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Rezension #40: „Mein langer Weg nach Hause“ von Saroo Bierley

Worum geht es?

(Kurzbeschreibung des Verlags)
Es ist ein Tag wie jeder andere im Leben des fünfjährigen Saroo: Auf dem Bahnhof einer indischen Kleinstadt sucht er nach Münzen und Essensresten. Schließlich schläft er vor Erschöpfung in einem wartenden Zug ein. Der fährt den kleinen Jungen ans andere Ende von Indien, nach Kalkutta. Völlig alleine an einem der gefährlichsten Orte der Welt schlägt er sich wochenlang auf der Straße durch, landet im Waisenhaus und gelangt so zu den Brierleys, die Saroo ein neues Zuhause in Australien schenken. Fünfundzwanzig Jahre später macht sich Saroo mit Hilfe von Google Earth auf die Suche nach seiner leiblichen Familie. Am Bildschirm fährt er Nacht für Nacht das Zugnetz von Indien ab. Das Unglaubliche passiert: Er findet ein Dorf, das dem Bild in seiner Erinnerung entspricht – und macht sich auf den Weg …

Warum habe ich es gelesen?

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bei Vorablesen.de. Es reizte mich gleich aus mehreren Gründen: Zum einen bin ich ein großer Indien-Fan, schon selbst dort gewesen und lese gerade Bücher, die in dem Land spielen. Zum anderen ist es eine wahre Geschichte, eine Art Autobiografie, wenn man so will. Auch für solche Bücher habe ich etwas übrig. Dass dieses Buch beides miteinander verbindet und dann auch noch eine so unglaubliche Geschichte erzählt, war für mich einfach unwiderstehlich. Ich bewarb mich um ein Rezensionsexemplar und hatte tatsächlich Glück!

Wie war mein erster Eindruck?

Wer Vorablesen.de kennt, weiß, dass dort noch vor der Veröffentlichung des Buches immer eine erste Leseprobe zu finden ist. Diese sagte mir sehr zu. Da es sich um eine Laienschriftsteller handelt, rechnet ich eigentlich nicht mit einer besonders hohen literarischen Qualität. Der Auszug ließ sich jedoch leicht und flüssig lesen und war sehr unterhaltsam.

An einigen Stellen tritt die Handlung etwas auf der Stelle und es gibt für meinen Geschmack manchmal zu viele Wiederholungen, dies ist jedoch nur in den ersten Kapiteln der Fall.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Das Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich habe es förmlich aufgesogen. An nur einem Nachmittag habe ich es zu zu fast 2/3 durchgelesen, was mir sehr selten passiert. Es ist wirklich eine außergewöhnliche Geschichte, wie sie wohl nur das Leben selbst schreiben kann.

Die Schilderungen von Indien, insbesondere Kalkutta sind so lebendig, dass ich nicht nur ein sehr genaues Bild vor Augen hatte, sondern auch den Lärm zu hören und den Gestank zu riechen glaubte.
Brierley schreibt mit viel Rücksicht auf die Gefühle seiner Familien. Mir war das phasenweise ein kleines bisschen zu viel. Dennoch fand ich es gut, dass er allen mit Respekt begegnet und viel Einfühlungsvermögen beweist.

Der Handlungsverlauf ist gut und ohne Längen dargestellt. Er fasst an den richtigen Stellen zusammen und detaillert vor allem die wesentlichen Stationen von Saroo Brierleys Reise.

Etwas kritisch empfand ich die Romanisierung des Elends in Indien im ersten Teil des Buches, wenn Saroo Brierley seine Kindheitserinnerungen schildert. Aber vermutlich ist das vollkommen normal bei Erinnerungen. Nur die wenigsten werden von sich behaupten, keine schöne Kindheit gehabt zu haben.
Zudem wurden in der deutschen Übersetzungen wohl die Platzierung der Fotos verändert, der Text aber nicht angepasst. Die Bildverweise stimmen daher nicht immer, was mich jedoch nicht groß störte.

Sehr gut gefallen hat mir vor allem das Ende des Buches, wo er seine neu gewonnene Perspektive als Mann, der zwischen den Kulturen lebt, beschreibt. Ich finde es immer spannend, wenn man den eigenen Lebensstil aus den Augen einer fremden Kultur erleben darf.

Leider bleibt am Schluss jedoch eine Frage offen: Was ist mit Saroo Brierleys Vater, der sich von der Familie trennte, als Saroo Brierley noch ein kleiner Junge war? Immer wieder schreibt Brierley, er wolle auch ihn wiedersehen. Ob es zu einem Treffen kam, bleibt aber offen.

Insgesamt ist „Mein langer Weg nach Hause“ eine unglaubliche, herzerwärmende Geschichte, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann. Ich hatte sehr großen Spaß am Lesen, vergebe wegen der kleineren Kritikpunkte, aber keine volle Punktzahl.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „Lieblingsbuch“

"Mein langer Weg nach Hause" von Saroo Bierley

9.32

Anfang

9/10

    Handlungsverlauf

    10/10

      Charaktere

      10/10

        Schluss

        10/10

          Sprache

          9/10
            • Beschreibung der Perspektive als Mann
            • Romantisierung des Elendes in Indien
            • falsche Bildverweise

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