3 Herzchen, Rezension, Roman
Kommentare 2

Rezension #33: „Das Polykrates-Syndrom“ von Antonio Fian

Warum ich es gelesen habe?

Das Buch habe ich im Rahmen meines Projekts „persönliche Shortlist lesen“ gelesen. Hierbei habe ich mir vorgenommen, alle 6 Titel einer persönlichen Shortlist zu lesen, die aus den 20 Büchern der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2014 zusammengestellt habe. Nach „Vor dem Fest“ von Sasa Stanisic ist dies bereits das zweite Buch, das ich für dieses Projekt lese.

Angesprochen hat mich an diesem Buch vor allem die Leseprobe, die in Lesebuch zur Longlist des Deutschen Buchpreises erschien. Ich mochte den Sarkasmus und Wortwitz in diesem Auszug des Buches.

Wie war mein erster Eindruck?

Meinen ersten Eindruck habe bereits im Beitrag „persönliche Shortlist lesen #1“ geschildert.

Er war sehr positiv. Der Erzählstil sprach mich sehr an. Ich mochte es, dass immer wieder im Vorgriff kommende Ereignisse angedeutet wurden, und auch, dass der Leser persönlich angesprochen wurde.

Leider hat der Ebook-Satz keinen Rand, was das Lesen auf meinem Pocketbook etwas anstrengender machte.

Wie fand ich das Buch allgemein?

Die Idee hinter diesem Buch ist es, ein Situation bzw. Episode scheinbar vollkommenen Glücks in das genaue Gegenteil zu verkehren; so wie es auch Polykrates in der griechische Sage geschieht.

Das Buch hat einige unerwartete Wendungen. Was als klassische Beziehungsgeschichte über einen ehelichen Seitensprung beginnt, wird schnell zu einem wahren Albtraum, der im weiteren Verlauf ungeahnte Ausmaße annimmt. Das letzte Drittel liest sich dann tatsächlich fast schon wie ein Splatter-Roman. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet.

Etwas grotesk ist es, dass trotz all des Unglücks, der Gewalt, des Hasses und des Blutes immer wieder humoristische Elemente eingeflochten werden. So sieht der Protagonist Artur beispielsweise von Zeit zu Zeit tote Personen, die ihn aufziehen wollen. Auch der Tonfall des Ich-Erzählers verliert mit zunehmendem Albtraum nicht an (Wort-)Witz, Sarkasmus und Humor.

An einigen Stellen konnte ich die Verhaltensweise von Artur leider nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht war er einfach selbst schon etwas in den Wahnsinn abgedriftet, so dass er gar nicht mehr zu logischen Handlungen in der Lage war (?).

Das Ende ist eher offen gehalten. Grundsätzlich finde ich das immer gut, weil es beim Leser einen Interpretationsspielraum für die eigene Fantasie offen hält. In diesem Fall jedoch wurden gleich zwei Handlungsstränge nicht zu Ende erzählt, was ich zumindest im Fall von Arturs Mutter als unbefriedigend empfand.

Trotz aller der Kritik liest sich das Buch aber wirklich gut. Es ist unterhaltsam und kurzweilig. Ich habe es nur 4 Tagen gelesen, was für mich wirklich schnell ist.

Bewertung: ♥♥♥♥♥ „lesenswert“

"Der Allesforscher" von Antonio Fian

7.1

Anfang

9/10

    Handlungsverlauf

    8/10

      Charaktere

      7/10

        Schluss

        5/10

          Sprache

          8/10
            • unterhaltsam & kurzweilig
            • Wortwitz & Humor
            • unerwartete Wendungen
            • unlogische Verhaltensweisen
            • unbefriedigendes Ende

            2 Kommentare

            1. Das klingt richtig gut! Unerwartete Wendungen sind immer gut, aber hier wirkt es… so geordnet; nicht, als müsste man Wendungen einbauen, damit es spannend bleibt.

            2. Hallo!
              Danke für die tolle Rezension. Mein Onkel hat mir das Buch gerade empfohlen als super grauslich. Jetzt bin ich sehr gespannt und werde es gleich als nächstes lesen.
              Lg lesefreude

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.