3 Herzchen, Krimi, Rezension
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Rezension #16: „Allmen und die Dahlien“ von Martin Suter

Bewertung: ♥♥♥

Inhalt:

In Allmens 3. Fall geht es wieder einmal um die Wiederbeschaffung eines Kunstgegenstandes. Genauer gesagt: eines Bildes. Noch genauer gesagt: eines Bildes, in dessen Besitz die reiche Industrieerbin Dahlia Gutbauer offiziell nie war. Denn das Bild war das Geschenk eines Liebhaber, der es vor einigen Jahrzehnten stahl, um es ihr zu schenken. Nun wurde es Frau Gutbauer aus ihrer Hotelsuite, die sie als Dauergast bewohnt, entwendet. Da das Einschalten der Polizei unter diesen Umständen natürlich unmöglich ist, erhält Allmen den Auftrag, das Gemälde wiederzubeschaffen…

Meinung:

Eines muss ich wohl der fairnesshalber vorweg schicken: mein Verhältnis zu Allmen ist sehr ambivalent.
Ich mag die Figur des Johann Friedrich von Allmen ist sonderlich. Er ist ein aus der Zeit gefallener Dandy, der mit Geld um sich wirft, das er eigentlich nicht (mehr) hat, und Hauspersonal beschäftigt, das er eigentlich nicht (mehr) bezahlen kann. Frauen sind in seiner Welt nur Randfiguren, die mit ihm selten bis gar nicht auf einer Stufe stehen. Allmen interessiert sich im Grunde nur für sich selbst. Kurz: er ist mir zutiefst unsympathisch.

Trotzdem lese ich gerne über seine Fälle. Und das hat auch einen Grund: die Allmen-Romane sind gut gemachte Krimis, in denen es eben nicht um Mord, Vergewaltigung, Misshandlung und andere Brutalitäten geht, sondern um die Wiederbeschaffung verlorener Gegenstände (zumeist Kunst). Als vollendeter Gentleman und gebildeter Möchtegern-Adeliger geht Allmen dabei stets sehr diskret vor. Er ist kein Schläger-Typ, der die Fäuste sprechen lässt oder eine Waffe zückt. Genau das finde ich so angenehm und toll, an seinen Fällen. Sie kommen ohne große Gewalt, Brutalität und jede Menge Blut aus. Dafür spielen die Beziehungen der Personen untereinander häufig eine entscheidende Rolle. Die Fälle werden mit „Köpfchen“ gelöst.
Dabei ist es meist Carlos, Allmens Butler, der die entscheidenden Ideen hat und seinen Chef dezent in die richtige Richtung weist.

So ist es auch bei diesem Fall, bei dem auch Maria, die bereits im 2. Fall auftrat, erheblichen Anteil an den Ermittlungsarbeiten hat. Mit ihr kommt endlich etwas Weiblichkeit in Allmens ansonsten sehr maskuline Welt. Schade nur, dass Suter diese neue Weiblichkeit prompt mit dem Thema Sex zu verbinden. So wird die maskuline Welt dann doch wieder hergestellt, denn Maria wird in einigen Kapiteln ausschließlich als Sexobjekt dargestellt. Immer wieder ist die Rede davon, dass sie beim Sex mit Carlos laut wird bzw. ist. Mich haben diese Alt-Herren-Fantasien irgendwann gestört. Zumal ich keinen tieferen Sinn in ihrer wiederholten Erwähnung erkennen konnte.

Auch die Story selbst fand ich eher einfallslos und damit mittelmäßig. In vielen zentralen Momenten hatte ich den Eindruck, dies so oder so ähnlich, bereits anderswo gelesen zu haben.

Das Ende jedoch konnte es schließlich noch einmal raus reißen. Denn das Buch erzählt die Geschichte nicht ganz zu Ende. Nach einer klassischen „Scheinlösung“ kommt es zu einem zweiten Höhepunkt, der dann wohl im 4. Allmen-Roman aufgelöst werden wird.

Ich bin gespannt und lese auf jeden Fall weiter.

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