5 Herzchen, Frauen, Rezension
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Rezension #12: „Der Regen bevor er fällt“ von Jonathan Coe

Bewertung: ♥♥♥♥♥

Inhalt:

Als Rosamond nach einem langen und erfüllten Leben stirbt hinterlässt sie weder Kinder noch einen Ehemann. Daher kümmert sich ihre Nichte Gill um Rosamonds Nachlass. Sie findet u.a. einige besprochene Kasetten und einen Brief ihrer Tante, in dem diese bittet, die Kasetten einer junge Frau namens Imogen zukommen zu lassen. Aber wer ist Imogen? Und was ist auf den Kasetten?

Nachdem Gills Suche erfolglos bleibt, hört sie die Kasetten selbst und hofft, dort Hinweise darauf zu bekommen, wo sich Imogen aufhält. Was sie erfährt, ist die Geschichte ihrer Familie und einige Geheimnisse.

Meinung:

Mit „Der Regen, bevor er fällt“ ist Jonathan Coe ein sehr intensiver und gefühlvoller Familienroman gelungen, der drei Frauengenerationen umspannt. Er handelt von Lügen und Wahrheiten, Mutter-Tochter-Beziehungen und der Freundschaft. Und er zeigt, dass die Dinge nicht immer so sind, wie es zunächst scheint. Zum Schluss gelangt der Leser zu der Einsicht, dass zwei (scheinbare) Gegensätze sich nicht immer ausschließen müssen, sondern gleichzeitig wahr sein können. Damit ist „Der Regen, bevor er fällt“ ein wunderschöner Roman über das Leben.

Jonathan Coe bedient sich einer sehr bildhaften Sprache. Er lässt nicht nur weit zurückreichende Zeiten wieder auferstehen, sondern beschreibt auch Personen und Landschaften so plastisch, dass man ein sehr genaues Bild vor dem geistigen Auge sieht. Trotzdem lässt der Roman angenehm und leicht lesen.

Zusätzliche Spannung erhält der Roman dadurch, dass Rosamonds Geschichte unterbrochen wird, um die Rahmenhandlung erneut aufzugreifen. Coe wählt die Stellen dabei so geschickt, dass ein toller Spannungsbogen entsteht. So fand ich den Schluss dann leider etwas enttäuschend, da hier ein zeitlicher Sprung erfolgt, um alle losen Handlungsfäden zu einem Abschluss bringen zu können. Hiervon abgesehen ist jedoch ein sehr schönes Buch, dass den Leser von Anfang an fesselt.

Die EBook-Version hat aber leider einige Schwächen. Zum einen sind die Kapitel weder nummeriert noch mit Überschriften versehen. Dies macht die Navigation innerhalb des Ebooks über die Kindle-Funktion „gehe zu“ unmöglich. Zudem vielen mir auch hier öfter fehlende Leerzeichen auf; meistens jedoch nach einem Satzzeichen, sodass sich die Worte trotzdem recht schnell erkennen ließen. Auch die Kapiteleinteilung scheint an einigen Stellen nicht zu stimmen. An ein oder zwei Stellen konnte ich nur aus dem Inhalt des Gelesenen darauf schließen, dass ein neues Kapitel begonnen hatte.
Das EBook lässt sich trotzdem gut lesen. Ich hatte es schon mit wesentlich schlechter erstellten EBooks zu tun.

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