lesen, gefiel mir gerade diese unkonventionelle Art des Erzählers im Nachhinein doch recht gut. Emil Hakl sprengt die Grenzen des klassischen Romans, wie sein Protagonist die gesellschaftlichen Konventionen überwinden möchte.

An manchen Stellen werden beispielsweise über mehrere Seiten nur Chatdialoge und Email-Schriftwechsel wiedergegeben, ohne eine Wertung vorzunehmen. Anders als Glattauer setzt Hakl dies jedoch nicht stringent um, sondern wechselt mit der zunehmenden Annäherungen der beiden Schreibenden langsam – fast schon fließend – zunächst in eine Art Theaterstück und schließlich eine beschreibende Erzählung. Diese Erzählweise strengte zwar an; im Nachhinein empfand ich es aber als sehr gelungenen Kunstgriff.

Gleiches gilt auch für das wiederholte Verweben der Handlung mit Filmszenen, Sequenzen aus Computerspielen und Buchausschnitten; sind all dies letztlich doch die Einflüsse, welche die drei zu ihrem Entschluss führen.

Ich fand es aber etwas schade, dass ich viele dieser Anspielungen nicht verstand, da hier tschechische Schauspieler/innen, Sänger/innen und Filme aus den 30er Jahren erwähnt wurden, die ich schlichtweg nicht kannte. Vielleicht hätte eine Art Glossar für den in der tschechischen Kulturszene ungebildeten deutschen Leser, wie ich einer bin, doch etwas zum Verständnis beitragen können. Nach einer anfänglichen Frustration habe ich schließlich einfach über die Stellen hinweggelesen, als seien es fiktive Personen und Filme, was auch funktionierte. Dennoch blieb das Gefühl, hier etwas zu verpassen.

Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Buch, das ich nach den anfänglichen Schwierigkeiten in Rekordzeit gelesen habe. Um die eigentliche Kunst darin erkennen zu können, musste sich „Acht Tage bis Montag“ aber zunächst etwas setzen.

Einzig das Ende war mir etwas zu schwach. Hier hätte ich mir etwas mehr Mut von Emil Hakl gewünscht.

Challenges:

Februar-Motto: "Stand Alones"

Februar-Motto: „Stand Alones“

Europa / Tschechische Republik

Europa / Tschechische Republik

Nr. 10:... zu dem aus LovelyBooks noch keine Rezension und Kurzmeinung gibt

Nr. 10:… zu dem aus LovelyBooks noch keine Rezension und Kurzmeinung gibt

"Acht Tage bis Montag" von Emil Hakl

6.62

Anfang

7/10

    Charaktere

    5/10

      Handlungsverlauf

      8/10

        Schluss

        5/10

          Sprache

          8/10

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