4 Herzchen, Hörbuch, Krimi, Rezension
Kommentare 1

Rezension #59: (Hörbuch) „Joyland“ von Stephen King

In „Joyland“ fand ich nicht den für Stephen King typischen Horror- / Grusel-Schocker, sondern eine klug aufgebaute Mischung aus Coming-of-Age-Roman und Krimi mit einigen kleineren Mystery-Elementen. Meinem Hörerlebnis tat dies jedoch keinen Abbruch.

Die Story bietet einige gekonnt platzierte Wendungen, Charaktereinführungen und Überraschungsmomente, die keine Langeweile aufkommen lassen, und in einem actionreichen Showdown zu einem spannendes Finale führen.

Mit David Nathan wurde ein idealer Sprecher für Stephen Kings „Joyland“ gefunden.

Bewertung: ♥♥♥♥ „Buchtipp“

Worum geht es?

North Carolina 1973. Devin Jones nimmt während der Semesterferien im Sommer einen Aushilfsjob im Vergnügungspark „Joyland“ an. Dort beschäftigen ihn nicht nur die üblichen Probleme eines 21jährigen (die erste große Liebe und der Sex), sondern auch die Erzählungen der Schausteller über die Geisterbahn „Horror House“, in der es nach dem Mord an einer jungen Frau tatsächlich spuken soll. Als Devin seinen Aufenthalt verlängert, um intensivere Nachforschungen hierzu zu betreiben, gerät er schnell in einen Strudel von Ereignissen, die auch ihn schließlich mit dem Leben bedrohen.

Warum habe ich es gehört?

Es ist vor allem meinem Freund zu verdanken, dass ich mich nach längerer Zeit wieder ein­mal für einen Stephen King-Roman entschied. Seine große Begeisterung steckt mich an. Außerdem scheint Stephen King in den letzten Jahren eine wahre Renaissance zu erleben, nachdem seine jüngsten Romane auch in den Feuilletons gelobt wurden.

Auf „Joyland“ fiel meine Wahl schließlich vor allem wegen des anziehenden Settings. Ein Vergnügungspark scheint doch reichlich Potenzial für schräge, zwielichtige Gestalten zu besitzen. Deren harten Kontrast zur organisierten, professionellen Fröhlichkeit des Parks stellte ich mich sehr spannend vor.

Wie war mein erster Eindruck?

Die starke Retrospektive, in der „Joyland“ erzählt wird, gefiel mir gut. Es ist Devin Jones selbst, der hier und heute im Alter von über 60 Jahren von diesem ganz besonderen Sommer berichtet, der in auf einen Schlag erwachsen werden ließ. Diese zeitliche Distanz und die größere Reife des Alters machen ihn zu einem angenehmen Erzähler, der sein jugendliches Selbst gerne mit einem kleinen, sehr sympathischen Augenzwinkern und einer feinen Prise Humor betrachtet.

Wie fand ich das Hörbuch insgesamt?

Ich gebe zu, von „Joyland“ etwas anderes erwartet zu haben. Für ein Buch von Stephen King ist es nicht nur erstaunlich kurz, sondern lässt sich auch nicht dem klassischen Horror-/Grusel-Genre zuordnen. Meinem Hörvergnügen tat dies jedoch keinerlei Abbruch. Stephen King ist eben einfach ein meisterlicher Erzähler, bei dem vermutlich sogar eine von ihm verfasste Bedienungsanleitung einen gewissen Unterhaltswert besäße.

Mit „Joyland“ entwickelt er eine klug aufgebaute Mischung aus Krimi und Coming-of-Age-Roman mit einigen kleineren Mystery-Elementen, die mich bestens unterhielt. Wendungen, Charaktereinführungen und Überraschungsmomente sind, wie von Stephen King gewohnt, gekonnt platziert, um einen durchgehenden Spannungsbogen zu erhalten. So kam bei mir zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, obwohl sich Stephen King verhältnismäßig viel Zeit lässt für den Aufbau der eigentlichen Geschichte. Vor allem das ereignis- und actionreiche Ende mit einem spannenden Showdown auf dem Riesenrad in „Joyland“ war ganz nach meinem Geschmack.

Anschließend springt der Erzähler in der Handlung um einige Jahre nach vorne, um auch alle weiteren Erzählstränge zu Ende führen zu können. So entsteht ein rundes Ende, das keine Fragen offen lässt. Die Mystery-Elemente hätte es für meinen Geschmack zwar nicht gebraucht; gestört haben sie mich aber auch nicht.

Auch die Charakterzeichnung ist gut gelungen. Frei von Klischees und Stereotypen entwickelt Stephen King authentische Figuren, bei denen Motive und Handeln stets nachvollziehbar erscheinen. Trotzdem gaben mir einige Charaktere immer wieder Rätsel auf, so dass ich bis zuletzt über den Täter und dessen Motiv spekulierte. Besonders schräge Gestalten, auf die ich eigentlich hoffte, konnte ich aber leider nicht finden.

Wie fand ich den Sprecher?

David Nathan liest „Joyland“ mit einem ruhigen, besonnenen Ausdruck, der gut zu dem älteren, erfahrenen Herren passt, der die Geschichte erzählt. Auch den bisweilen leicht selbstironischen Unterton des Erzählers stellt David Nathan schön dar (siehe „erster Eindruck“).

In Dialogen werden die Gesprächspartner mit unterschiedlichen Stimmen intoniert. So ist stets klar, wer gerade spricht. Auch das Sprechtempo ist gut gewählt. Ich konnte der Handlung problemlos folgen.

Challenges:

USA / Nordamerika

USA / Nordamerika

Nr. 11: ... mit einem elektrischen Gegenstand auf dem Cover

Nr. 11: … mit einem elektrischen Gegenstand auf dem Cover

(Hörbuch) "Joyland" von Stephen King

(Hörbuch)
8.14

Anfang

7/10

    Handlungsverlauf

    9/10

      Charaktere

      8/10

        Schluss

        9/10

          Sprecher

          8/10

            1 Kommentare

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.