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Rezension #47: „I am Malala“ von Malala Yousafzai (Christina Lamb)

Worum geht es?

Spätestens seit sie als bislang jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis gewonnen hat, ist Malala Yousafzai und ihr Ausspruch: „One child, one teacher, one book and one pen can change the world“ wohl jedem ein Begriff. In diesem Buch beschreibt sie ihr Leben, das sie bereits sehr früh dem Kampf für das Kinderrecht auf (Schul-) Bildung widmete.

Malala Yousafzai wuchs in Pakistan im Grenzgebiet zu Afghanistan auf. Ihr Vater ist Schuldirektor. Ihre Mutter Hausfrau und Analphabetin.

Als Malala im Teenageralter ist, gewinnt die Taliban zunehmend Einfluss in ihrer Gegend. Frauen werden gezwungen, in der Öffentlichkeit eine Burka zu tragen. Mädchenschulen werden zu Anschlagszielen.  Malala lässt sich aber nicht wie viele andere einschüchtern, sondern kämpft weiter für ihr Recht auf Bildung. In einem BBC Blog berichtete sie regelmäßig aus ihrem Leben und der Situation der Mädchen unter der Herrschaft der Taliban.
Mit 15 Jahren wird sie Opfer eines Anschlags der Taliban und durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie nahezu unversehrt. Ihr Popularität nutzt sie aus, um weiter für ihr Ziel zu kämpfen.

Warum habe ich es gelesen?

Das Buch steht schon lange auf meiner Wunschliste, aber wie das so ist, musste Malala Yousafzai erst den Friedensnobelpreis gewinnen, bis ich das Buch auch tatsächlich gelesen habe.

Ich lese sehr gerne (Auto-)Biografien von außergewöhnlichen Menschen, am liebsten von starken Frauen. Was Malala in ihrem kurzen Leben bereits erlebt und erreicht hat, beeindruckt mich zutiefst. Daher wollte ich ihre gesamte Geschichte kennenlernen.

Wie war mein erster Eindruck?

Bereits auf den ersten Seiten war ich überrascht, wie handwerklich gut geschrieben dieses Buch. Gerade bei Autobiografien muss man ja leider öfter erleben, dass die Werke – von Laien geschrieben – nicht besonders gut lesbar sind. Vom Buch einer 17jährigen hatte ich diesbezüglich also keine allzu hohen Ansprüche.

Aber entweder ist Malala Yousafzai, was das Schreiben angeht sehr viel professioneller, als ich annahm, oder sie hatte sehr gute Unterstützung durch Christina Lamb. Dieses Buch jedenfalls liest sich schon fast wie ein Roman.
Auch der Aufbau folgt einem guten Spannungslosen, in dem im Prolog das Attentat, von dem ohnehin jeder Leser weiß, weggestellt und anschließend beschrieben wird, wie es dazu kam. Hier wird auch die Absicht und seines Titels deutlich, denn der Schütze fragte vor seinem ersten Schuss „Wer ist Malala?“.

Wie gefiel mir das Buch allgemein?

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Das Lebenswerk dieses noch so jungen Mädchens ist wirklich beeindruckend und das Buch sehr gut lesbar.

Vor allem in den ersten zwei Dritteln erfährt man viel über Pakistan; die Menschen, die dort leben, ihre Kultur und Geschichte und die Landschaft. Jedem, der sich dafür interessiert, was in dieser Gegend der Welt, über die so viel in den Medien berichtet wird, tatsächlich passiert und auch die Hintergründe erfahren möchte, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Besonders gut fand ich, dass „I am Malala“ ein so ausdifferenziertes Bild zeichnet. Hier wird das Vorgehen der amerikanischen wie pakistanischen Regierung im „Kampf gegen den Terror“ ebenso kritisiert, wie die Forderungen der Taliban. Es wird Verständnis dafür geweckt, weshalb diese islamistische Organisation so großen Zuspruch in dieser Gegend Paksistans finden konnte, ohne irgendwas entschuldigen zu wollen.

Auch wird m.E. deutlich, was ich bereits vermutete; nämlich, dass Malala bei ihrem Kampf um Bildung stark von ihrem Vater geprägt und unterstützt wurde. Dies sehe ich aber nicht als verwerflich oder kritisch an. Malala wurde, auch das wird deutlich, zu selbstständigen Denken und Handeln erzogen. Wäre es also nicht auch ihre eigenen Überzeugung, hätte sie sich wohl nicht einfach instrumentalisieren lassen. Für mich wird das Buch hierdurch nur noch authentischer. Malala wird nicht als Wunderkind, Heilige oder gleich hochstilisiert, sondern bleibt ein normales, wenn auch es intelligentes und engagiertes Mädchen.

Ich habe nicht nur sehr viel über die Geschichte Pakistans sondern auch über die unterschiedlichen Formen der Ausübung der islamischen Religion gelernt. Gerade bei letzteren merke ich immer wieder, wie vorurteilsbehaftet das westliche Meinungsbild (meines eingeschlossen) hier ist. Ich fand es daher sehr hilfreich, dass Malala in ihrem Buch mit dem ein oder anderen Vorurteil aufräumt. Gerade in Zeiten von Pegida und anderen rechtsradikalen, fremdenfeindlichen Bewegungen setzt „I am Malala“ ein wichtiges Zeichen, dass nicht alle Menschen muslimischen Glaubens, religiöse Fanatiker sind.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „Buchtipp“

Wie fand ich die Sprache?

„I am Malala“ war für mich mit mittleren Sprachniveau gut auf Englisch lesbar.
Einzig einige religiöse bzw. kulturelle Begriffe waren etwas schwerer nachzuvollziehen. Dieses sind jedoch kursiv gedruckt und werden am Ende des Buches in einem Annex erklärt, sodass man sich gut hierin einfinden kann.

Einziger Kritikpunkt, den ich an „I am Malala“ habe, ist das letzte Drittel des Buchs. Dieses beschreibt den Genesungsweg Malalas nach dem Kopfschuss. Zwar ist mir klar, dass dies in wesentlicher Teil der unglaublichen Geschichte Malalas ist, mir war es aber etwas zu medizinisch.

"I am Malala" von Malala Yousafzai

8.45

Anfang

9/10

    Handlungsverlauf

    8/10

      Schluss

      8/10

        Sprache

        9/10
          • gut lesbar, unterhaltsam
          • räumt mit Vorurteilen auf
          • nicht parteiergreifend, romantisierend
          • Infos über Pakistan: Land, Leute, Geschichte, Kultur
          • wird im letzten Drittel sehr medizinisch

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