3 Herzchen, Rezension, Roman
Schreibe einen Kommentar

Rezension #34: „Der Allesforscher“ von Heinrich Steinfest

Warum ich es gelesen habe?

Erstmals aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, als zum Deutschen Buchpreis 2014 auf die Longlist aufgenommen wurde. Der Auszug im Lesebuch zur Longlist gefiel mir sehr gut. Die darin beschriebene vollkommen absurde und skurrile Episode mit dem explodieren Wal begeisterte mich sehr. Ich nahm das Buch auf meine persönliche Shortlist auf. Für mein Projekt „persönliche Shortlist lesen“ habe ich es nun gelesen.

Wie war mein erster Eindruck?

Mein erster Eindruck war sehr positiv. Im ersten von insgesamt drei Teilen, in die das Buch unterteilt ist, gerät der Protagonist von einer absurd-skurrilen Situation in die nächste. Dabei wird das Ganze in einem so nüchtern selbstverständlichen Tonfall und einem gleichzeitigen verbalen Augenzwinkern erzählt, dass ich mich bestens amüsierte.

Wie fand ich das Buch allgemein?

Der sehr positive erste Eindruck bestätigte sich in den folgenden beiden Teilen leider nicht. Schon am Ende des ersten Teils langweilte ich mich phasenweise bei den seitenlangen Ausführungen über das Klettern. Auch wurden die skurrilen Ideen weniger. Was blieb, waren tolle sprachliche Bilder und eine leider recht schwache Handlung.

Am meisten fehlte mir etwas inhaltliche Tiefe. Das Buch scheint keinerlei Aussage zu haben. Mir wurde jedenfalls bis zum Schluss nicht klar, was der Autor mit seiner Geschichte überhaupt ausdrücken wollte. (Geht es um die Begriffe Schicksal und Zufall?)

Hinzu kommt, dass auch die Verbindung zum Titel für mich nicht richtig klar wurde. Zwar kommt ein „Allesforscher“ im Roman vor; dieser hat jedoch eine Nebenrolle. Für die eigentliche Geschichte ist er vollkommen uninteressant.

Dieser schwache Inhalt tat mir vor allem auch deshalb so leid, weil Steinfest sprachlich wirklich auf einem hohen Niveau schreibt. Die Bilder, die er mit seinen Beschreibungen malt, und der immer wieder eingestreute ironische Wortwitz lassen erahnen, dass Steinfest eigentlich mehr könnte. Er ist ein guter Beobachter und spricht in „Der Allesforscher“ viele aktuelle Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Globalisierung an. So gesehen ist das Buch dann sogar erstaunlich komplex. Allein die das ganze umspannende Handlung war mir zu konstruiert und trägt zu wenig.

In einem Nachwort schreibt Steinfest, er habe einige Stellen des Romans auf Grund von Empfehlungen Dritter immer wieder umgeschrieben. Ich bin mir nicht sicher, ob er sich damit tatsächlich einen Gefallen getan hat.
Im dritten Teil gibt es eine Szene, in der der Protagonist z.B. aus eine Höhle tritt und drei Sonnen sieht. Als ich das las, war ich begeistert, weil ich dachte, endlich geschieht wieder etwas vollkommen absurdes: ein Paralleluniversum vielleicht. Leider wurde das Phänomen kurz darauf naturwissenschaftlich erklärt. Im Nachwort steht aber, in der ursprünglichen Version habe sich der bevorstehende Weltuntergang hierdurch angekündigt. – Ja, bitte! Das hätte ich lesen wollen!

Zusammengefasst muss ich über „Der Allesforscher“ leider sagen, dass mein hohen Erwartungen leider nicht erfüllt wurden. Ich bin etwas enttäuscht von diesem Buch, das jedoch trotzdem nicht schlecht ist. Nicht schlecht, aber leider auch nicht gut. Mittelmaß.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „lesenswert“

"Der Allesforscher" von Heinrich Steinfest

5.9

Anfang

9/10

    Handlungsverlauf

    5/10

      Charaktere

      4/10

        Schluss

        4/10

          Sprache

          8/10

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.