Frauen, Rezension
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Rezension #3: Fünf Frauen, der Krieg und die Liebe von Bryan, Helen

Bewertung:  ♥♥♥♥

Inhalt:

Frances, Evangeline, Elsie, Tannie und Alice sind fünf junge Frauen, wie sie unterschied-licher nicht sein könnten. Aus unterschiedlichen familiären, wirtschaftlichen, gesellschaft-lichen und religiösen Umfeldern stammend bringen sie Wirren des zweiten Weltkriegs in Crownmarsh Priors, einem kleinen Dorf an der englischen Südküste, zusammen. Die Sorgen und Nöte des Kriegsalltags lassen die Frauen näher zusammenrücken und sind der Beginn einer Freundschaft, welche auch lange nach Kriegsende die Jahrzehnte überdauern soll. Doch der zunächst so beschaulich-friedliche Eindruck trügt …

Meinung:

Beinahe hätte ich das Buch schon nach dem ersten Kapitel abgebrochen, was bei mir sehr selten vorkommt. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe.

Besonders ärgerte ich mich über folgende Stelle aus dem Vorwort der Autorin:

„Das, was Frauen zu allen Zeiten bewegt hat, besaß auch dann noch Gültigkeit, als Krieg alle überrollte: Entweder sie verlieben sich, heiraten, kümmern sich um den Ehemann und die Familie und haben in vielen Fällen ihre liebe Not, mit dem Geld über die Runden zu kommen. Oder die Umstände lassen ihnen keine andere Wahl und sie gehen als alte Jungfern durchs Leben.“

Dieses Frauenbild finde ich empörend! Was ist mit Frauen, die sich bewusst gegen Ehe und Familie und für eine berufliche Karriere entscheiden?!
Für das weitere Buch ließ das jedenfalls nichts Gutes verheißen. Ich befürchtete, einen Roman voller Stereotypen und Rollenklischees in Händen zu halten.

Auch das erste Kapitel bestärkte mich in dieser Befürchtung.
Hier wird von Alice, einer eher unscheinbaren und zurückhaltenden Pfarrerstochter erzählt, die kurz nach dem Tod ihres Vater vom „einzigen Mann außer ihrem Vater, den sie jemals würde lieben können“ einen furchtbar kitschigen Heiratsantrag gemacht bekommt – zusammen mit dem Versprechen, nach der Hochzeit den gesamten Familienschmuck von ihrer künftigen Schwiegermutter geschenkt zu bekommen.

Zum Glück konnte ich mich dazu durchringen, noch ein weiteres Kapitel zu lesen, denn der weitere Verlauf der Geschichte ist weitaus weniger vorhersehbar und klischeebehaftet, als ich zunächst dachte.

Nach einer kurzen Rahmenhandlung, in welcher sich 4 ältere Damen im Jahr 1995 zur Feier des „Victory in Europe-Days“ auf den Weg nach England begeben, werden die fünf weib-lichen Hauptcharaktere des Romans der Reihe nach eingeführt und die Umstände geschildert, die dazu führten, dass während des Zweiten Weltkriegs in Crownmarsh Priors landeten. Dabei ist es zunächst schwer, die einzelnen Personen auseinander zu handeln, da alle etwas „blass“ und mit nur wenig Charaktertiefe beschrieben werden. Nach einigen Kapiteln gelingt jedoch auch das.

Überrascht war ich von der zweiten Hälfte des Buches, deren Handlung für meinen Geschmack allerdings etwas zu weit hergeholt erschien. Ohne hier zu viel über die Roman-handlung und des Ende zu verraten, kann hier angemerkt werden, dass die zweite Hälfte eher den Charakter einer Agentengeschichte besitzt, wohingegen man nach der ersten Hälfte eher einen typischen Frauenroman erwartet, der den weiteren Lebensweg der fünf Frauen nach zeichnet.
Tatsächlich jedoch wird nach Kriegsende ein Zeitsprung von 50 Jahren gemacht, die auch in der Rückblende nicht näher beschrieben werden. Dies fand ich schade.

Auch der geschichtliche Hintergrund kam für mich etwas zu kurz. Vor allem auf die historische Rolle der verschiedenen Widerstandsgruppen gegen die Nazis, denen eine gewisse Bedeutung innerhalb des Buches zukommt, wird nicht näher eingegangen. Für mich blieben diese Gruppen, ähnlich wie die Hauptcharaktere daher etwas nebulös und farblos.

Nichtsdestotrotz ist es ein spannendes Buch, das sich angenehm lesen lässt und gut unterhält.

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