3 Herzchen, Hörbuch, Rezension
Kommentare 1

Rezension #55: (Hörbuch) „Fiebertraum“ von George R.R. Martin

Nach einem eher langsamen Einstieg gelingt George R. R. Martin mit „Fiebertraum“ eine sehr spannenden Mischung aus Huckleberry Finn-Abenteuer und klassischer Vampiergeschichte.

Einziger Wermutstropfen sind die eher blassen Charaktere, denen etwas mehr Tiefe gut getan hätte, um sie dem Leser bzw. Hörer näher zu bringen.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „Lesenswert“

Worum geht es?

Mississippi 1857. Abner Marsh ist Flussschiffer und so gut wie pleite. Da trifft es sich gut, dass ihn der feine Joshua York bittet, gegen eine ordentliche Bezahlung das schnellste und größte Dampfschiff auf dem Mississippi zu bauen – die „Fiebertraum“. Doch wieso schläft York den ganzen Tag und verlässt nur nachts seine Kabine? Und was macht er auf seinen tagelangen Landausflügen, von denen er nicht selten blutbeschmiert zurückkehrt?

Warum habe ich es gehört?

Seit „Das Lied von Eis und Feuer“ bin ich bekennender George R. R. Martin-Fan. Da konnte auch das eher mittelmäßige „Wild Cards- Das Spiel der Spiele“ nichts daran ändern.

Als ich bei Audible auf dieses Werk stieß, dass ein klassisches Vampir-Abenteuer versprach, freute ich mich sehr. Ein bisschen Horror und etwas Grusel kann von Zeit zu Zeit ja nicht schaden.

Wie war mein erster Eindruck?

Ich fand es etwas schwierig, in die Geschichte hineinzufinden. Martin nimmt sich viel Zeit, um die Geschichte aufzubauen. Dies heißt zwar nicht, dass es zu irgend einem Zeitpunkt langweilig gewesen wäre. Da aber zunächst scheinbar keine Verbindung zwischen den einzelnen Protagonisten besteht, die in den ersten Kapiteln der Reihe nach vorgestellt werden, fällt der Einstieg etwas schwer.

Zudem habe ich die Personen und ihre Namen am Anfang gerne durcheinander gebracht. Erst später, wenn man etwas mehr für die Handlenden erfahren hat, wird es leichter, sie auseinander zu halten.

Wie fand ich das Hörbuch insgesamt?

Insgesamt hatte ich meinen Spaß mit „Fiebertraum“; auch wenn das Buch weniger gruselig ist, als ich es vermutet hatte. Dafür ist es aber extrem spannend. Martin überrascht durch einige gute Wendungen und ausgefallene Ideen, so dass die Geschichte trotz des sehr klassischen Stoffs nicht vorher oder eintönig ist. Von Dampfschiffrennen über Vampir-Duelle bis hin zu Faustkämpfen wird alles geboten, was das Abenteuererherz begehrt. So entsteht ein Mischung aus Huckleberry Finn- Atmosphäre und Vampirroman, die mich gut unterhielt.

Die Charakterzeichnung ist leider nicht so gut gelungen. Zum einen fand ich es schade, dass die Hauptpersonen ausnahmslos männlich sind. Zum anderen haben wir es einmal mehr mit Stereotypen zu tun, die sich im Laufe der Erzählung wenig entwickeln. Auch bleiben sie eher blass und werden mit wenig Tiefe gezeichnet. So habe ich Nebencharaktere bis zum Schluss gerne verwechselt, was zu der ein oder anderen Irritation meinerseits führte.

Wie fand ich den Sprecher?

Reinhardt Kuhnert hat seine Sache auch diesmal wieder sehr gut gemacht. Er schaffte es, den eher blassen Charakteren Martins durch Intonation, Stimmfarbe und unterschiedliche Sprechweisen Leben einzuhauchen. Das Sprechtempo ist gut, so dass ich problemlos folgen konnte.

 

Hörbuch im Abo kostenlos herunterladen*

Challenges:

Nr. 9: Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied

Nr. 9: junge und ältere Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied

USA / Nordamerika

USA / Nordamerika

(Hörbuch) "Fiebertraum" von George R. R. Martin

(Hörbuch)
6.98

Anfang

7/10

    Handlungsverlauf

    8/10

      Charaktere

      5/10

        Schluss

        6/10

          Sprecher

          8/10
            • unvorhersehbare Wendungen
            • originelle Ideen
            • blasse Charaktere mir wenig Tiefe

            1 Kommentare

            1. Hallo Kerstin,

              also vom Setting her hört sich das echt gut an. An Action scheint es nicht zu fehlen, aber wenn ich dann das mit den Stereotypen lese, hörts bei mir wieder komplett auf. Mein letztes Buch, das voll mit Stereotypen ohne Charakterentwicklung war, ist „Die Plantage“ und seitdem mach ich einen großen Bogen um Bücher, von denen ich das weiß. Aber ich glaube das liegt auch daran, dass ich in letzter Zeit einige Klassiker gelesen habe und die sind in der Regel das genaue Gegenteil.

              Liebe Grüße
              Tobi

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.